Die letzte Kaffeepause des Tages ist vorbei. Nachdem im letzten Beitrag der fehlende Kontakt zur freien Szene bedauert wurde, geht es nun um ein Beispiel, wie diese Lücken gefüllt werden können.

Sandra Baumgarten berichtet von der Vorgehensweise in Marburg, die sich mit den Vorbereitungen auf den Vortrag intensiviert hat.

Dabei kam zu Tage, dass es bereits Material der freien Szene im Stadtarchiv gibt. So werden beispielsweise Unterlagen der „Initiative Biegeneck“ gegen den Abriss eines Marburger Kleinviertels durch eine Vielzahl an amtlichen Unterlagen, das die Initiative kommentiert und den Abriss verwaltet, im Archiv ergänzt.

#BKKArchiv24

Mit einem Blick auf die Szene der bildenden Künste wurde Kontakt zu Künstler*innen der Werkstatt Radenhausen aufgenommen. In einem Treffen wurden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit besprochen und die Vorteile der Kooperation mit dem Archiv auch für die Kunstschaffenden dargestellt. Diese hatten sich bereits zuvor schon Gedanken um den Fortbestand ihrer Unterlagen Gedanken gemacht und daher offen für die vorgeschlagene Kooperation.

Das Projekt wurde inzwischen eingeholt vom Verkauf der Liegenschaft, so dass alle Künstler*innen das Gelände werden räumen müssen. Die Übernahme in das Stadtarchiv erhielt durch diesen Umstand eine besondere Notwendigkeit.

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Baumgarten betont die Bedeutung der Überlieferung für die Nutzenden, was sich in einer großen Nachfrage dieser Dokumente zeigt. Der erhebliche Aufwand der aktiven Kontaktaufnahme und des Netzwerkens sei damit sehr lohnend.

Die anschließende Diskussion beginnt mit der Frage der Zuständigkeit für Nachlässe und Werke von Künstler*innen. Sind Museen vorhanden, sollten nicht eher diese das Material sichern? Es kommt darauf an. Sind die Unterlagen und Werke stadthistorisch relevant und sie fallen nicht in den Sammlungsschwerpunkt eines Museums, hat das Archiv ein gesteigertes Interesse an einer Übernahme.

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Werde dann mit stadthistorischem Blick auf einen solchen Nachlass geblickt, wird dieser ggf. auch aufgesplittet. Gerade bei Fotograf*innen könne eine große Menge des Materials für die kommunale Überlieferung nicht relevant sein. Diese Bewertungsentscheidung erfordere auch Mut und entsprächen möglicherweise nicht der erlernten Archivtheorie.

Ein letzter Wortbeitrag wirft das Problem auf, zu Kunstszenen ohne persönlichen Bezug nur schwer Zugang zu bekommen. Muss dann privat Zeit investiert werden, fällt diese Aufgabe möglicherweise hinten runter.

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