Ist vielleicht alles gar nicht so schrecklich? In Perspektiv-Therapie 1 werfe ich eine radikal optimistische These zu Filterblasen in den Raum.
https://youtu.be/HO2xBS3IZ-w
Perspektiv-Therapie 01: Platzen die Filterblasen?

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@afelia

Sehr optimistisch.. Du überrascht mich schon wieder, danke.

@afelia "Ein jeder von uns hat eine Rolle, manche als mahnendes Beispiel."
Interessante These! Ein bisschen Wahrheit steckt sicher mindestens drin, der aktuelle Sinkflug der AfD von 22 auf 16 % begann ja damit, dass Correctiv das Wannsee-Treffen aufgedeckt und sichtbar gemacht hat.

@afelia Sehr spannend! Es passt zu dem, was ich an anderer Stelle gehört habe, ohne das jetzt zitieren zu können.: An sich hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahren viele Schritte in eine progressive Richtung gemacht. Wir sind sicher noch nicht da wo wir sein wollen, aber die langfristige Richtung stimmt. Was wir derzeit erleben, ist ein reaktionärer Gegenbewegung auf diese Vergangenen Fortschritte.

Neu für mich ist der Gedanke, dass diese Gegenbewegung nicht nur zu erwarten sondern sogar notwendig ist. Nur dadurch, dass diese dunklen Seiten unserer Gesellschaft nun sichtbar werden, haben wir überhaupt die Möglichkeit uns mit diesen auseinander zu setzen.

Für mich klingt das einleuchtend und macht auch etwas Mut. Ich habe aber auch gut reden, nachdem ich auf einer Liste möglicher Privilegien ziemlich viele Kreuze machen kann.

@afelia

Hmm, das einzige, dem ich zustimmen würde, ist, dass die Filterblasen durch die sozialen Medien sichtbarer werden, z.T. dadurch, dass der "Algorithmus" für einen gezielt "feindliche" Meinungen auswählt, um einen zu mehr Interaktion zu verleiten.

@afelia

Bei Blasen wäre ich viel vorsichtiger. Lebe ich in 'ner Blase, wenn ich Wissenschaftler*Innen zuhöre, anerkenne, dass wir 'ne Klimakatastrophe befeuern und aktiv daran arbeite, Dinge zu verändern? Wenn ich anerkenne, dass es RuZZen sind, die einen imperialistischen Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führen? Klar gibt es auch „links“ Blasen. Siehe Verherrlichung der HAMAS-Schlächter. Siehe Tankies.

Es sind demnach vor allem die Blasen selber. Genauer: Deren Lebenslügen.

@afelia

Was zweifelsohne hilft ist andererseits blindwütiger Optimismus. Kleiner Schwank aus der Praxis hierzu:

Mit 'nem e-Auto bekommst Du vorhersehbar den ganzen fossilen FUD ab, der darüber kursiert. Gehst Du darauf ein, verlierst Du den Diskurs. Erzählst Du hingegen unbekümmert, wie die Praxis aussieht und berichtest unbeirrt von den Möglichkeiten, bringst Du damit nicht nur das komplette Konzept des FUD zum Einsturz. Die Leute haben dann auch einfach kein Konzept mehr, damit umzugehen.

@afelia

Am Ende ist es dann eben die Konfrontation mit Fakten, die all diese netten, bequemen Geschichten, Ausreden und Lebenslügen ins Wanken bringt, nur erreichst Du das eben gerade nicht damit, auf diese Stories auch nur irgendwie einzugehen.

Sobald Du darauf eingehst bewegst Du Dich zwangsläufig auf dem Terrain eines Märchens und da gelten dann eben ganz eigene Gesetze. Da gewinnst Du keinen Blumentopf mehr. Da bist Du ganz fix bei Rassenlehre und Dreck und kommst auch nicht wieder raus.

@afelia Es ist sehr schwer, nicht zu wissen, wie lange die Therapie und damit die miese Zeit dauert. Es können harte Brocken geschafft werden, jedoch später interessiert es kaum andere Menschen. Ist das Leben lang genug, kann es auch zu viele Rückschläge geben. Manche Therapien funktionieren nur einmal. Ich fühle mich austherapiert und komme nicht mehr weiter.
@afelia
Danke für diese sehr reflektierte Darstellung eines Läuterungsprozesses, den ich in gewisser Weise auch gerade durchmache, indem ich mich dazu bekannte, dass ich meine Selbstausbeutung endlich erkannte und zu meiner Hausärztin ging und dort ein Selbstheilungsprozess in Form einer Therapie angestoßen werden konnte. Allerdings sehe ich nicht, wie ein ähnlicher Prozess bei politisch wirksamen Bevölkerungsgruppen bewirkt werden kann. sapere aude funktioniert nicht wirklich als Aufforderung
@afelia
Mit dem Pseudonym @villon liegst du aber, glaub ich, schon nicht fern der Lösung - der heilsame Schock, ob in zotiger oder gerne auch in humoriger Form (Eulenspiegel),
Selbsterkenntnis ist oft ein Schock. Und die Auflösung, die Rettung aus diesem Schockzustand ist dann der Humor, die katharsische (deklinier ich das richtig?) Wirkung des Lachens. Über sich selber lacht man dann, wenn man sich selber verstanden hat.

@villon
Das kann ein sarkastisches, fatalistisches Lachen sein, oder aus Begeisterung sein, wenn einem was gelungen ist, Erkenntnisblitz, oder ein wehmütig aber vergebendes Lachen wenn man seiner Mankos bewusst wird. Aber Lachen...
Ich fühl jetzt erst, warum @afelia plötzlich laut überlegte Comedian zu werden. Ja, Humor wirkt.

...ich war noch nicht fertig mit dem Thema, aber lasst euch nicht stören...

@afelia Die Idee hatte ich tatsächlich schon. Bei der intrapsychischen Schattenarbeit geht es m. W. darum, den externalisierten Schatten als eigene psychische Energie zu erkennen, zu reintegrieren und damit die eigenen Ressourcen zu erhöhen. In Bezug auf gesellschaftliche Schattenarbeit müssten die „bösen“ Ausgegrenzten als ursprünglicher Teil des gesellschaftlichen Ganzen erkannt und reintegriert werden.
@afelia Die Theorie, dass Filterblasen nicht schlimmer, sondern nur sichtbarer geworden sind, habe ich schon lange. Die Idee, dass deren Sichtbarkeit Teil unserer Selbstreflexion als Gesellschaft sei und wir gerade so eine Art Katharsis erleben, stimmt hoffnungsvoll und ist als zivilisatorischer Prozess plausibel. Das Problem sind die vielen Leute, die im Verlaufe dieser "Introspektion" unter die Räder kommen. D.h. selbst wenn es irgendwann wieder besser wird, werden wir es erleben? 1/
@afelia Wieviel Leid werden wir auf dem Weg in die besseren Zeiten erfahren und ertragen müssen? Die Geschichte zeigt zwar, dass es kontinuierlich voran geht mit unseren zivilisatorischen Prozessen, dass wir uns als Gesellschaft fortentwickeln. Aber sie zeigt auch, dass wir unterwegs Hexen verbrennen, Sklaven halten, Juden vergasen, Behinderte vergiften, Homosexuelle elektroschocktherapieren, etc. pp. Also, ja, wir brauchen die Lichter der Hoffnung. Aber Angst hab ich trotzdem. 2/
@afelia Zumal wir halt diesmal auch vor einem geschichtlich nie dagewesenen point of no return stehen. Ja, um 1000 haben die Leute auch geglaubt, die Apokalypse stünde bevor. Aber heute haben wir die Forschungsdaten, die sie belegen. Sollten wir den Selbstfindungsprozess beschleunigen? Jetzt schnell 4 Jahre Faschismus hinnehmen, damit wir möglichst schnell und bald unseren Fehler erkennen und ausbessern, um uns dann wieder den richtigen und wichtigen Dingen widmen zu können? Ich weiß nicht… 3/
@afelia Ich danke dir trotzdem sehr für den Hoffnungsschimmer. Ich bewundere deine Fähigkeit, immer wieder mit radikalem Positivismus aufwarten zu können und bin dankbar, dass du deine Gedanken mit uns teilst. Ich merke, wie gut es mir immer wieder tut, dir zuzuhören. 😘 4/4

@levampyre @afelia

Der Punkt, wo ich einhake, ist "4 jahre faschismus" [und dann wird es besser, weil viele das als fehler erkennen und was anderes wählen]. Ja bislang war es möglich, entweder etwas anderes zu wählen oder einen umsturz zu bewirken, wenn die autoritäre macht wahlen abgeschafft hatte (derzeit faschistisches regime am wahrscheinlichsten. aber völlig egal, ob theokratie, libertär, stalinistisch, trotzkistisch, hyperkapitalistisch, anarchistisch, fliegendesspaghettimonszerisch, was auch immer). Künftig jedoch ist es egal ob das autoritäre regime wahlen abschafft. Die möglichkeiten der digitalen überwachung sind so weitgehend, dass das autoritäre regime so viele menschen von realistischen informationen abschneiden kann, dass es weder wahlen noch umsturz fürchten muss. Es wird weiterbestehen bis es unter der last der eigenen widersprüche kollabiert - aber das wird solange dauern, dass vorher alles erdenleben den hitzetod gestorben ist.

Morgen ist ein wichtiger tag: die EU wird die #Chatkontrolle beschließen und damit threema und signal verbieten, die demokratie beenden und die wissenssammlung wikipedia. - oder das wird verhindert (zumindest aufgeschoben). Dienste wie threema stellen sicher, dass das was A an B sendet unverfälscht B erreicht. Für sich genommen ist das zuwenig. Aber ohne dieses Fundament ist alles nichts. Wenn wirklich ein autoritäres regime 4 jahre an die macht kommt, dann bleibt es dabei: weil dieses regime manipuliert, was von der realität wir sehen können. Mit der Chatkontrolle wird einem künftigen autoritären regime eine sehr mächtige waffe geschenkt.

@Life_is Ja, wobei ich glaube, dass wir einen digitalen Überwachungsstaat schon allein wegen der enormen Ressourcen (Rechenleistung, Energie), die er benötigt, nicht erwig werden aufrecht erhalten können. Möglicherweise wird dann auch der face-to-face Austausch abseits von digitalen Geräten wieder an Wert gewinnen. @afelia

@levampyre @afelia

Hmm, nicht notwendigerweise. Bei konsequenter nutzung von Solarenergie steht Elektrizität zwar nicht in unendlicher menge zur verfügung, aber doch in einer menge, die 1000, 10000 oder 100000 mal höher ist als die derzeitige nutzung von allen energiearten zusammengenommen. Die Rechenleistung wird nicht notwendigerweise immer weiter ansteigen. Ein begrenzender Faktor könnte sein, dass computer alles berechnen können, was berechenbar ist (Turing-Maschine, NP-Vollständigkeit). An dem Punkt, wo Computer so rechenstark sind, dass sie nicht nur in der Theorie alles berechnen können, was berechenbar ist, sondern dies auch tatsächlich tun, ist eine harte grenze erreicht: es ist dann nicht mehr möglich, die rechenleistung zu erhöhen, weil es nichts mehr gibt, was berechenbar wäre, aber noch nicht berechnet wird. Zum anderen hat es immer wieder technische durchbrüche gegeben, die eine höhere rechenleistung bei geringerem energieverbrauch bewirken (was aber nicht zu geringerem energieverbrauch führte, weil dann immer einfach mehr berechnet wurde). Derzeit wird viel hoffnung in das sogenannte quantencomputing gesetzt. Es wird immer wieder neue ansätze geben.

@afelia
Danke für die spannende Reflektion.
Ich denke, es gibt reichlich Beispiele für "Blasen", deren identitätsstiftende Auswirkungen und eben die Folgen dieser Identifikation in der Geschichte. Als Beispiel ließe sich in Europa die Reformation nennen oder eben auch der Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Schöne an der Geschichte ist, dass man sehen kann, wie diese Prozesse ausgegangen sind, zu welchen Folgen sie geführt haben.
@afelia
Ja, es ist gut, Hoffnung zu haben, wir seien in einem Transformationsprozess und die derzeitigen reaktionären Tendenzen seien eine Antwort auf kulturelle Fortschritte. Aber wir müssen uns unbedingt der Risiken bewusst sein, die mit Identifikation und der Akzeptanz von reaktionären "Idealen" einher gehen.
Ich bin sicher, die Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg waren sich (auf beiden Seiten) durchaus der Werte und Gedankengutes der jeweils anderen Seite (Blase) vertraut.
@afelia
Leider hält die Geschichte kaum Beispiele für einen guten Ausgang solcher Konfrontationen von "Blasen" oder Identitäten bereit.
@afelia Danke! Das klingt höchst erwägenswert!