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Früher habe ich jeden Tag etwas gepostet. Manchmal nur ein paar Sätze, manchmal meine Eindrücke von Büchern oder Kunstwerken, später, als ich für Fixpoetry schrieb, die eine oder andere Rezension. Inzwischen vergeht manchmal viel Zeit zwischen meinen Einträgen. Ich prüfe, was in die Öffentlichkeit darf und was zu intim ist. Was gar nicht einmal mir zu intim ist, was aber die Rechte der anderen, um die ich mich sorge, verletzen könnte. Es ist darum manchmal mühsam geworden zu bloggen und doch möchte ich nicht damit aufhören. Warum eigentlich? Ich habe mir die Frage schon häufig gestellt, warum ich das eigentlich tue. Will ich Aufmerksamkeit? Bestimmt. Gibt es noch mehr Gründe? Ja. Ich glaube es geht mir tatsächlich um Verbundenheit. Ich gebe einen Teil von mir; Gedanken, Sorgen, Freude, Ängste, in Form eines Textes frei, und erhoffe mir, dass das was ich geschrieben habe, irgendwo räsoniert, dass es jemanden gibt, der oder die das liest und sich verstanden fühlt, oder die denkt, oh, das ist bei mir ganz anders, aber ich nehme das mit Interesse zur Kenntnis. Ich hoffe vielleicht sogar in den besten Momenten, bei den gelungensten Texten von mir, könnte es meinen Leser:innen so gehen, wie es mir geht, wenn ich Mely Kiyak lese, und jetzt sollte ich wohl schreiben, was ich damit meine. Wie es mir geht, wenn ich Mely Kiyak lese. Ich fühle mich verstanden, ich fühle mich als Teil der Menschheit, ich fühle diese ganze sehr komplizierte und häufig schmerzhafte Angelegenheit am Leben zu sein, ich fühle wie das ist, wenn man zweifelt und trotzdem weitermacht, ich fühle die ungeheure Kraft des darüber Schreibens, des die Scham Überwindens, des sich selbst ernst Nehmens, ohne sich über die anderen zu stellen. Ich fühle Verbundenheit. Und das ist ein großer Trost, eine Inspiration und eine Ermutigung.