Apropos sauber: In Finnland wird sehr penibel Müll sortiert. Hier seht ihr den Sammelbehälter für Satzzeichen 🙃

Obwohl es in Finnland zur Zeit außergewöhnlich warm ist, wird es im Wind doch langsam etwas frisch. Gehen wir doch mal an Deck und schauen, was es dort zu entdecken gibt.

Hier sind ein paar Eindrücke von der Inneneinrichtung der Viking Grace. Das Schiff hat einen eher nüchtern-eleganten Stil und ist noch nicht ganz so auf Glitzer, Gold und Bling Bling gestylt wie die jüngere Viking Glory.

Was ich an der Grace mag: Es gibt noch eines dieser bodenständigen Restaurants, wo man sich am Buffet sein Essen selbst zusammenstellt und nach Gewicht bezahlt. Es schmeckt in der Regel echt gut und der Preis ist einigermaßen fair.

Ich finde gut, dass es ein solches niedrigschwelliges Angebot gibt, gerade für Leute, die Hemmungen wegen der Sprache haben oder einfach keine Lust, in ein „feines“ Restaurant mit Bedienung zu gehen (davon gibt es natürlich auch mehrere an Bord).

Werfen wir mal einen Blick in meine Kabine. Ich habe die günstige Kategorie gebucht, „Piccolo“, für 1 bis 2 Personen, ohne Fenster. Meine Kabine liegt auf Deck 9, also recht hoch, was eine sehr ruhige Nacht verspricht.

Die Kabine ist zunächst in „Tagstellung“, im Handumdrehen wird die Sitzfläche des Sofas aber zum Bett und die Bettwäsche und Handtücher kommen zum Vorschein. Die Kabine hat auch ein Bad mit Dusche und WC.

Es gibt auch einen Fernseher, einen Fön und ein Telefon. Kaffee und Zimtschnecke sind dagegen nicht im Preis enthalten und wurden von mir an Bord geschmuggelt bzw. im Café erworben 🙂

Komfort und Ausstattung würde ich mit einem Single-Deluxe-Abteil im Schlafwagen vergleichen. Gezahlt habe ich umgerechnet 41 € bei Buchung vor drei Wochen. Ich habe auf der schwedischen Website von Viking Line gebucht (gibt auch FI und INT), die Preise können sich immer mal leicht voneinander unterscheiden.

So, jetzt ist es schon ganz schön lang und spät geworden. Ich muss jetzt ein bisschen schlafen und berichte morgen weiter. Dann widmen wir uns der sozialen und kulturellen Bedeutung der „Schwedenfähren“ (so heißen sie in Finnland) für die Menschen hier. Ich muss euch da ein bisschen Kontext geben zu den Beobachtungen, die @jon unlängst auf dem Schwesterschiff, der Viking Glory, gemacht hat.

Gute Nacht und danke fürs Lesen! 😴

Guten Morgen 😴

Es ist 5:30 Uhr schwedischer Zeit (gestartet sind wir in finnischer Zeit, eine Stunde später) und man wird, äh, behutsam geweckt. Erst ertönt eine Durchsage über den Kabinenlautsprecher, dann klopft jemand vom Bordpersonal an die Tür und wüscht „Huomenta, God morgon, Good morning!“.

Es ist noch eine Stunde bis Stockholm. Ich lasse mich nicht stressen und döse noch etwas vor mich hin.

Über Nacht haben wir kurz in Åland angelegt, der teilautonomen Inselgruppe zwischen Finnland und Schweden. Das dient nicht nur dem Aussteigen bzw. Einsteigen von Reisenden, sondern hat auch steuerliche Gründe: Durch den Halt in Åland darf hier an Bord zollfrei Alkohol verkauft werden.

Außerdem hat sich mein Handy in das schwedische Mobilfunknetz eingewählt und ich erhielt die entsprechenden Willkommens-SMS von meinen Netzbetreibern.

Wir schippern bereits durch das Stadtgebiet von Stockholm. Ich gehe schon mal zum Ausstieg auf Deck 6, ich bin gerne in der Pole-Position und gehe als erster von Bord, dann kann ich es auf dem Weg zum Bahnhof gemütlicher angehen lassen.

Wie immer sind wir pünktlich. Die Sonne brennt schon ganz schön an diesem Morgen.

Um 6:29 Uhr berührt die Landungsbrücke das Schiff, um 6:34 Uhr stehe ich vor dem Terminal. Ich bin zufrieden.

Viking Line legt in Stockholm am Terminal Stadsgården/Tegelvikshamn südlich des Stadtzentrums an. Um zum Hauptbahnhof zu gelangen, gibt es drei Möglichkeiten:

1) Ein Shuttlebus von Viking Line. Dauert recht lange und ist teuer.

2) In Stockholms ÖPNV. Zunächst mit dem Bus nach Slussen, von dort weiter mit der U-Bahn.

3) Laufen. Schöne Strecke durch die Altstadt, etwa 3 km.

Ich entscheide mich aber in letzter Zeit meistens für Variante 4: Ein kleiner Spaziergang zur U-Bahn-Station Medborgarplatsen, und von dort dann drei Stationen mit der „Tunnelbana“ zum Hauptbahnhof.

Der Spaziergang führt durch den hippen Stadtteil Södermalm, kurz Söder. Wer die Millenium-Bücher von Stieg Larsson kennt, dürfte viele Straßennamen wiedererkennen.

Inklusive U-Bahnfahrt bin ich laut Strava knapp 25 Minuten unterwegs.

Um 7:05 Uhr, und damit 36 Minuten nach Anlegen der Fähre, stehe ich am Hauptbahnhof von Stockholm. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Bahnhof. Die Schalterhalle ist zweifelsohne wunderschön, dafür gehört der Gleisbereich zu den trostlosesten aller europäischen Hauptstädte.

Für mich gibt es nun erstmal Frühstück am Bahnsteig. Bis zur Abfahrt meines Zuges nach Kopenhagen habe ich noch über eine Stunde.

Am Hausbahnsteig sehe ich mir noch schnell den #Nachtzug an, der am frühen Morgen aus Umeå in Nordschweden bzw. Åre und Duved in der Region Jämtland angekommen ist.

Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, wie es ist, mit einem solchen Zug durch eine schwedische Sommernacht zu fahren, könnte den neuesten Reisebericht in der @zugpost lesen: https://zugpost.org/nachtzug-umea-goeteborg/

Aufwachen am See: Im Nachtzug durch Schweden

Unterwegs im Nachtzug von Umeå nach Göteborg.

Zugpost

Und da ist mein Zug nach Kopenhagen (hoffentlich, im Verspätungsfall lässt die SJ die Züge gerne mal vorzeitig in Malmö enden). Es handelt sich um einen Schnellzug des Typs X2000 der Schwedischen Bahn. Leider werden die Züge immer erst 5 Minuten vor Abfahrt bereitgestellt, am Bahnsteig geht es darum hektisch zu.

Ich reise mit Interrail, für diesen Zug brauche ich eine zusätzliche Reservierung. Immerhin ist diese mit etwa 8 Euro vergleichsweise günstig und lässt sich einfach online erwerben.

X2000. Ich mag ihn von außen ganz gern, von innen ist er dagegen ganz schön in die Jahre gekommen. Die Sitzpolster sind abgegriffen und speckig, die Toiletten haben ihre besten Zeiten auch hinter sich. Zudem sind die Züge sehr unruhig, dazu kommt die generell schlechte Gleislage der Strecke Stockholm–Malmö (hier habe ich im Nachtzug regelmäßig Angst, aus dem Bett zu fallen).

Und: Ich hab mal wieder den Joker gezogen und einen Wandfensterplatz erwischt. Nee, da bevorzuge ich jeden ICE jederzeit.

Obwohl unser Zug planmäßig nach Kopenhagen fährt, spricht der Zugbegleiter nur von Malmö. Ob das Ignoranz ist oder es bedeutet, dass wir wieder mal vorzeitig verenden, weiß ich nicht. Mal schauen. Das Bordbistro hat heute nur ein begrenztes Angebot, immerhin wurde ich darüber 7 Minuten vor Abfahrt per SMS informiert.

Der Zug ist bumsvoll, wie fast immer auf dieser Strecke. Ruhig wird es nur auf dem allerletzten Stück bis CPH (sollten wir dort ankommen).

Und da kommt die Bestätigung: Auch dieser Zug fährt nicht über die Öresundbrücke nach Kopenhagen sondern endet vorzeitig in Malmö. Das passiert mir so oft, dass ich nicht mehr von einer durchgängigen Zugverbindung zwischen Stockholm und Kopenhagen spreche.

In Malmö werde ich dann auf den Öresundståg wechseln. Für mich kein Problem, ich hab das schon x-mal gemacht. Andere internationale Reisende hier im Zug werden dagegen schon nervös.

Das alles ist nicht der Untergang der Welt, bringt aber doch eine gewisse Unruhe in die ganze Reise, was nicht nötig wäre.

Solche Fahrten sind dennoch wichtig für mich. Ich hinterfrage mich oft: Sind die finnischen Züge wirklich so gut, wie ich sie immer mache, oder bin ich da inzwischen ein Stück „betriebsblind“ und glorifiziere zu stark? Man muss nur ein bisschen durch Schweden fahren um festzustellen: Doch, sie sind wirklich so gut.

Hier ein paar Eindrücke von unterwegs, irgendwo zwischen Östergötland und Småland. Schweden ist schön.
Noch ein bisschen Bilderbuch-Schweden. Inzwischen hat es sich leider zugezogen.

In Fernzügen der SJ gibt es schon länger keine Ticketkontrollen mehr. Solange jeder auf seinem reservierten Platz sitzt und niemand sich beschwert, geht man davon aus, dass schon alles so seine Richtigkeit hat. Interrailern wird vertraut, dass sie alles korrekt auf ihrem Ticket eintragen.

Das Zugteam befindet sich zentral im Bistro. Ob das mit einer Reduzierung der Personalstärke einher geht, weiß ich nicht.

Ich hatte euch noch ein paar Reflexionen zu den Fähren zwischen Finnland und Schweden versprochen.

In Finnland nennt man sie ruotsinlaivat, "Schwedenfähren". Ökonomisch, touristisch, aber auch soziokulturell sind sie von überragender Bedeutung. Das gilt besonders für Finnland, etwas weniger für Schweden.

Das Folgende betrifft vor allem die Fähren zwischen Turku und Stockholm, mit denen ich regelmäßig unterwegs bin, aber auch zu großen Teilen die Linie von Helsinki nach Stockholm.

Die Fähren bündeln verschiedene Zwecke in einem Verkehrsträger:

1.) Transport von Waren von und nach Finnland, hauptsächlich in Form von LKWs/Trailern.

2.) Beförderung von Personen von A nach B. Viele davon mit eigenem Fahrzeug, aber auch Fußpassagiere.

3.) Anbindung der Åland-Inseln, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen sind. Wie zuvor erwähnt, ist das aber auch ein Stück weit ein Alibi um zollfreien Alkoholverkauf zu ermöglichen.

4.) Minikreuzfahrten, entweder mit oder ohne Landgang.

Die Fähren sind riesig. Wenn man noch nie auf so einem Ding war, ist man erstmal erschlagen ob der Größe und der ganzen Dinge, die sich an Bord tun.

Viking Grace und Viking Glory, die beiden modernen Fähren, die zwischen Turku und Stockholm pendeln, haben jeweils knapp 3000 Kabinenplätze. Bei Nachtüberfahrt muss man eine Kabine dazubuchen, bei der Tagfahrt ist es optional (aber sehr zu empfehlen, weil günstig und es ist nett, einen Rückzugsort zu haben).

Für Erstbenutzer sicher am irritierendsten ist Reisezweck Nr. 4, die Minikreuzfahrt. Für Menschen in Finnland und Schweden ist es ein beliebtes Freizeitvergnügen, einmal in 24 Stunden mit der Fähre hin- und herzufahren und an Bord eine gute Zeit zu haben.

Die Reedereien fördern das, so eine Cruise kostet nicht mehr als die einfach Fahrt, früher war sie mitunter sogar günstiger. Zur Bespaßung der Gäste gibt es Geschäfte, Restaurants, Bars und Nachtclubs. Natürlich soll fleißig konsumiert werden.

Gerade wenn Studentengruppen unterwegs sind, an Wochenenden oder zu bestimmten Events, wird schon mal ordentlich gefeiert. Darüber kann man die Nase rümpfen, es ist aber ein elementarer Bestandteil der Kultur. Jeder Finne und viele Schweden haben ihre Geschichten von den Fähren zu erzählen. Unzählige Beziehungen wurde hier geschlossen, und mindestens ebenso viele gingen in die Brüche. Kleine und große menschliche Tragödien, Lustiges, Rührendes. Das ganz normale Leben halt.

Dann ist da die interkulturelle Komponente. Auf den Fähren treffen Schweden und Finnen aufeinander. Zwei Länder mit wechselvoller gemeinsamer Geschichte, unterschiedlichen Ideen, Vorurteilen. Das kann auch schon mal clashen.

Auf der anderen Seite sind die Fähren ein seltener echt zweisprachiger Ort. Finnland hat zwar zwei Amtsprachen, Finnisch und Schwedisch, aber die meisten Orte sind entweder-oder (wobei Finnisch klar überwiegt). An Bord sind beide Sprachen dagegen komplett gleichberechtigt.

Das ganze hat so viele Ebenen und Zwischentöne (die ich natürlich auch nur im Ansatz verstehen kann), dass man darüber ganze Bücher schreiben und Filme drehen kann. Darum wurde es selbstverständlich schon gemacht! Empfehlen kann ich den Roman „Hallonbåtsflyktingen“ von Miika Nousiainen sowie die sehr lustige Serie „M/S Romantic“.

Auch das sind die Schwedenfähren: Ältere Paare, die zu melancholischer finnischer Musik tanzen, gespielt von oft erstaunlich guten Bands. Das sind die Momente, die mir ans Herz gehen und wo ich denke: hier bin ich richtig.

Also, wer sich mal fühlen möchte wie in einem Film von Aki Kaurismäki, sollte nach diesen Orte auf der Fähre Ausschau halten.

Hier noch ein kleiner musikalischer Eindruck, damit endet der Einschub zu den Fähren.

Und so ging es mit meiner Reise weiter. Mein Zug aus Stockholm endete vorzeitig in Malmö. Also schnell vom Kopfbahnhof zum unterirdischen Bahnhofsteil gewechselt und in den erstbesten Öresundståg nach Kopenhagen gehüpft. Leider hat dieser Verspätung und ist proppenvoll, mit meinem Anschluss in Kopenhagen wird es eng.

Aber first things first: Hallo Europa 👋

In Kopenhagen geht dann doch alles gut, auch weil ich weiß, dass es eine Bahnsteigunterführung gibt, die oft übersehen wird. 2 Minuten vor Abfahrt steige ich in den IntercityLyn der Dänischen Bahn nach Odense. Reservierungen braucht man in Dänemark nicht, es ist ein sehr gutes Interrail-Land.

Von der Fahrt nach Odense kriege ich nichts mit, weil ich für meine Follower auf Mastodon einen Reise-Thread schreibe 🙃 Ein Dänemark-Klischee-Bild gelingt mir aber doch.

Moment mal, Odense? Warum eigentlich Odense…?

Natürlich hätte ich die Wartezeit auf den EC nach Hamburg auch in Kopenhagen rumbringen können. Aber das ist ja langweilig. Ich versuche immer, die Gelegenheit zu nutzen, anderen Orten in Dänemark einen kurzen Besuch abzustatten.

Im Moment steht Odense hoch bei mir im Kurs. Nettes Städtchen! Außerdem gibt es im Bahnhof ein Thai-Buffet, wo man unkompliziert und lecker essen kann 😋

Noch ein Pluspunkt für #Odense: Die Stadt hat sich unlängst mit einer Tram beschenkt, und die macht auf mich einen sehr guten Eindruck.
Einfahrt Eurocity nach Hamburg, wir gehen rein! Eigentlich habe ich irgendwo anders einen Platz reserviert (heute und morgen noch freiwillig, ab dann Reservierungspflicht), aber an diesem leeren Abteil kann ich natürlich nicht vorbeigehen. Zumindest bis Kolding bleibe ich allein, dann steigen drei Teenies ein. Ich weiß jetzt wenigstens, dass Snapchat immer noch ein Ding zu sein scheint.
Ansonsten: Dänemark vor dem Fenster. Brücken, Wasser, Grün, ein paar sanfte Wellen in der Landschaft. Gefällt.
Solange der Zug in Dänemark ist, läuft ein Verkäufer von 7eleven mit Snacks und Getränken durch den Zug. Nett. Über den Geschmack des Instant-Kaffees hüllen wir aber besser den Mantel des Schweigens.
Ich habe verdrängt, wie grauenvoll das deutsche Handynetz ist 😵‍💫
@sebwilken hmm ja, im Vergleich zu einigen Ländern ist es schlecht, aber es geht auch schlechter. Deutschland holt gut auf, bzw. die Telekom holt gut auf, bei welcher du ha auch bist. Manchmal ist es hilfreich eine anderer Simkarte zu nutzen, also bspw. die finnische.
Im ICE ist auch oft besser, dass WLAN da ist schon ziemlich gut, wobei es da auch noch Lücken gibt.
@utzer Ich hab beide SIM-Karten an. An der Strecke (Padborg–Hamburg) ist es aber auch besonders schlimm. Die Kids in meinem Abteil waren auch nur am Fluchen.