Faszinierend, wie jetzt, nach 16 Monaten, die Grundlagen des Humanitären Völkerrechts, des Kriegsrechts, der Genfer Konventionen und des Römischen Statuts eilig nachgeschlagen werden.

Es brauchte nur einen passenderen Akteur, der Massendeportationen, Annexion sowie weitere antizivilisatorische Aufkündigungen internationaler Verträge, der Menschenrechte und Menschenwürde fordert.

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Frage:

Wie lautet der richtige Begriff dafür, wenn die eigene Haltung zu Völkerrechtsbrüchen und Kriegsverbrechen nicht konsistent, sondern flexibel eingesetzt wird - nämlich je nachdem und abhängig davon, WER diese Verbrechen öffentlich fordert sowie dazu aufruft?

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@nadia_z Ich würde es moralische Flexibilität nennen.
Lars heute euphemistisch unterwegs, DIE EINZIGE GEGENBEWEGUNG GEGEN DAILY DOOM!! @Fischblog

@nadia_z

In Deutschland u.a. "Staatsräson".

Hier ein Musterbeispiel, in dem nicht nur Friedrich #Merz brilliert, sondern auch die Moderatorin, als sie fragt "niemand weiß auch so richtig, wie diese Staatsräson, In welchem Verhältnis die steht zu anderen wichtigen Werten, zum Beispiel der Einhaltung des internationalen Rechts".

Wir erfahren dann, dass die Vertragstreue zum Römischen Statut für Merz "unvorstellbar" ist, "deswegen werden wir nach Wegen suchen müssen, dass wir das abwenden", also wie wir mutmaßliche Kriegsverbrecher einladen und beim Besuch dann nicht verhaften.

Zudem hält er das Statut nicht für anwendbar, je nachdem, wie eine Person an die Macht gelangt ist. Die Moderatorin fragt auch nicht weiter nach, weshalb das an den konkreten Vorwürfen etwas ändert, es ist zwischen den beiden also unausgesprochen Konsens, dass es ungesühnte, da demokratisch legitimierte, Kriegsverbrechen und Völkermorde geben darf.

https://www.youtube.com/live/UbUGELDFaWQ?t=3295s

#merzrede: Außenpolitische Grundsatzrede von Friedrich Merz bei der Körber-Stiftung

YouTube
Weshalb nachfragen, wenn man es auch lassen kann - perfektes Beispiel für die ohne Not vorgenommene Selbstentkernung im deutschen Journalismus, @katzenberger
@katzenberger @nadia_z Unfassbar, aber typisch für dogmatische Einzelhandlungen, die eigentlich Demokratie rhetorisch umschiffen.
Es gibt zur Einhaltung humanitärer Grundrechte, inklusive aller Konsequenzen der Exekutive, keine Alternative für Deutschland: Menschenrechte sind unantastbar, Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden bestraft - auch ohne die Statuten von Rom oder die Genfer Konvention. Ergo: keine Diskussion auf Ebene Würde laut Verfassung möglich#germany #election

@villebooks

Das ist noch sehr freundlich formuliert, dem ausdrücklichen Wortlaut nach wird da m.E. gar nichts umschifft:

  • #Merz sagt, er habe sich mit seinem Team beraten, und sie seien zu dem "übereinstimmenden Ergebnis gekommen", dass der IStGH mit dem Haftbefehl gegen #Netanyahu eine "völkerrechtlich zutreffende Entscheidung getroffen hat".

  • Er qualifiziert das gleichzeitig als "formal" ab, und stellt umgehend "die politische [sic] Sicht der Dinge" entgegen: es sei aus seiner Sicht unvorstellbar, wenn #Netanyahu Deutschland oder die EU nicht mehr besuchen könne, "weil er hier vor der Gefahr [sic] steht, möglicherweise verhaftet zu werden".

  • Er legt dann seine Ansicht dar, das Römische Statut sei nicht anwendbar, wenn mutmaßliche Täter*innen "Ministerpräsident" und "demokratisch gewählt" seien.

  • Davon steht selbstredend nichts in den Statuten, der IStGH verfolgt mutmaßliche Verbrecher, nicht die Ämter, die diese innehaben. Sollte Israel also wieder von jemandem regiert werden, der nicht als mutmaßlicher Kriegsverbrecher per Haftbefehl gesucht wird, dann steht Besuchen dieser Person in der EU nichts entgegen.

  • Merz kündigt dann zu Besuchen und dem Haftbefehl ausdrücklich an, bei vollen Wissen um den Bruch internationalen Rechts: "ich werde alles tun [sic], um das zu ermöglichen und eine entsprechende Vollstreckung dieses Spruchs des IStGH abzuwenden."

Der Primat persönlicher, "politischer" Ansichten vor geltendem Recht ist bei CDU-Funktionären auch nichts Neues.

Ich erinnere an Helmut Kohl, der sein "Ehrenwort" an Parteispender, sie geheim zu halten, über den von ihm geleisteten Amtseid als Bundeskanzler stellte: "das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen".

Für mich stellt sich da eher die Frage, ob man Merz rechtlich dafür belangen kann.

@katzenberger *edit Nagel auf Kopf, verehrter Herr Katzenberger, deshalb erwähnte ich Rhetorik: Sobald ein Staatsdiener im Amt ist, erhält er juristischen Beistand. Aus Informantenquellen der UN wissen wir, dass Mitglieder der deutschen Regierung Mitangeklagte im Fall des Genozids am Volk der Palästinenser sind. Deshalb erlaubt die Rechtsabt. des Herrn Merz solche Statements. Sie sind, wie bei Netanyahu, "legal camouflage", und ändern nichts am Resultat. Jeder, der mitmacht, kann belangt werden.

@villebooks

Danke für das Kompliment. Meine Pronomen sind und bleiben allerdings konstant: he/him, er/ihn 😉​

@katzenberger Hahaha, meine Entschuldigung für diese Verfehlung, Herr Katzenberger, in der Politik würde man jetzt die Schuld an die Pressesprecher weiterleiten 😅
@nadia_z Ich hab mal auf tagesschau.de nach den Begriffen Genozid und Völkermord gesucht.
Demnach gibt es zurzeit keinen passenden Akteur, der Massendeportationen, Annexion sowie weitere antizivilisatorische Aufkündigungen internationaler Verträge, der Menschenrechte und Menschenwürde fordert.
Völkermord, das ist laut tagesschau.de ein Thema für Rückblicke auf Ruanda 1994.