Ein Gedanke an dem ich schon länger überlege: Ich hab zwischen eher konservativen und eher progressiven Menschen das Gefühl ein unterschiedliches Gedankenmodell zu beobachten.

Konservative Menschen gehen eher davon aus, dass es einen Idealzustand in der Vergangenheit gab und der wiederhergestellt werden sollte. Sprich die Veränderung ist die Ursache des Problems. Kombiniert mit einer Annahme, das es, wenn es anderen besser geht, es gleichzeitig mir schlechter gehen muss.

Eher progressive Menschen gehen davon aus, das der Idealzustand etwas ist, das in der Zukunft liegt und erst geschaffen werden muss. Veränderung ist hier also der notwendige Weg zur Lösung eines Problems. Auch hier kombiniert mit einer Tendenz zu: "Wenn es allen besser geht, geht es auch mir besser."

Das grundlegende Modell passt auf erstaunlich viele Annahmen drauf.

Und ich wäre gespannt was passieren würde, würde man progressive Inhalte sprachlich mit dem
konservative Modell kommunizieren.

@leah PS: meine Mum wird bald 70 und ist hardcore ostdeusch. Die wählt BSW weil das im Endeffekt die CDU für Ossis ist, die emotional-kognitiv die Wende nicht überlebt haben. Das ist auch konservativ nur halt auf russlandfreundlische Ostalgie mir hohem Kartoffelfaktor.

@advi dieses "wir werden Konservativer im Alter" sehe ich mit meinen knapp über 30 Jahren noch immer nicht ein. Was ich werde ist höchstens etwas kompromissbereiter und resignierter.

Deinen 70er Jahre Vergleich verstehe ich noch nicht.

@leah @advi "wir werden Konservativer im Alter" kommt aus einer Zeit, als sich Leute über die Jahre noch etwas aufbauen konnten und das bewahren wollten.

Das ist heutzutage für die wenigsten noch realistisch.

@soc @leah Was relativ spannend daran ist, ist wie sehr ich in der Schule von der Schülerschaft politisch konservative Ideen, die nicht in ihrem Interesse sind, vorgeplappert bekomme. Es gibt auch immer wieder Leute, die das hart verteidigen.

@advi @leah Die wenigsten in dem Alter haben für sich durchgerechnet, wie ihre Lebensziele in der heutigen Zeit zu erreichen sind.

Wer z. B. das klassisch-konservative "Haus, Frau, 2 Kinder, Hund"-Modell anstrebt, der kann inzwischen entweder arbeiten bis er schwarz wird um dann (vllt.!) mit 45 Jahren kombiniert in Familienplanung+Burnout zu starten oder auf ein schnelles Ableben von nahen Verwandten mit Wohneigentum hoffen.

Und dann sind Leute überrascht, das es zu wenig Nachwuchs gibt. 🤷

@soc @leah Und ich kann dir versichern, dass das im Bildungswesen nicht wirklich thematisiert wird. Da wird entweder nicht drüber geredet oder veraltete Vorstellungen weitergetragen.
@advi @leah Naja, dass die sich damit befassen müssen/sollten, ist ja nicht deren schuld, sondern das vollständige politische Versagen der zwei vorherigen Generationen.