Unabhängigkeit baden-württembergischer Bäuerinnen und Bauern jetzt bewahren!
Die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau fordert von Norbert Lins MdEP den Schutz heimischer Landwirtschaft und Saatgutzüchtung.
Esslingen, 29. Mai 2026. Mit einem offenen Brief hat sich die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg e.V. (AÖL) an den Europaabgeordneten Norbert Lins gewandt. Anlass sind die am 15. und 17. Juni anstehenden Entscheidungen im Europäischen Parlament zur Regulierung neuer genomischer Techniken (NGT), welche weitreichende Konsequenzen für Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung in Europa haben.
Im Zentrum des Schreibens steht die Forderung, die Patentierung von Pflanzen, Saatgut und genetischen Eigenschaften konsequent zu begrenzen. Insbesondere dürften solche Eigenschaften nicht patentiert werden, wenn sie natürlicherweise vorkommen oder durch konventionelle Züchtung entstehen. Andernfalls drohten erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Praxis.
Die AÖL warnt gemeinsam mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis – darunter Kirchen, Pflanzenzüchter und Landwirtschaftsverbände – vor den Auswirkungen der aktuellen Gesetzentwürfe. Diese Entwürfe bergen das Risiko, dass grundlegende landwirtschaftliche Ressourcen zunehmend privatisiert werden.
Zugleich haben die Bündnispartner konkrete Lösungsvorschläge ausgearbeitet. Insbesondere die derzeit diskutierten Änderungsanträge zur europäischen Biopatentrichtlinie könnten hier Rechtssicherheit schaffen und zentrale Probleme entschärfen. Die Kernpunkte dieser Vorschläge sind:
der Ausschluss der Patentierung klassisch gezüchteter Pflanzen und natürlicher Genvarianten,
der Schutz vor der Monopolisierung natürlich vorkommender Eigenschaften,
sowie die Sicherung der sogenannten Züchterfreiheit zur Weiterentwicklung und Nutzung von Pflanzenmaterial.
Stellt die neue Biopatentrichtlinie diese fundamentalen Anforderungen nicht sicher, hätte dies gravierenden Folgen; Landwirtinnen und Landwirte sowie mittelständische Züchtungsbetriebe könnten den freien Zugang zu Saatgut verlieren und in neue wirtschaftliche Abhängigkeiten geraten. Gleichzeitig würde die Vielfalt der Pflanzenzüchtung eingeschränkt – mit negativen Auswirkungen auf Innovation, Anpassungsfähigkeit und Ernährungssicherheit.
Die vorgeschlagenen Änderungen hingegen würden einen Ausgleich schaffen, denn sie ermöglichen den Schutz technischer Innovationen, ohne die Grundlagen der Landwirtschaft zu privatisieren.
In dem offenen Brief wird Norbert Lins daher aufgefordert, sich im Europäischen Parlament klar für entsprechende Regelungen einzusetzen. Ziel sei es, die Unabhängigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu sichern und die Vielfalt der baden-württembergischen – aber auch der europäischen – Landwirtschaft langfristig zu erhalten.
Bildunterschrift: Norbert Lins MdEP (rechts) in Diskussion mit Martina Braun MdL (links), Bioland-Präsident Jan Plagge (2. von links) und Moderator Sven Prange vom Handelsblatt (3. von links) bei einer Veranstaltung der AÖL zur Gentechnik (Foto vom 14.12.2023).
Credit: Markus Leser
Zum Beitrag auf der Website AÖL: https://oekolandbau-bawue.de/2026/05/29/1705/
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