https://www.stern.de/gesundheit/inside-charit%C3%A9--reporter-von-stern-und-rtl-decken-schwere-missstaende-auf-35037290.html

Hier auch Artikel zu dieser unrühmlichen #Reportage
Und es ist für mich aus der #Pflege ziemlich interessant zu lesen.
Denn ich sehe hier ein anderes Problem,als die meisten Leser*innen.
Let´s go 1/x

Inside Charité: Reporter von stern und RTL decken schwere Missstände auf

Die Charité hat einen glänzenden Ruf. Nun zeigen Recherchen von stern und RTL ein anderes Bild: organisatorische Mängel, überlastete Ärzte und Fehler, die...

STERN.de
#Charité wird als #Spitzenmedizin geworben.
Die berühmtesten Ärzt*innen,Nobelpreisträger(sic!),modernste Technik.
Das weckt Allmachtvorstellungen. Die Illusion der erreichbaren Reparierbarkeit.
Dann folgt Absagen der geplanten Operationen als Plottwist. Weil Gesundheit eben mehr als technische Reparierbarkeit des Körpers und der Seele ist.
Die #Reportage wird als Beleg für vermeintlichen #Personalnotstand im #Gesundheitswesen benutzt und das auf eine sehr interessante Art und Weise.
Die Reporterin filmte alles als angebliche #Pflegepraktikantin. Hier ist so schön zu sehen,wie #Pflege gesellschaftlich angesehen wird.
Und es bleibt vollständig die Empörung darüber aus,dass sich jemand einschleust, voyeuristisch die Not der Menschen für Ragebait nutzt,nicht zeitnah reagiert und sich dann auch als Expertin fühlt.
#Pflege wird für harte körperliche Arbeit und seelischen Stress bemitleidet,aber als der größte Misstand wird die Tatsache wahrgenommen,dass in einem Notfall keine Fachärztin,sondern eine PJ-Studentin übernimmt.
Und ich möchte das nicht klein reden,aber es fängt eben nicht da an.
Es ist eine #Illusion, es stimmt einfach nicht,dass ausschließlich ärztlich geleitete Systeme bessere Outcomes anbieten und es ist absolut utopisch zu erwarten,dass #Ärzt*innen universell verfügbar sein werden.
Allein demografisch funktioniert das nicht.
Und in diesem Fall wäre es notwendig gewesen,aber die nicht-Verfügbarkeit ist die Folge der Fehlallokation.
Wenn Krankenhäuser überhaupt Humanität anbieten wollen und Ressourcen dafür erschaffen,dann müssen sie sich dem Finanzierungssystem unterwerfen und durch Zuteilung der Ärzt*innen für lukrative geplante Eingriffe,eben auch Geld für "Versorgungsprobleme" zu bekommen.
Und dann fehlen sie eben da,wo sie am meisten benötigt werden,eben in unplanbaren,komplexen Situationen,wo sehr spezielles Wissen und Entscheidungsfähigkeit gefragt ist.
Und es ist auch #Illusion,dass Konkurrenz und Ranglisten Garantie für gute Versorgung sind.
Denn #Gesundheitswesen ist ein Menschenrecht,eine sehr besondere Dienstleistung und keine beliebige Service.
Es wird aber politisch zu einer Service gemacht,die nicht gleichermaßen allen Menschen zusteht.
Und hier muss Diskussion über Werbung und Zuteilung der Ressourcen geführt werden.
Übrigens,ich habe für Euch die Reportage gesehen.
Der Mann,um den es in meinem Bericht geht,hatte Verdacht auf Sepsis.
Und von mir erwarten fast alle meiner ärztlichen Kolleg*innen,dass ich eigenständig die Erstmaßnahmen einleite.
Ich beteilige mich an Fokussuche,nehme Blut ab,kann die kritischen Parameter erkennen und zeitnah und gezielt weiterleiten.
Wenn sie da sind um Pt*innen klinisch zu beurteilen und den Ärzt*innen vorbehaltene Intervetionen zu durchführen,dann ist alles davor getan.
Wir haben Laktat,wir haben schon Blut im Labor auf Notfall für Entzündungsparameter (incl. Procaltitonin),Blutkulturen sind abgenommen (3-4 Paar),Urin ist abgenommen,eventuell auch Sputum,Lunge ist abgehört,Bauch ist beurteilt,hier auch eventuell Labor,wir haben auch Gerinnung,wenn Zentralkatheter notwendig ist.Antibiotik ist in Bereitschaft,Allergien sind erfragt,Antipiretik auch.
Und ich kann die ganze Intervention leiten und koordinieren.
Und es geht auch alles gut,wenn zB ärztliche Kolleg*innen Berufsanfänger*innen sind,weil dann Hintergrund anders gebraucht wird,gezielt,dann sind alle ruhiger.
Deswegen muss #Pflege als Player im System wahrgenommen werden,weil das die Allokation deutlich erleichtern würde.
Ich muss nicht viel Medizin übernehmen,man muss mir nur Kompetenz einräumen,das organisieren zu können.
Und das auch nicht im #Interesse der #Medizin oder Ärzt*innen zu entlasten,oder damit #Pflege aufzuwerten (denn das soll nicht auf Skala), sondern im #Interesse der #Patient*innen und als ihre Vertretung in gesundheitlichen Belangen.
@Publicenema danke ❤️ fand die Reportage sehr schmal, unpolitisch und eher so herziherz-emotional als argumentationslinie, ohne wirklich die Probleme zu erfassen.

@Publicenema

Danke für die Analyse der Reportage!

Immer wieder ernüchternd, wenn so getan wird, als wäre der anwesende erfahrene Arzt der einzige auf den es ankommt.
Viele Menschen haben einfach keine Vorstellungen, wie wichtig das nichtärztliche Personal ist, und wieviel im Alltag eigentlich weitgehend ohne Fachärzte abläuft.

@stephie_hamburg Highlight war Chefarztvisite, wo der "Chef" sofort sieht,dass die Behandlung nicht richtig läuft,weil Patient kein Triflow hat.
Entschuldigung,aber das ist die Verantwortung von Pflege und Physio und dafür braucht man keinen Chefarzt. Und da hilft es nicht noch mehr Menschen anzustellen,sondern System zu überdenken.
Denn Triflow aushändigen und Pt*innen anleiten ist zB auch im PPR 2.0 nicht abgebildet.

@Publicenema
Okay, ist fast ein bisschen witzig.

Die meisten Patienten bei uns bekommen den Chefarzt nie zu sehen. Dann muss ja alles drunter und drüber gehen^^