1/ Hier, Ihr dürft schon mal gucken. Das ist die Festschrift für Dan Everett. Das ist der Mann, der bei den #Pirahã gelebt hat und ihre Sprache erforscht hat. Wir hatten hier mal über den Film gesprochen. Everett war Missionar, aber die Pirahã haben ihn dann zum Atheisten gemacht.

Everett hatte nach seinen Veröffentlichungen zu Pirahã und Rekursion ein bisschen Stress mit #Chomsky und friends. Wird im Buch ausführlich besprochen. Unter anderem von #Pullum. Die Geschichte ist schon haarsträubend.

Meiner Meinung nach ist diese ganze Geschichte unnötig gewesen. Merge gibt es auch in Chomskyschen Grammatiken für's Pirahã, fertig.

https://langsci-press.org/catalog/book/434

#Linguistik #LinguisticWars

From fieldwork to linguistic theory: A tribute to Dan Everett | Language Science Press

2/ Der Sammelband enthält auch den Aufsatz von Steven T. #Piantadosi: „Modern language models refute #Chomsky’s approach to language“.

https://zenodo.org/records/12665933/files/434-GibsonPoliak-2024-15.pdf?download=1

Dieser Aufsatz war schon eine Weile auf #lingbuzz veröffentlicht. Er führt dort die Liste der Downloads im letzten halben Jahr an. Fast 30.000 Downloads. Jetzt ist er offiziell erschienen. Bei uns! Bei @langscipress! Schade, dass die Downloads nicht bei uns einzählen, aber das ist der Sinn der Übung: Maximale Verbreitung des Wissens, nicht maximaler Profit für einen Verlag.

Am Tag der Veröffentlichung hat der Aufsatz schon 140 Zitationen:

https://scholar.google.de/citations?view_op=view_citation&hl=de&user=zykJTC4AAAAJ&citation_for_view=zykJTC4AAAAJ:gnsKu8c89wgC

So muss das!

#ChatGPT #LargeLanguageModels #LLMs

#SprachmodelleLLMs

#Linguistik #Spracherwerb #PovertyOfTheStimulus

3/ Wie in 1/ gesagt: #LinguisticWars. For nothing.

Das Ganze ist eine #Festschrift für Dan Everett. Language Science Press macht aber keine Festschriften. Das hatte ich den Herausgeber*innen auch so gesagt. Festschriften nerven. Sie verursachen viel Arbeit und enthalten merkwürdige Aufsätze einer merkwürdigen Textgattung von zweifelhaftem wissenschaftlichem Wert. (Diese hat natürlich nur tolle Beiträge …) Language Science Press hatte deshalb schon immer die Policy: Ihr könnt ein anständiges Buch machen und das jemandem schenken. Dieses Buch darf nicht Festschrift heißen, denn wir machen keine Festschriften. Das hat nicht so ganz geklappt, so dass es so einige Undercover-Festschriften gibt.

Im aktuellen Fall hat mir Geoff Pullum dann irgendwann einen Link auf eine Workshop-Seite zu Dan Everetts Festschrift-Workshop geschickt. Ich bin fast hintenüber gefallen.

Ich habe das gemacht, was ich immer mache: Absurde Aktion. Ich habe gesagt: Wir machen eine Festschrift. Die erste offizielle und die letzte und ich schreibe was dazu.

Das ist der Artikel:

https://zenodo.org/records/12665903/files/434-GibsonPoliak-2024-0.pdf?download=1

Über #Chomsky, den Machtmissbrauch des größten Anarchisten und seiner Kumpels und über Universalien. Das war ja der große Streit mit Everett um das #Pirahã. Chomsky: In allen Sprachen kann man prinzipiell beliebig lange Sätze bilden. Everett: Nee, im Piraha geht das nicht.

An den Universalien hängen ja Chomskys Behauptungen zur Universalgrammatik und angeborenem sprachspezifischen Wissen. Typolog*innen sagen, dass es keine gibt. Nur Tendenzen, für die sich aber andere Erklärungen finden lassen.

Ich habe jetzt ein Universal gefunden. Allerdings auf Text-Ebene: Festschriften erzeugen immer unendlich viel Arbeit. Nach meiner Vermutung gilt das auch für das Piraha. Das erkläre ich in meinem Aufsatz und auch wieso wir nie wieder eine machen und Dan Everett also der einzige Mensch auf diesem Planeten sein wird, der jemals eine offiziele Language Sciene Press-Festschrift bekommen hat.

Also. Lest den Artikel mal. Und schreibt keine Festschriften! Und wenn doch, veröffentlicht die bei #DeGruyter.

Viel Spaß!

4/ Mist. Kaum erschienen schon der erste Fehler entdeckt. So schreibt ein geschätzter Kollege:

„verehrter kollege müller,

ich lese ihre texte immer freudiglich ob ihrer spaßigkeit. in ihrem mir
heute zugegangenen werk scheint mir allerdings auf seite xiii ein mistake
vorzuliegen. vgl
https://doi.org/10.1515/9783111604763-022.
dieser ist jedoch minor.

viele grüße,
horst“

Tja, da hat doch der #Bierwisch doch zu einer #Festschrift beigesteuert. Und zwar 1966 zu der für Roman Jakobson!!!!

Ich kannte Bierwisch ja erst ab 1989 oder 1990. Da hatte er das vielleicht schon vergessen …

SYNTACTIC FEATURES IN MORPHOLOGY: GENERAL PROBLEMS OF SO-CALLED PRONOMINAL INFLECTION IN GERMAN

SYNTACTIC FEATURES IN MORPHOLOGY: GENERAL PROBLEMS OF SO-CALLED PRONOMINAL INFLECTION IN GERMAN was published in To honor Roman Jakobson : essays on the occasion of his 70. birthday, 11. October 1966 on page 239.

De Gruyter

5/ Hier. Das wollte ich noch teilen. Dieser Textteil hat mir große Freude bereitet.

Das Festschrift-Universal ist: „All festschrifts in all languages cause an infinite amount of work.“

Ich finde den Absatz in Ted Gibsons Danksagungen sehr lustig. Aus diversen Gründen. Einige erschließen sich schon hier, andere erst, wenn man mein Kapitel gelesen hat. (Tipp: die Nachgedanken)

@stefanmuelller

Die Freude darüber, dass dein Artikel von ihm zitiert wurde, obwohl er eigentlich nicht zitiert werden sollte, kann ich nachvollziehen. Insbesondere, da es nicht erst zufällig im Laufe der Zeit erfolgt, sondern gleich bei Veröffentlichung...

Aber, dass aus "infite amount" nur "enormous amount" wird, muss doch auch ein bisschen schmerzen. Nicht, weil Arbeitsaufwand nicht ausreichend "gewürdigt" wird, sondern auch, weil es nicht korrekt zitiert ist. Andererseits: Es ist (nur) eine Festschrift!

@peer Das waren zähe Verhandlungen. =:-) Ted fand Späße nicht angemessen, weil die ganze Sache mit Everett sehr ernst ist.

Lokal, in seinen Danksagungen, ist der Quatschamount daher niedrig. Es funktioniert aber zusammen. Meine Aussage, dass alle Festschriften einen unendlichen Aufwand bedeuten wird direkt durch das Erscheinen der Festschrift (in endlicher Zeit) widerlegt. Andererseits bestätigt er aber auch meine Aussage, dass ALLE Festschriften unglaublich aufwendig sind. Ohne diese Danksagung wäre mein Vorwort blöd gewesen, denn es hätte ja jemand glauben können, die Erstellung dieser Festschrift sei auch unglaublich aufwendig gewesen.

Nun ja. Es gäbe viel zu erzählen, aber das macht man ja nicht. Nur ein Detail, weil es lustig ist.

Ganz kurz vor Drucklegung hat noch jemand (TM) die Anführungszeichen und Interpunktion geändert. Diese Zeichenkette enthält drei Zeichen: „abc.“

Kommas und Punkte in Anführungszeichen hineinzuziehen ist absoluter Quatsch. Lustigerweise hat sich Pullum schon 1984 für diese Sicht stark gemacht und nun hatte jemand (TM) im letzten Moment alles entgegen unserer Stilvorgaben kaputt gemacht. Auch Pullums Kapitel.

Ich habe es dann wieder repariert. =:-(

Hier Pullum on „Punctuation and human freedom“:

http://www.lel.ed.ac.uk/~gpullum/punctfree.pdf