Zwei Trends sind meiner Meinung nach die Ursache für die wirtschaftliche Schieflage in der Weltwirtschaft und verbreitete Unzufriedenheit trotz Wohlstandwachstum: Rentenökonomie und Immaterialgüterwirtschaft.
Im folgenden möchte ich erklären, warum.
Rentenwirtschaft hat nichts mit Altersrente zu tun, sondern ist ein Verhalten, wo Eigentum, Knappheit oder politische Macht dazu genutzt wird, leistungssloses Einkommen zu erzielen, ohne die Knappheit zu beseitigen. Früher hätte man das Schmarotzertum, Wucherei und Krisengewinnlertum genannt, und es ist unumstritten, dass dies massiv wirtschaftsschädigend ist:
https://de.wikipedia.org/wiki/Renten%C3%B6konomieRentenökonomie – Wikipedia
Besonders interessant ist aber, wie Rentenwirtschaft in Verbindung mit Ausweitung von Immaterialgüterrechten die Weltwirtschaft in den letzten Jahrzehnten geprägt hat. Beides ist hauptverantwortlich für die Auslagerung und Abwanderung von Produktion in "Billiglohnländer". Musste man früher vor allem Dinge selbst produzieren, um Geld zu verdienen, lässt man heute irgendwo produzieren und extrahiert Geld von echten Produzenten mittels Marken-, Patent- und Urheberrecht, das Wettbewerb unterdrückt.
Die USA waren da Vorreiter und profitieren am meisten von dem System. Globale U.S. Mega-Konzerne wie Google, Apple, Microsoft und Meta etwa lassen Software und Technologie im Ausland entwickeln, wobei die Rechte daran komplett in den USA landen. Oder fast alle großen Marken lassen billig im Ausland produzieren, während sie mit Hilfe ihrer Markenrechte den Markt kontrollieren und Nachahmer und damit Wettbewerb unterbinden.
Immaterialgüterrechte machen zu einem gewissen Grad Sinn, um Investitionen in Forschung, Entwicklung oder Gestaltung zu befördern, aber das ganze System nützt immer weniger den Interessen von Kreativen und Erfindern, sondern zunehmend großen Kapitalgesellschaften, die die Gesetzgebung zu ihren Gunsten beeinflussen und mit riesigem Aufwand vor Gerichten durchsetzen, auch international.
Neben klassischen Immaterialgütern wie Musik, Filmen und Patenten auf materielle Produkte haben sich Monopolisierungsbegehrlichkeiten ausgeweitet auf Software, die eigentlich nicht patentierbar ist, und erhobene Daten, die eigentlich nicht urheberrechtlich schützbar sind, und das trifft nun auf maschinelles Lernen und Datenkodierung und -(re)produktion in neuronalen Netzen, die alles auf den Kopf zu stellen drohen.
In der asiatischen Kultur, vor allem in China und Japan, galt Wissen und Know-How als etwas, das der Allgemeinheit gehört und aus dem sich jeder frei bedienen kann, und kopiert zu werden gilt als Ehre und Anerkennung. Bei uns gilt das nur noch für einen Teil des Wissens, und leider nicht einmal für alles Wissen, das mit öffentlichen Geldern erschaffen wird, und selbst Hochschulen sind angehalten, ihre Ergebnisse zu vermarkten, also Geld dafür zu nehmen.
Auf der anderen Seite hat das Internet den Zugang zu Wissen und Bildung extrem vereinfacht, und die "verlängerten Werkbänke" in "Billiglohnländern" haben dazugelernt und sind dabei, ihre "Meister" im globalen Westen einzuholen und gar zu übertreffen, wenn man sich die Zahl von Patenten, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und den Produkten orientiert, die etwa in China produziert werden. China droht quasi, den Spieß umzudrehen und zukünftig Renten von uns zu extrahieren.
Europa befindet sich irgendwo in der Mitte. Während wir einerseits von den USA ausgelutscht werden, profitieren wir auch von dem System von immaterialgüterbasierten Monopolen, das uns hilft, ärmere Länder auszuplündern. Wir haben also zu gewinnen wie auch zu verlieren, wenn wir ausscheren, aber es wird absehbar der Punkt kommen, wo wir als Europa mehr verlieren als gewinnen, was Konflikte mit den USA verschärfen wird.
Bereits jetzt versucht die EU mit der "Digital Service Tax" der Steuervermeidung großer Konzerne zu begegnen, die durch Immaterialgüterrechte ermöglicht wird. Gewinne werden zwischen Unternehmensteilen verschoben, indem der Mutterkonzern kostenpflichtige "Lizenzen" vergibt, die die Gewinne von den operativen Tochtergesellschaften in Niedrigsteueroasen verschiebt, von denen wir in der EU leider zu viele haben, allem voran Irland.