Wer Führung bestellte, hat ein Vakuum bekommen.

Die US-Regierung hat heute in München einen heißen, dampfenden Kackhaufen auf den europäischen Kontinent gesetzt. Europas gewählte Demokraten seien schlimmer als die Kriegsverbrecher in Moskau und die Tyrannen Pekings. Geradezu genüsslich zerschlug JD Vance während seines Amoklaufs auf offener Bühne das transatlantische Bündnis, 80 Jahre friedvoller Nachkriegsordnung wurden schulterzuckend in Frage gestellt.
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Europa werde quasi erst dann den Weg zurück finden, wenn sich ihre Staaten unter rechtsextremer Flagge vereinten.

Und was machte Olaf Scholz (SPD) – unser Bundeskanzler, der Lenker des mächtigsten Landes Europas? Rief er Trump an? Bestellte er den US-Botschafter ein? Lud er die europäischen Staatschefs zum Krisengespräch? Flog er nach Brüssel, um mit von der Leyen das weitere Vorgehen zu besprechen? Telefonierte er mit Macron?

Nein.
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In gewohnter Rat- und Reglosigkeit erstarrt, schickte der Kanzler seinen Sprecher vor, der vorsichtig und zaghaft Kritik am Verhalten des US-Vizepräsidenten übte und auf "politische Traditionen" verwies. Als sei dies ein politischer Fauxpas, wie jeder andere. Selbst Pistorius konnte die dröhnende Stille in Berlin nicht länger ertragen und stürmte auf die Bühne in München, um seinem Ärger Luft zu machen.
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Wir hatten Corona, wir hatten den Krieg, die Inflation, das Zerbröseln der deutschen Wirtschaft. Aber heute ist der Tag, an dem wohl die meisten Deutschen wirklich Angst bekommen haben werden: Wichtige Bündnisse, die jahrzehntelang unser Zusammenleben bestimmten, lösen sich nicht nur auf – Europa taumelt kopflos zwischen den Machtzentren der Welt, ohne Plan und ohne Schutz.

Und der Bundeskanzler ist nicht anwesend. Er ist einfach verschwunden.
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Ich sagte es vor der BTW 2021 und ich sage es heute: Olaf Scholz hatte vom ersten Tag an mit seinem Amt zu kämpfen. Die Überforderung war ihm bei jedem Auftritt anzusehen, seine Kanzlerschaft war nichts anderes als die zuckende Nachgeburt von 16 Jahren Stillstandsverwaltung unter Merkel. Scholz ist der schwächste Kanzler seit Gründung der Bundesrepublik, weshalb sich auch die Überraschung aller in Grenzen hielt, als noch vor Ablauf der Amtszeit unter seinem Hintern die Ampel explodierte.
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Dass all dies in den deutschen Wahlkampf hineinplatzt, ändert nichts an der Dringlichkeit des Anliegens. Deutschland und Europa müssen handeln – und wenn schon nicht handeln, dann zumindest reagieren. Jetzt!

Ich bin stinksauer. Und mehr als besorgt um die Zukunft.
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@avatter
Der Verteidigungsminister wurde ja doch ungewohnt deutlich.

Vielleicht hängen wir zu viel an einzelnen Personen auf. Auch wenn ich die Sehnsucht verstehen kann.

Bei Scholz wundert mich immer, was die anderen rausholen. Ich weigere mich noch, das als Stil einer Regierung anzuerkennen.
Aber meine Firma funktioniert auch so - und das ziemlich gut!