Ich bin KI-Diskussionen so leid.
Leute, glaubt mir, niemand ist genervter davon als ich, dass es einfach nicht möglich ist, rechtlich einwandfrei z. B. Musik zu generieren. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele grandiose Lieder in meinem Hirn schlummern, die ich niemals umsetzen werde, weil ich musikalisch, nunja, antibegabt bin? 😅

@carolin Ich verstehe nicht, warum überhaupt diese Idee rumgeistert, dass dieselbe Person alle Kunstformen auf fortgeschrittenem Level beherrschen können oder wollen sollte?!

Ich erschaffe hauptberuflich Spiele, Texte, Übersetzungen, Illustrationen und Layouts, aber ich kann trotzdem nicht "alles", was man grundsätzlich mit Spiel, Text, Übersetzung, Illustration oder Layout machen kann. Einiges kann ich sicher noch lernen, wenn ich genug Arbeit reinstecke, anderes nicht. Und das ist OKAY. /1

@carolin Ich werde auch niemals Musikerin oder Bildhauerin oder Ballerina werden, weil es mir an "einfach so vorhandenem" Talent dazu fehlt und ich nicht genug Motivation habe, mir den Rest zu erarbeiten. Auch das ist OKAY. /2
@carolin Es können auch nicht alle Menschen, die es wollen würden, jede Software programmieren, mehrere volle Teller auf einem Arm durch einen engen Raum balancieren, Blinddärme rausnehmen, 5-Gänge-Menüs gut getimed zubereiten, den ganzen Tag schwere Sachen schleppen oder fachgerecht Menschen oder Tiere pflegen. All das ist ebenfalls OKAY. /3
@carolin Der Unterschied dieser Skills zu kreativer Arbeit und Kunst ist nur, dass wir nicht erwarten, dass wir alle ohne nennenswerte Übung *all* diese Dinge tun können sollten. Und genau das ist ja das trügerische Versprechen von generativen KI-Tools: Dass wir angeblich "professionelle" Kunst/kreative Arbeit damit machen können, ohne selbst Übung in der betreffenden Kunstform reinstecken zu müssen. /4

@carolin Was direkt zum nächsten Problem derer führt, die eben keine Fachleute in dem Gebiet sind, das sie mit KI‐Produkten füllen wollen: Sie merken mangels Expertise nichtmal, wie weit weg das KI-Ergebnis von menschengemachter Kunst ist. (Und es ist echt weit weg.)

Und sie entwerten mit jedem neuen KI-generierten Promptresultat weiter die kreative Arbeit von denen, die tatsächlich gut in der entsprechenden Kunstform sind. /5

@curiouscat Ich hab doch gar nicht gesagt, dass das jeder können oder wollen sollte. Oder dass das dann mit professionellen Liedern konkurrieren sollte oder könnte. Oder dass ich irgendwas mit KI-Produkten füllen wollen würde. Oder dass die Musik dann Kunst wäre. 🙈
@curiouscat Ich finds halt einfach schade, dass ich kein musikalisches Talent habe, weil ich sehr viel Spaß daran hätte, Lieder komplett umsetzen zu können, statt nur Texte zu schreiben. Und wenn ich eine technische Möglichkeit zum Musikmachen hätte, die rechtlich & moralisch auf vernünftigen Füßen stünde, dann würde ich die nutzen und das wäre auch okay. ☺️
@curiouscat So wie wie ich es auch okay finde, die Autokorrektur zu benutzen statt ein Korrektorat zu beauftragen. Oder selbst eine Pizza zu backen, statt ins Restaurant zu gehen. Oder ein Wordpresstheme zu kaufen und/oder einen Pagebuilder zu nutzen statt eine*n Webdesigner*in zu beauftragen. Immer wissend, dass das eine Profilqualität ist und das andere halt nicht.
@carolin Die Vergleiche kommen für mich alle nicht hin. Weil die Leute, die dir Pizzazutaten, Wordpress-Themes oder Pagebuilder anbieten, von dir trotzdem Geld und (hoffentlich) Respekt für ihre professionelle Arbeit bekommen. Oder ihre Arbeit halt freiwillig verschenken. Und Autokorrektur und Korrektorat gehen ja auch im selben Text (und das Korrektorat kriegt nicht weniger Geld, wenn direkt weniger Fehler im Text sind).
@curiouscat @carolin Ohne hier inhaltlich viel beitragen zu können: Für mich ist gerade die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen eine ganz tolle, großartige Sache im Hobby - in den Spielrunden, aber eben auch wenn man eigene Sachen produziert. Es ist echt immer cool, wenn ich Artwork zu sehen bekomme, das irgendwie mit meinem Text zu tun hat, wenn ein Text vom Lektorat zurückkommt und einfach besser geworden ist und dann alles im Layout in vollem Glanz zu sehen - für mich echt motiviertend.
@moonmoth Absolut, das ist auch super. Aber es ist halt auch super, wenn man coole Sachen selbst machen und sich ausprobieren kann, ohne auf andere angewiesen zu sein. Das eine schließt für mich das andere einfach nicht aus. 😊
@carolin Ich glaube, die Tendenz zu extrem gutaussehenden Projekten der letzten Jahren hat auch zu einer gewissen Erwartungshaltung geführt. Die DIY-Mentalität, die sowohl die Storygame-Ecke und die Old School Community teilen, war ein wichtiger Impuls in die richtige Richtung: Krakel-Artwork ist komplett ok. Jedenfalls in diesen Bubbles.
@moonmoth @carolin Genau deswegen illustrieren wir Catcrawl (das Plotbunny-Projekt für Zine Month und Gratisrollenspieltage 2025) teilweise mit "Community Artwork" von Leuten mit allen möglichen Skill-Leveln. Es wird sooo gut! Und ich bin einfach nur begeistert von der Vielfalt an Stilen und davon, dass so viele Lust hatten, mitzumachen. 💖🤩 (Erkläre das demnächst noch genauer und offiziell, aber es passte gerade zu gut.)
@moonmoth Voll! Ich bin da immer gerne beim Pizza-Vergleich: Tiefkühlpizza ist einfach anders geil als Steinofen-Pizza. Aber Pizza ist immer cool. (Vorausgesetzt, man hat die Zutaten nicht gestohlen und durch 'nen Häcksler gejagt. 😎)
@carolin @moonmoth "Sich alleine ausprobieren" wäre für mich hier aber trotzdem eher "kostenloses Synth-Programm runterladen/Musikinstrument nehmen und rumprobieren, bis man was Erträgliches/Interessantes hat". Der Sinn nicht-professioneller Kunst ist ja gerade, dass man mit dem arbeitet, was man hat und aktuell kann, aus Freude am Tun und am Selbstausdruck (und manchmal auch aus Notwendigkeit bei begrenzten Ressourcen). Siehe Punkrock, siehe Zinekultur, siehe "Hobbykunst" in allen Feldern.

@curiouscat Oder man hat halt Bock, mit professionellen Tools zu arbeiten und macht das einfach, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Ich vermute, die meisten Leute lernen Grafikgedöns heutzutage mit Photoshop, GIMP, Krita und Co. statt mit Schnitzmessern und Linoleum. Ich finde das völlig okay.

Punkrock ist nicht weniger Punkrock, wenn man ihn auf 'ner 59er Les Paul statt einer Harley Benton aus dem Black-Friday-Sale spielt.

@carolin Wenn man das Budget hat, kann man natürlich auch zum ersten Ausprobieren direkt Profitools kaufen. Ein besseres Grundgefühl für Farben, Formen und Proportionen (oder Rhythmen und Melodien) kriegt man aber damit nicht. 🤷

Und mit Photoshop kann man halt auch keinen Linolschnitt machen, ebenso, wie man mit einem Synthesizer nicht Geige oder Schlagzeug spielen lernt. Das bleiben komplett verschiedene künstlerische Techniken, auch wenn am Ende bei beidem "ein Bild" oder "Musik" rauskommt.

@carolin Und wenn du im Probebunker einer Punkband mit einer schweineteuren Gitarre auftauchst, auf der du gerade mal die sprichwörtlichen drei Akkorde spielen kannst, machst du dich auch eher lächerlich.

Ich persönlich hatte nie das Budget dafür, neue Kunstformen direkt mit Profiausstattung auszuprobieren. Künstlerisch geschadet hat mir das aber nicht, denn wenn die Buntstifte nicht gerade aus dem 1-€-Shop sind, macht deren Qualität beim Lernen auch echt lange keinen relevanten Unterschied.

@carolin Und nichts davon hat mit generativen KI-Tools zu tun. Was exakt mein Punkt war.

Künstlerische Techniken muss man nämlich genauso lernen wie alle anderen Skills. Manche von uns fangen mit einem gewissen Grundtalent an, aber Talent alleine reicht halt nicht - man muss auch üben.

Und das wollen Midjourney-Nutzende halt nicht.

(Das Argument funktioniert analog auch ähnlich mit Schreiben und ChatGPT.)

@curiouscat Ich respektiere Musiker*innen auch jetzt schon und täte es auch, würde ich Lieder nutzen und generieren. ☺️
Ich schrieb nicht ohne Grund: „Und wenn ich eine technische Möglichkeit zum Musikmachen hätte, die rechtlich & moralisch auf vernünftigen Füßen stünde“ Generative KIs kann man ja durchaus auch ohne geklaute Daten trainieren. Wollen nur die Tech Bros leider nicht. Weil sie Arschlöcher sind.

@carolin Aber nicht ohne ökologische Belastung und so weiter.

Aber lass uns das Thema mal beenden. Keine von uns beiden wird ihre Meinung bezüglich generativer KI in diesem Gespräch ändern, sämtliche Argumente sind hinreichend bekannt und wir können sicher beide Besseres mit unserer Zeit anfangen.

@carolin Es gibt schon Bestrebungen von KI Modellen trainiert mit rechtlich unbedenklichen Daten wie dieses hier vom Frauenhofer Institut

https://huggingface.co/openGPT-X

Vielleicht hilft dir das mal, etwas unbedenklich zu machen.

openGPT-X (OpenGPT-X)

OpenGPT-X develops big AI language models that enable new data-driven business solutions and specifically address European needs.

@Carragen Da wird sehr sicher noch mehr kommen, es gibt ja ein großes Korpus an Literatur, das man fürs Training nehmen könnte. (Hello Project Gutenberg.)

Für Textgedöns fehlt mir das gar nicht so sehr, aber für Musik wärs schon cool. Vielleicht kommt da ja auch was entsprechendes.

@carolin Das wird ja kommen. Die Frage ist auch da, nach dem Testsatz. Ist aber eine Frage der Zeit, bis da auch das Training effizienter wird und mit weniger Datensätzen funktioniert.