Das Konzept Immobilienbesitz, also die groteske und inhärent gewalttätige Idee, man könnte ein Stück Planet besitzen, erscheint uns nur deshalb nicht so absurd wie sie ist, weil wir sie kulturell gewohnt sind, so wie Menschen früher an Leibeigenschaft oder Hexenverfolgung kulturell gewohnt waren.
@sixtus Nicht jedermann ist in der Lage, sich adäquat um Immobilien zu kümmern. Von daher ist es in vielen Fällen durchaus sinnvoll, wenn der Besitz von Immobilien teilweise in privater Hand weniger Leute liegt. Das ist nicht das eigentliche Problem. Problematisch ist es, wenn der Besitz von Immobilien als Spekulationsobjekte dienen darf oder wenn Gier die Höhe der Miete bestimmt. Der Grundsatz "Eigentum verpflichtet" ist in D ein Papiertiger. Sieht gut aus, bringt aber nix.
@Heidnisch
Um Wohnraum zu bauen und zu verwalten braucht es keinen Privatbesitz. Das kann auch der Staat oder gemeinnützige Wohnungsbauvereine. Privatbesitz und die Spekulation damit beraubt diese Akteure ihrer Handlungsfähigkeit, weil klamme Kommunen und Wohnungsbauvereine mit sozialverträglichen Mieten beim Wettbieten um Baugrund und Immobilien nicht mithalten können.
@alipercapita Stimmt nur teilweise. Privater Wohnungsbau umfasst auch Genossenschaften und ähnliches. Und so ganz nebenbei: Um Wohnungen vernünftig zu planen, zu bewirtschaften und instand zu halten, brauchst du auch Leute, die sich da richtig auskennen. Hat der Staat aber so gut wie gar nicht mehr. Und zum Verlustgeschäft darf staatlicher Wohnungsbau keinesfalls werden. Sonst fehlt das Geld für Bildung, medizinische Versorgung und ÖPNV. Das muss ganzheitlich betrachtet werden.

@Heidnisch
Genossenschaftlicher Wohnungsbau könnte in einer Gesellschaft ohne Grundbesitz durch Pachtverträge ermöglicht werden. Diese Leute kennen sich aus, sie haben nur nicht die Mittel dafür, in dieser Spekulationsblase mit profitorientierten Playern zu konkurrieren.

Und Realpolitik geht auch ohne die komplette Abschaffung von Grundbesitz mit staatlich gestütztem Wohnungsbau. Wien profitiert immer noch massiv von den Wohnungsbauprogrammen der 1930er Jahre.

@Heidnisch
Und Wohnungsbau ist eine Infrastrukturmaßnahme, die langfristig der Bevölkerung zu Gute kommt. Das muss parallel zu besserer Bildung und Infrastrukturmaßnahmen wie ÖPNV-Ausbau passieren. Die Schuldenbremse und die mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen kostet uns massiv Wohlstand in den kommenden Jahrzehnten.