Meine Deutsch-Israelische Partnerin:
"Ich mache mir Sorgen, wenn die jetzt davon reden, Leute zu deportieren, die ihnen nicht in den Kram passen"
Ich "Ja, aber ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Deutschen das komplett anders sieht und der Rechtsstaat das zu verhindern weiß."
Sie: "Hat meine Großmutter damals auch gedacht."
Point taken. Wir können es uns nicht mehr erlauben, den Diskurs mit Feinden der Verfassung auf Basis einer toleranten Diskussion zu betreiben.
@DonDahlmann Ja, sicher. Das Problem dabei: Nicht die linken werden darüber "entscheiden", ob der Faschismus wiederkehrt. Es werden die Konservativen sein. Und im Moment muss man wirklich bezweifeln, ob es dort jemals wirklich eine Brandmauer gab. Es ist erschütternd, wie selbstverständlich die Neue Rechte (s. z.B. VDS) mittlerweile öffentlich "tanzt", und die CDU/CSU weiterhin Die Grünen für die polit. Hauptherausforderung des Landes hält.
@DonDahlmann Z.B. ist der aktuelle Bauernprotest vor allem ein von CDU/CSU orchestrierter Versuch, das mittlerweile erbärmlich geschrumpfte Lager der links-ökologischen einzuschüchtern. Wer wie ich erlebt hat, wie 50 Bauern über 10h in einer Innenstadt mit schweren Treckern und Luftschutzsirenen Kreise gezogen haben, findet das nicht mehr "normalen" Protest. Das ist Einschüchterung - wohl wissend, dass in der Innenstadt grün gewählt wird.
@DonDahlmann Dieser Stilverlust - der gegen grün geduldet und selbst von der SPD goutiert wird (der SPD-OB hat sich parallel solidarisch erklärt, als sei der nicht zum Gutteil von den so eingeschüchterten in sein Amt gewählt worden), lässt schlimmes befürchten. Es normalisiert sich in den letzten Jahren maßloses zur Durchsetzung selbst eher lächerlicher persönlicher Vorteile. Der Unterschied zur Bewertung von LG ist frappant. Hier ist etwas weggerutscht, das sehr gefährlich ist.
@DonDahlmann Was zu tun ist? Ich weiß es nicht. Was will man machen als Linker in einem Land, das in großen Teilen immer reaktionärer wird? In meiner Stadt gibt es mittlerweile Stadtviertel mit fast 50% AfD-Wählern. Kaum 1km weg von mir. Die wissen, was sie tun und was sie wollen: Uns Linke zumindest politisch "entsorgen" - und damit alles ihnen Fremde gleich mit. Lauf ich durch das Viertel, sehe ich natürlich sozialen Wohnungsbau. Aber ich sehe eben genau das: Sozialen Wohnungsbau.
@DonDahlmann Natürlich ist die Veränderungsgeschwindigkeit nach 2015 auch bei mir in der Provinz groß, dass einem die Stadt fremd werden kann. Und diese Veränderung spielt sich vor allem in diesen Vierteln ab (s. soz. Whgbau). Aber 50% AfD deswegen? Echt jetzt? Das ist die Aufkündigung von Gemeinschaft - wobei ich annehme, dass die so "Kündigenden" schon seit längerem keine Gemeinschaft mehr mit der Stadtmitte empfinden.
@DonDahlmann Und ich habe tatsächlich den Eindruck, dass immer mehr in Deutschland "kündigen" oder bereits "gekündigt" haben. Wenn ich aber kündige, dann bin ich weg. Dann will ich was anderes. Dann bin ich erst wieder zufrieden, wenn ich etwas anderes habe. Dann will ich meine Maximalforderungen erfüllt wissen. Dann bin ich kompromisslos hart. Und auch wir Linken müssen hier aufpassen, denn ich spüre auch bei mir langsam erste Kündigungstendenzen - aus anderem Grund, aber ja, sie sind da.
@DonDahlmann Denn wie geschrieben: Wie weiterleben als Linker in einem zunehmend reaktionären Land? Scholz, Habeck, Lindner versemmeln gerade vielleicht die letzte links-liberale Chance in meinem Leben. Danach kommen mind. 16 Jahre Kohl 3.0 - Kohl auf speed mit AfD und wenig zum verteilen. Kämpfen, wenn die Mehrheit offenbar genau das will? Nur noch Rückzugsgefechte um den Erhalt von Solidarität und Liberalität führen? Es wird echt dunkel derzeit.