Wir verabschieden uns aus dem wunderschönen #Göttingen.

Es war wieder einmal ein tolles und praxisnahes Seminar, von dem sich auf jeden Fall wieder das eine und andere in unserer Arbeit niederschlagen wird. Vielen Dank an alle Organisator*innen bei BKK und im Stadtarchiv Göttingen für die schönen Tage.

Zum Abschluss gab es noch das übliche Save the Date: Der Tagungsort 2025 ist wieder Erfurt. Dort findet das BKK-Seminar vom 26. bis 28. November 2025 statt.

Unsere Berichterstattung hier werden wir in den kommenden Tagen noch einmal im Blog zusammenfassen. Wer jedoch mitgelesen hat, ist vermutlich schon voll informiert. Jetzt geht es aber erstmal auf den Heimweg.

#BKKArchiv24

Die Rückmeldungen auf ein weiteres Projekt zum 50jährigen Jubiläum des Festivals Kemnade International blieben dagegen eher spärlich. Trotz mehrsprachiger Flyer konnte nur in überschaubarem Maße Material gesammelt werden. Ein möglicher Grund war möglicherweise eine Projektkonzeption ohne Beteiligung der migrantischen Gruppierungen in der Stadt.

Um das weitere Vorgehen strukturierter zu organisieren, sei die Formulierung eines Überlieferungsprofils der nächste Schritt für das Stadtarchiv Bochum. Das bisher verfolgte Prinzip einer Überlieferung der „Geschichte der anderen“ solle dabei von einem Verständnis einer gemeinsamen, diversen Stadtgesellschaft abgelöst werden.

#BKKArchiv24

Verschiedene Ausstellungsprojekte ab 2011 führten auch zur Anwerbung von Objekten und Geschichten, um die vorhandenen „weißen Flecken“ Stück für Stück zu schließen. Allerdings wurden die Leihgaben nach den Ausstellungen wieder zurückgegeben. Nachhaltige Kontakte wurden nicht geknüpft und gehalten.

2023 startete jedoch das Ausstellungsvorhaben „Bochum - Stadt der Vielen. Migrationserbe sichtbar machen“, das einen anderen Ansatz wählte. Es kann unter https://stadtdervielen.de/ noch immer erlebt werden.

#BKKArchiv24

Bochum - Stadt der Vielen

Aus Bochum erläutert nun Dr. Kai Rawe migrantische Lebenswelten in Archivbeständen als letzten Vortrag des Tages.

In seinem Werkstattbericht skizziert er die Orte, an denen bereits die eng miteinander verknüpfte Industrie- und Zuwanderungsgeschichte zu finden ist. Von der Überlieferung einer polnisch-sprachigen Gewerkschaft im Stadtarchiv, Denkmälern und Wohnhäuser im öffentlichen Raum bis zur kollektiven Erinnerung der Bevölkerung ist das breit aufgefächert.

Dabei gibt es jedoch Fehlstellen bei der Dokumentation der Zuwanderungsgeschichte der Nachkriegszeit, von Strukturen, Selbstzeugnissen und Lebenswelten.

#BKKArchiv24

Werde dann mit stadthistorischem Blick auf einen solchen Nachlass geblickt, wird dieser ggf. auch aufgesplittet. Gerade bei Fotograf*innen könne eine große Menge des Materials für die kommunale Überlieferung nicht relevant sein. Diese Bewertungsentscheidung erfordere auch Mut und entsprächen möglicherweise nicht der erlernten Archivtheorie.

Ein letzter Wortbeitrag wirft das Problem auf, zu Kunstszenen ohne persönlichen Bezug nur schwer Zugang zu bekommen. Muss dann privat Zeit investiert werden, fällt diese Aufgabe möglicherweise hinten runter.

#BKKArchiv24

Baumgarten betont die Bedeutung der Überlieferung für die Nutzenden, was sich in einer großen Nachfrage dieser Dokumente zeigt. Der erhebliche Aufwand der aktiven Kontaktaufnahme und des Netzwerkens sei damit sehr lohnend.

Die anschließende Diskussion beginnt mit der Frage der Zuständigkeit für Nachlässe und Werke von Künstler*innen. Sind Museen vorhanden, sollten nicht eher diese das Material sichern? Es kommt darauf an. Sind die Unterlagen und Werke stadthistorisch relevant und sie fallen nicht in den Sammlungsschwerpunkt eines Museums, hat das Archiv ein gesteigertes Interesse an einer Übernahme.

#BKKArchiv24

Mit einem Blick auf die Szene der bildenden Künste wurde Kontakt zu Künstler*innen der Werkstatt Radenhausen aufgenommen. In einem Treffen wurden die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit besprochen und die Vorteile der Kooperation mit dem Archiv auch für die Kunstschaffenden dargestellt. Diese hatten sich bereits zuvor schon Gedanken um den Fortbestand ihrer Unterlagen Gedanken gemacht und daher offen für die vorgeschlagene Kooperation.

Das Projekt wurde inzwischen eingeholt vom Verkauf der Liegenschaft, so dass alle Künstler*innen das Gelände werden räumen müssen. Die Übernahme in das Stadtarchiv erhielt durch diesen Umstand eine besondere Notwendigkeit.

#BKKArchiv24

Die These des „Abklatsches“ wurde in der Nachfolgenden Diskussion mehrfach aufgegriffen. Eine Gegenposition verweist auf den Auftrag der Dokumentation, die keine „erlebnisgetreue“ Widergabe darstellen kann. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass Archive durchaus Kunstwerke übernehmen und damit auch künstlerisches Schaffen bewahren.

#BKKArchiv24

Die letzte Kaffeepause des Tages ist vorbei. Nachdem im letzten Beitrag der fehlende Kontakt zur freien Szene bedauert wurde, geht es nun um ein Beispiel, wie diese Lücken gefüllt werden können.

Sandra Baumgarten berichtet von der Vorgehensweise in Marburg, die sich mit den Vorbereitungen auf den Vortrag intensiviert hat.

Dabei kam zu Tage, dass es bereits Material der freien Szene im Stadtarchiv gibt. So werden beispielsweise Unterlagen der „Initiative Biegeneck“ gegen den Abriss eines Marburger Kleinviertels durch eine Vielzahl an amtlichen Unterlagen, das die Initiative kommentiert und den Abriss verwaltet, im Archiv ergänzt.

#BKKArchiv24

Archivische Überlieferung könne nur einen „Abklatsch“ der Kultur überliefern, nicht die Kultur selbst. Das treffe insbesondere auf alternative Kulturszenen zu, die auch mit der DDR-Erinnerung im Hintergrund dem Archiv als amtliche Einrichtung skeptisch gegenüber stünden. Somit verbleibe im Stadtarchiv Weimar vor allem eine Überlieferung der Hochkultur.

Um keine Quellen zu verlieren, könne auf freie Archive verwiesen werden, die innerhalb der Szenen mehr Vertrauen genießen, erinnert Mirijam Bajorat.

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