Die Hitlerjugend ist anscheinend nicht wieder da, sondern sie war nie weg.

Wiking Jugend --> Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) --> Jungadler

Mitten in unserer schönen Gegenwart werden Kinder und Jugendliche systematisch zu Nationalsozialismus, Verachtung, Gewalt und Hass erzogen.

Die ersten beiden Organisationen sind mittlerweile verboten. Aber wie immer wird dann einfach unter einem neuen, anderen Namen weitergemacht. Derzeit eben: "Jungadler".

https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-06/rechtsextremer-jugendbund-jungadler-ermittlungen-struktur-hitlerjugend

Rechtsextremer Jugendbund: Wie eine geheime Organisation Kinder indoktriniert

Ungestört schult ein rechtsextremer Jugendbund seit Jahren Kader. Nun enthüllen Unterlagen, wie nah die Organisation der Hitlerjugend steht – und wer zu den Köpfen zählt.

DIE ZEIT
@NuttLos Der Faschismus ist eben nicht nur Reaktion auf prekäre Verhältnisse sondern Potential und Konsequenz des Kapitalismus.

@Genk Ja, ich habe nur einen ganz anderen Theorierahmen. Für mich ist Faschismus die logische Folge von Aristokratie. Oder anders gesagt: Folge der massiven, drastischen Demokratiedefizite unserer Gesellschaften.

Die Analysekategorie "Kapitalismus" greift für mich viel zu kurz (sachlich und historisch).

Aber das führt hinein in eine für mich unproduktive Theoriedebatte, die ich nicht führen möchte. Vielleicht sollte ich auf solche Posts einfach besser nicht mehr antworten. 😬

HG trotzdem! 👋🏽

@NuttLos Ah ja ein Demokratie Defizit... könnte es sein das dieses Defizit schon bei der Mitbestimmung von der Verteilung von Gütern anfangen könnte?

@Genk Leider nein. Es geht los mit sehr ungleich verteiltem Glück, Beziehungen und Temperament. Der Rest folgt dann daraus.

Leider ist der Grundzustand der Welt seit ca. 10.000 Jahren aristokratisch. Dazu muss nichts weiter passieren, als das Menschen "ein bisschen verschieden sind". Die Machtakkumulation ergibt sich dann unter Sesshaftigkeitsbedingungen sozusagen "von allein".

Heute, mit etabliertem staatlichen Gewaltmonopol hat sich die Machtfrage verlagert auf staatlichen Einfluss, d.h. ...

@Genk ... wer den Staat am meisten beeinflussen kann, hat die Macht.

Das Problem dabei ist, dass die in dieser Weise Privilegierten von uns in der Regel als letzte von den Problemen betroffen sind, die sie als einzige adressieren könnten. Und wir Menschen sind Unmittelbarkeitswesen, wir reagieren in der Regel nur auf unmittelbare Betroffenheit.

Hinzu kommt die "natürliche Segregation" in komplexen, differenzierten Großgesellschaften, wie sie in der Sesshaftigkeit entstehen:

...

@Genk ... Reiche und arme haben kaum "bedeutungsvolle Beziehungen", d.h. auch auf diesem Weg fällt die Feedbackschleife aus. Kybernetisch lässt sich das gut denken.

Die am meisten Betroffenen können am wenigsten beeinflussen. Die am meisten beeinflussen können, sind am wenigsten betroffen.

Wenn die Mächtigen merken, dass sie irgendwie doch auch "mit im Boot" sind, sind die Probleme immer bereits gewaltig. Das ist das Gegenteil eines "umweltresponsiven Systems."

Und so geht es dahin...

@Genk ....Die Probleme sind deutlich älter als die Industrialisierung und beginnen wie gesagt mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit. Strukturell hat sich an den Machtproblematiken und dem systemischen Feedbackausfall seitdem kaum etwas geändert:

Aristokratien sind immer in-sich-instabil und richten immer Katastrophen an.

Merkt man v.a. dann, wenn man viele antike Texte liest. 🤷🏽

Einzige substantielle Unterschiede heute: Wir sind sehr viel mehr Menschen gleichzeitig und haben andere Techniken.

@Genk ...Analytisch gesprochen:

Wir können nicht zurück. Und selbst wenn wir uns bei einem Zivilisationszusammenbruch wieder zu einem Ausgangspunkt zurückentwickeln, von dem aus wir "noch einmal neu anfangen können", ist zu erwarten, dass wir exakt die gleichen Probleme erneut produzieren, die wir heute haben.

Ich halte Analysen vom Typ "Kapitalismuskritik" daher für schlimme Verharmlosungen.

Unsere Probleme sind deutlich älter und haben sehr viel mehr mit der menschlichen Natur zu tun, ...

@Genk ...die auf die Bedingungen, unter denen wir seit ca. 10000 Jahren operieren, denkbar schlecht angepasst ist, ohne dass sich daran etwas groß ändern könnte.

Evolution kann viel, aber es gibt immer auch wieder Anpassungsgrenzen.

Wir leben in der Paradoxie, dass wir uns an die Umwelt (die Gesellschaft), die wir selbst gemeinsam hervorbringen, nicht anpassen können.

Es gibt einen dauerhaften, bleibenden Missmatch zwischen uns und der von uns gemeinsam erzeugten Dynamik ("der Gesellschaft").

@Genk ...In diesem Kontext ist Demokratie, die durch das Losverfahren als Mittel politischer Machtverteilung zustande kommt, als recht aufwändige und reichlich artifizelle Kulturpraxis unsere relativ beste Option.

A) Weil sie in dem Umfang, wie das heute noch möglich ist, "bedeutungsvollen Kontakt" zwischen allen herstellt.

B) Weil zu erwarten ist, dass dadurch zumindest gewisse selbstregulative Mechanismen möglich werden.

Zumindest mehr als in den aristokratischen Formen, die wir heute...

@Genk ...haben, jemals möglich sein wird.

Faktisch sind aristokratische Systeme Selbstregulationsausfälle.

Die Aristokratie versucht das immer zu kaschieren durch so lustige Dinge wie "freiwillige Selbstkontrolle", "private Eigeninitiatve", "(Adels)Ethos" und natürlich auch Religion.

Aber letztlich sind Aristokratien Gesellschaftssysteme, die frei drehen, Systeme, die sich auch dann nicht selbst regulieren können, wenn sie bemerken, dass sie im Selbstzerstörtungsmodus unterwegs sind.

@Genk ...Auf der Machtebene sind Aristokratien Systeme mit einem doppelten Feedbackloop:

Mehr private Macht (i.d.R. Vermögen, aber nicht nur) führt zu mehr Einfluss auf den Staat. Und mehr Einfluss auf den Staat führt zu mehr privater Macht.

Wie Bret Weinstein mal schön herausgearbeitet hat: "In der Natur sind Systeme mit einem solchen doppelten Feedbackloop immer instabil."

https://www.youtube.com/watch?v=SjNRtrZjkfE

The Personal Responsibility Vortex: Bret Weinstein at TEDxTheEvergreenStateCollege

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