Wie beeinflusst unbezahlte Care-Arbeit die psychische Gesundheit in Krisenzeiten? Baowen Xue und Anne McMunn untersuchen Daten aus Großbritannien während des ersten Covid-19-Lockdowns. Die wichtigsten Ergebnisse des #PaperderWoche fasst @sophieconomist zusammen. 1/
Schon vor der Pandemie leisteten Frauen und Mütter den Löwenanteil an unbezahlter Haus- und Sorgearbeit. Covid-19 stellte sie vor neue Herausforderungen: Unbezahlte Care-Arbeit im Lockdown war mit einem stärkeren Anstieg psychischer Belastungen wie #Stress und Angst verbunden. 2/
Das zeigen die Daten der 9. Welle der UKHLS Covid-19-Studie – einer Längsschnittanalyse, die Haushalts- und #CareArbeit sowie psychologische Belastungen bei Frauen und Männern in Großbritannien untersucht. 3/
Frauen leisteten im Durchschnitt 64 Prozent mehr unbezahlte Haus- und #Sorgearbeit als Männer. Dazu gehörten Kinderbetreuung, Pflegearbeit und Hausarbeit – Aufgaben, die während des Lockdowns deutlich zunahmen. 4/
Die erhöhte Belastung durch Care-Arbeit wirkte sich negativ auf die psychische Gesundheit von Frauen aus. Sie berichteten häufiger über Stress, Angstzustände und depressive Symptome als Männer. 5/
Die Ergebnisse der Regressionsanalysen verdeutlichen eine zentrale Ungleichheit: Ein erhöhter Workload für Hausarbeit, Kinderbetreuung und Home-Schooling erhöhte nur bei Frauen bzw. Müttern die psychische Belastung. Besonders stark ist der Effekt bei Müttern von Kleinkindern. 6/
Mütter verbrachten während des Lockdowns nicht nur wesentlich mehr Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit als Väter. Es war auch wahrscheinlicher, dass sie ihre Erwerbsarbeitszeit reduzierten oder ihre Arbeitsmuster veränderten, weil die Kinderbetreuung mehr Zeit beanspruchte. 7/
Ob Eltern ihre Erwerbsarbeitszeiten während der Lockdowns veränderten, wurde in der Mai-Welle daher zusätzlich gemessen: Für Väter und Mütter, die ihre Arbeitszeiten wegen erhöhtem Kinderbetreuungsbedarf anpassten, erhöhte sich auch die psychische Belastung. 8/
Die psychische Belastung war viel stärker, wenn nur ein Elternteil die Arbeitszeiten anpasste – oder wenn es sich um eine alleinerziehende Mutter handelte. 9/
Die Autorinnen betonen: Ohne politische Maßnahmen, die Care-Arbeit gerechter verteilen, werden bestehende geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiter verstärkt. Auch die negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit steigt – insbesondere für Frauen und Mütter. 10/
Hier braucht es bessere Unterstützungssysteme für Care-Arbeiter:innen, flexiblere Arbeitszeiten und einen Ausbau der Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur. In Österreich wäre zudem eine verpflichtende Väterkarenz zentral, um Care-Arbeit von Anfang an fair zu verteilen. 11/

Gerade um die Weihnachtszeit fällt viel unbezahlte Haus- und Care-Arbeit an. Geschenke kaufen, Essen kochen, aufräumen und Verwandte besuchen – das sind alles unbezahlte Tätigkeiten, die Frauen besonders häufig ausüben.

Unsere Analyse dazu gibt es hier: https://www.momentum-institut.at/news/weihnachtszeit-frauen-leisten-60-prozent-mehr-unbezahlte-arbeit/
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Weihnachtszeit: Frauen leisten 60 Prozent mehr unbezahlte Arbeit - Momentum Institut

Momentum Institut

Das #PaperderWoche zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, unbezahlte Care-Arbeit im politischen Diskurs und besonders in #Krisensituationen mitzudenken – nicht nur für Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch für die mentale Gesundheit.

Das ganze Paper findet ihr hier: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0247959
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Gender differences in unpaid care work and psychological distress in the UK Covid-19 lockdown

Objective To describe how men and women divided childcare and housework demands during the height of the first Covid-19 lockdown in the UK, and whether these divisions were associated with worsening mental health during the pandemic. Background School closures and homeworking during the Covid-19 crisis have resulted in an immediate increase in unpaid care work, which draws new attention to gender inequality in divisions of unpaid care work. Methods Data come from the wave 9 (2017–19) of Understanding Society and the following April (n = 15,426) and May (n = 14,150) waves of Understanding Society Covid-19 study. Psychological distress was measured using the General Health Questionnaire (GHQ) at both before and during the lockdown, and unpaid care work was measured during the lockdown. Linear regression models were used. Results Women spent much more time on unpaid care work than men during lockdown, and it was more likely to be the mother than the father who reduced working hours or changed employment schedules due to increased time on childcare. Women who spent long hours on housework and childcare were more likely to report increased levels of psychological distress. Working parents who adapted their work patterns increased more psychological distress than those who did not. This association was much stronger if he or she was the only member in the household who adapted their work patterns, or if she was a lone mother. Fathers increased more psychological distress if they reduced work hours but she did not, compared to neither reducing work hours. Conclusion There are continued gender inequalities in divisions of unpaid care work. Juggling home working with homeschooling and childcare as well as extra housework is likely to lead to poor mental health for people with families, particularly for lone mothers.