Ich verfolge die Idee, Ämterpatronage als Sekundärprozess in der Wertkette politischer Arbeit (https://plinubius.de/politik-als-arbeitsprozess-teil-1-mein-platz-in-der-wertkette/) klassischer #Parteien zu betrachten. Erstens gilt es, Macht zu organisieren, indem man an neuralgischen Punkten zuverlässige, wahlweise kontrollierbare oder hinreichend schwache Persönlichkeiten installiert. Je weniger die Position durch Abhängigkeiten kontrollierbar ist, desto schwächer (d.h. extrinsisch motivierter) muss die Person sein. 1/x
Politik als Arbeitsprozess. Teil 1: Mein Platz in der Wertkette | Plinubius

Zweitens braucht man in etwa genau so viele (Pseudo-)Pöstchen in symbolischen Strukturen wie bspw. territorialen "Verbänden" (z.B. Ortsverband -> OV Vorstand), wie man aktive Mitglieder hat. Diese Struktur bindet das Gros der Willigen, bringt jedoch selten mehr als gerade mal die Reproduktion der Struktur hervor. "Inhaltlich" arbeiten Enthusiasten oder von Berufs wegen Incentivierte quer dazu in Arbeitskreisstrukturen, in denen wesentliche diskursive Impulse entstehen. 2/x
Für massenintegrative kollaborative #OSINT ist so eine Struktur überhaupt nicht ausgelegt, die Arbeitsbeziehung zwischen Delegierten und Mitgliedern eher theoretischer Natur (vgl. https://plinubius.de/essay-zu-einem-modell-fuer-gelingende-politische-arbeit-mit-den-zur-verfuegung-stehenden-mitteln-eines-kreisverbands/). Der Anreiz, sich in solch einer Struktur zu "engagieren", ist jenseits des Anreizes, sich persönlich die mit einer dotierten oder symbolischen Position verbundenen Ressourcen erschließen zu können, nahe Null. 3/x
Essay zu einem Modell für gelingende politische Arbeit mit den zur Verfügung stehenden Mitteln eines Kreisverbands | Plinubius

Die Sinnstiftung durch die soziale Gruppe des territorialen Sprengels ist gering, die Zahl der Aktiven daher nie größer als eine sozialpsychologisch beschreibbare Kleingruppe von max. 8-15 Personen. Um die Arbeitskreisstrukturen ist es ähnlich bestellt, egal ob kommunal, auf Landes- oder Bundesebene. Diese Strukturen sind nochmals wesentlich intransparenter, als die persönlich territorial noch ganz gut beobachtbaren Einheiten. 4/x
Steigende #Parteimitglieder-Zahlen dürften daher kaum mehr als den demographisch verursachten #Migliederschwund kompensieren. Die althergebrachte Struktur wird stabilisiert, ein Überhang zunächst noch motivierter Neumitglieder wird sich absehbar wieder verlieren. Wahlweise in neuerliche Passivität, oder in den Aufbau gänzlich neuer Gruppen. Nur von letzteren werden die innovativen Impulse ausgehen, die den Bestand reformieren (durch Vorbild) oder ersetzen. 5/x
Ein Wahlkampf ist gewissermaßen ein Spiel, eine Art #Geländespiel, mit dem man für begrenzte Zeit eine ganze Menge Leute beschäftigen und sinnstiftend integrieren kann. Mit dem Wahlabend ist das Spiel aber vorbei. Wenn man nur dieses eine Spiel zu organisieren weiß, wird es schal. Man verharrt im Wahlkampfmodus, schielt nach der jeweils nächsten Wahl, beklagt die Langeweile dazwischen oder kommt auf den Gedanken, dass auch dieses Spiel selbst fade ist. 6/x
Deshalb lässt es aufhorchen, was #DieLinke in Bln-Neukölln, Bln-Lichtenberg oder in Leipzig geleistet hat. Wenn Ferat Kocak beschreibt, eine soziale Bewegung geschaffen zu haben und Iris Schwerdtner den Ansatz gefunden zu haben glaubt, wie man mit politischer Arbeit als als einer sozialen Arbeit in 4-8 Jahren den schwarz-blauen Ungeist auch in der Fläche wieder in die Flasche zurückdrängen wird können, dann lohnt es sich hinzuschauen, statt im Affekt "nur den anderen Rand" sehen zu wollen 7/x