Der Pfarrer und Dachau-Überlebende Albert Riesterer berichtet in seinen 1945 veröffentlichten Erinnerungen an die KZ-Gefangenschaft vom „Gewächshaus 2“ auf der Plantage Dachau:

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„Es war mir schon öfter eine SS-Dame aufgefallen, die in weißer Laboratoriumsschürze mit zwei Häftlingen im Gewächshaus 2 arbeitete. [...] Am Eingang stand: Zutritt streng verboten. [...] Wenn zufällig einmal die Türe dieser geheimnisvollen sogen. ‚Dynamisch-biologischen Versuchsabteilung‘ offen stand, sah man ein Kuhhorn auf dem Tisch liegen und einen Häftling rhythmisch rühren.

In verborgenen Fächern lagerte Literatur des ‚Ringes anthroposophischer Landwirte‘, besonders die Abhandlungen Rudolf Steiners aus dem Goetheanum zu Dornach, und Sternebüchlein zum Berechnen der Planetenstellungen.“

aus Albert Riesterer: Auf der Waage Gottes. Bericht des Priesters Albert Riesterer über seine Erlebnisse in der Gefangenschaft 1941 bis 1945 vom 1.7.1945, S. 28

Bei der von Riesterer genannten „SS-Dame“ handelt es sich um Martha Emma Künzel, die vermutlich ab Frühjahr 1942 auf der Plantage Dachau Forschungen zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise (Demeter) betrieb. Nach Künzels Weggang Ende 1943 übernahm Franz Lippert zusätzlich ihre Forschungsabteilung.
Albert Riesterer wurde bei Künzel und Lippert zur Zwangsforschung eingesetzt und er berichtet sehr detailliert darüber, bspw. auch der Herstellung und Erprobung biologisch-dynamischer „Präparate“.

Auf dem Foto von Gewächshaus 2, das Karel Kašák 1944 vermutlich heimlich aufgenommen hat, ist auch das von Riesterer erwähnte Schild mit der Aufschrift „Zutritt streng verboten“ zu erkennen.

Abbildungen: View of the gardens and greenhouse of the Dachau concentration camp, fotografiert von Karel Kašák, 1944, im Bestand des United States Holocaust Memorial Museum, 2010.511.1, Provenienz: Maria Seidenberger

Plantage Dachau

Interdisziplinäres Rechercheprojekt zum gleichnamigen Arbeitskommando des KZ Dachau. Für das Areal ist auch heute noch der Progagangabegriff „Kräutergarten“ geläufig.