die größte schwäche von trump/musk ist ihre infrastrukturvergessenheit. sie erkennen nicht an, dass ihre eigene macht auf der allgemeinen anerkenntnis all der regeln fußt, die sie gerade abschaffen und brechen.

das wird sie nicht sofort entmachten, aber ihre macht erodieren. wenn alle anfangen, die regeln zu brechen, zerbricht das vertrauen in verträge und transaktionen und die wirtschaft klappt zusammen. außerdem geht ihr wettbewerbsvorteil verloren, denn ruchlosigkeit wird normal.

sie glauben, die regeln halten sie von ihrem erfolg ab, dabei war es die regelbefolgung der anderen, die ihnen immer wieder einen vorteil verschaffte. in einer welt ohne regeln, haben sie diesen vorteil nicht mehr.

ich glaube nicht, dass sie das entmachten wird. durch wen?

in einer welt ohne regeln ist dein wichtigstes asset materielle gewalt. und davon haben sie jetzt endlos viel supply.

aber die usa werden ärmer. handel, forschung, innovation, tourismus, etc. funktionieren nur mit institutionellem vertrauen und das wird absterben.

aber trump kann immer noch könig in einem armen armerika sein.

und: er wird wege suchen, durch den einstatz des riesigen militärs tribut von anderen staaten zu erpressen.

libertarismus bringt gewissermaßen die dümmste form des faschismus hervor. den antistaatlichen faschismus. während andere faschismen bei der machtergreifung den staat einfach ihre neuen regeln aufdrückten und so effektiv durchregieren konnten, tut die trumpregierung alles, um regeln ansich und ihre institutionen zu bekämpfen. sie entleiben sich damit selbst.
"gesellschaft" besteht weder aus menschen, noch aus "kommunikationen" wie luhmann meinte. gesellschaft besteht aus erwartungen. erwartungen kann man ändern, und auch ungerechtigkeit kann teil der erwartungen sein. aber ohne eine gewisse erwartungsstabilität gibt es keine gesellschaft. wenn man die erwartungsstabilität so direkt targetet wie die trumpregierung, bricht halt alles zusammen.

das erstreckt sich auf viele bereiche, aber ist am besten bei trumps zollpolitik zu sehen.

klar, man kann zölle einsetzen, um eigene industrien zu stärken, oder um staaten zu bestrafen, oder um einnahmen zu generieren.

aber halt nicht gleichzeitig?

und vor allem entfaltet sich die gewünschte wirkung nur dann, wenn sich die erwartungen allgemein anpassen, also die unternehmen entsprechend planen.

aber mit dem hin und her und auf und ab je nach laune kann halt niemand planen?

der libertäre regelbrecher ist, sofern er erfolgreich ist, immer ein parasit des regelsystems.

aber weil sich menschen nun mal immer als helden ihrer welt erzählen und diese menschen ganz besonders, wird dieses verhältnis umgekehrt: schaut, ich habe die regeln gebrochen, also braucht es sie nicht.

libertäre ideologie ist im kern das unvermögen sich als eingebundenen teil eines größeren ganzen zu betrachten.

@mspro Ich würde sogar sagen dass genau dieser Aspekt ihn zur Fortschreibung des christlichen Selbstverständnis macht („macht euch die Erde Untertan“).
@anotherdaniel das christiliche selbstverständnis ist schon komplexer als eine zeile im alten testament.
@mspro @anotherdaniel die Nähe zur protestantischen Ethik, ist aber schon da. Die Begründung ist eine andere, die Zielsetzung der Begründung ist die gleiche.

@mspro

Er hält seine #Vorgehensweise für #superschlau und #smart. Er liebt es, #unberechenbar zu erscheinen, was sich natürlich auch wieder #berechnen lässt (in einem gewissen Rahmen).
So wird er immer durchsichtiger, zumal er das 2017 schon mal alles gemacht hat. Für die betroffenen #Unternehmen ist es trotzdem eine #Katastrophe.

@mspro Guter Thread, aber Meister Luhmann kennt auch die Erwartungen und nicht nur das. Um mal Wiki zu zitieren:

'Die Erwartungserwartung ist ein Theorem aus der soziologischen Systemtheorie über die Stabilisierung sozialer Situationen. Erwartungen reduzieren Komplexität in sozialen Systemen. Erwartungserwartungen sind solche Erwartungen, die sich auf die Erwartungen eines Gegenüber beziehen...

@mspro Teilnehmer sozialer Systeme haben eine Fülle von Handlungsoptionen, ihr Handeln ist also kontingent. Da das für alle Teilnehmer gilt, herrscht doppelte Kontingenz.'

@wackJackle das weiß ich und die stelle habe ich sogar in meinem buch zitiert.

umso erstaunlicher, dass er da nicht selbst drauf gekommen ist. aber ich vermute, erwartungen waren ihn zu materiell?

@mspro Ich würde ihn da so verstehen, dass Kommunikation zwar über allem anderen steht bei Luhmann, aber die Erwartungen quasi direkt danach folgen. Ich würde das nicht als Gegensatz sehen, sondern vielleicht eher eine notwendige Operation von Luhmann, um mit der Kommunikation eine Leitdifferenz für seine Systemtheorie zu haben.

Aber bessere Luhmann Kenner dürfen mich gerne kritisieren, wenn ich falsch liege.

@wackJackle ich versteh schon, wie er darauf kommt. weil er halt das system denken will.

aber es gibt kein "system". systemtheorie ist quatsch. was auch der grund ist, warum sie nie irgendwas erklärt.

luhmann ist gut, wenn er über erwartungen und struktur schreibt. den systemquatsch braucht es gar nicht.

@mspro Ich bin da nicht ganz Deiner Meinung, aber verstehe, was Du meinst.

Vielleicht so ausgedrückt. Wenn es gar keine Kommunikation gibt, kann es auch gar keine Sozialität geben, sodass so etwas wie Erwartungen und Erwartungserwartungen nicht stattfinden, bzw. nicht beobachtet werden können, sodass für Luhmann alles weitere erst folgt. So verstehe ich ihn da.

@wackJackle evtl liegt da sein zentrales mißverständnis? denn kommunikation ist nicht nur voraussetzung für erwartung, sondern erwartung ist immer auch voraussetzung für kommunikation.

er versteht die infrastrukturhaftigkeit von semantik nicht?

@mspro Ja, das mag sein.

Luhmann würde vielleicht antworten, dass er das durchaus weiß, er aber für seine Systemtheorie mit der Kommunikation anfängt, weil das etwas ist, was aus zweiter Ordnung beobachtet werden kann und es für ihn(!) keinen Sinn ergibt, vorher anzusetzen.

Aber das übersteigt auch meine eigenen Luhmann Kenntnisse. Wenn wer mitliest, der es genauer weiß, immer her. :)

@wackJackle wenn erwartung nicht etwas individuelles ist, sondern immer erwartungserwartungen (also struktur), dann ist operationale schließung/autopoiese nie wirklich machbar.

luhmanns dreisatz der kommunikation: information, mitteilung und verstehen ist deswegen nur ein intersubjektives, aber eben kein strukturelles modell. er will die kommunikation zwischen systemen (psychischen, sozialen) modellieren und tut so, als wäre das ohne äußere struktur möglich.

@mspro Versucht er das nicht mit der Leitdifferenz eines Systems und System/Umwelt Beschreibung etwas einzufangen?

Aber ich verstehe, was Du meinst und die Kritik an Luhmann kannte ich so noch nicht. Interessanter Punkt jedenfalls.

@mspro @wackJackle Kommunikation "zwischen" psychischem und sozialem System ist bei Luhmann nicht möglich - Kommunikation gibts nur sozial. Die analoge Operation im psychischen wären Gedanken. Was sie gemeinsam haben ist dass beide Operationsweisen sinnhaft laufen. Dass es doch irgendwie zusammenhängt, das will er dann doch mit struktureller Kopplung beschreiben
@wackJackle @mspro hm, naja, Luhmann "fängt an" mit Kommunikation, weil er damit ein emergentes Element für seine Systeme hat, das ein genuin soziales ist und eben im Prinzip nicht an Menschen, Handlungen etc. hängt.
@mspro Das klingt erstmal nach "irgendwann funktionieren die Befehlsketten nicht mehr, und dann bricht das Regime zusammen und alles wird gut", ich bezweifle das aber als erfolgreiche Strategie, denn autoritätshörige genauso wie verängstigte Menschen werden sich einfach dem nächsten Warlord unterordnen.
@slowtiger deswegen habe ich ja explizit ausgeschlossen, dass es sie entmachen wird. aber danke, dass du das nochmal aufschreibst.

@mspro

Hoffen wir mal, dass die #Amerikaner bis zu den #Midterm-#Wahlen so #stinksauer sind, dass die #Machtverhältnisse im Kongress wieder zu Gunsten der #Demokraten gehen. Im Moment sind die Dems viel zu passiv und total lahm, was die #Gegenwehr angeht. #ChuckSchumer schläft fast ein am Pult. Die müssen aus dem Quark kommen.