In einer Podiumsdiskussion des Falter über die Verhältnismäßigkeit der #COVID19 Pandemiemaßnahmen durfte Kurt Langbein das tun, was er seit ca. April 2020 immer wieder tut: den schwedischen Weg loben.

Er erwähnte dabei nicht, dass im soziokulturell am ehesten mit SWE vergleichbaren Norwegen
▫️zweieinhalb Mal weniger Menschen an COVID-19 gestorben sind, wobei in SWE v.a. in der Anfangszeit in Pflegeheimen auf Tests verzichtet wurde.

Und erwähnt nicht ein immerhin im Nature-Verlag erschienenes Paper von 2022, in dem schwedische Wissenschaftler:innen den "schwedischen Weg" analysieren.
Sie beschreiben u.a., wie
▫️wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert wurden
▫️der Bevölkerung absichtlich über asymptomatische Übertragung, Aerosole und Masken im Unklaren gelassen wurden
▫️Bewohner von Pensionisten- und Pflegeheimen Opiate für ein leichteres Sterben statt Sauerstofftherapie erhielten
▫️Dokumente nachträglich geändert oder gelöscht wurden, um das eigene Handeln in einem besseren Licht erscheinen zu lassen.

Das sind Aspekte des schwedischen Wegs, die Langbein nie erwähnt.

https://www.nature.com/articles/s41599-022-01097-5

Evaluation of science advice during the COVID-19 pandemic in Sweden - Humanities and Social Sciences Communications

Sweden was well equipped to prevent the pandemic of COVID-19 from becoming serious. Over 280 years of collaboration between political bodies, authorities, and the scientific community had yielded many successes in preventive medicine. Sweden’s population is literate and has a high level of trust in authorities and those in power. During 2020, however, Sweden had ten times higher COVID-19 death rates compared with neighbouring Norway. In this report, we try to understand why, using a narrative approach to evaluate the Swedish COVID-19 policy and the role of scientific evidence and integrity. We argue that that scientific methodology was not followed by the major figures in the acting authorities—or the responsible politicians—with alternative narratives being considered as valid, resulting in arbitrary policy decisions. In 2014, the Public Health Agency, after 5 years of rearrangement, merged with the Institute for Infectious Disease Control, with six professors leaving between 2010 and 2012 going to the Karolinska Institute. With this setup, the authority lost scientific expertise. The Swedish pandemic strategy seemed targeted towards “natural” herd-immunity and avoiding a societal shutdown. The Public Health Agency labelled advice from national scientists and international authorities as extreme positions, resulting in media and political bodies to accept their own policy instead. The Swedish people were kept in ignorance of basic facts such as the airborne SARS-CoV-2 transmission, that asymptomatic individuals can be contagious and that face masks protect both the carrier and others. Mandatory legislation was seldom used; recommendations relying upon personal responsibility and without any sanctions were the norm. Many elderly people were administered morphine instead of oxygen despite available supplies, effectively ending their lives. If Sweden wants to do better in future pandemics, the scientific method must be re-established, not least within the Public Health Agency. It would likely make a large difference if a separate, independent Institute for Infectious Disease Control is recreated. We recommend Sweden begins a self-critical process about its political culture and the lack of accountability of decision-makers to avoid future failures, as occurred with the COVID-19 pandemic.

Nature
@docjosiahboone Dieses "Whitewashing" von negativen Konsequenzen von politisch-gesellschaftlichen Entscheidungen, während diese in die Welt exportiert werden sollen, macht Schweden auch beim "Nordischen Modell" und es desillusioniert alles meine Vorstellung von Skandinavien ziemlich.
@larsmb Ja. Ich bin ja mit dem Bild von Schweden als sozialdemokratischem Paradies aufgewachsen. Dieses Paradies hat in den letzten Jahren und erst recht ab 2020 ziemliche Risse bekommen.
@docjosiahboone ich stimme natürlich dem Misstrauen gegenüber KL schon auch aus eigenem Hören in der Vergangenheit völlig zu. -- Es gibt aber eine, scheinbar vertrauenswürdige Seite, die mit Zahlen kommt, die mich -ohne nähere Einordnung, die nicht kriegen konnte- vor 2 Monaten etwas verunsichert haben: der Economist (update 18 Nov, https://www.economist.com/graphic-detail/coronavirus-excess-deaths-estimates ) berechnet für SWE/GER/AUT excess deaths 2020-jetzt als 190-200/310-320/320-330. Auch der direkte Vergleich SWE/AUT ist für uns nicht gut.
The pandemic’s true death toll

Our daily estimate of excess deaths around the world

The Economist
@docjosiahboone Damit will ich nur sagen, dass ich diese Zahlen nicht einordnen kann, ich die aber nicht ganz ohne weiteres wegwischen möchte. Meine riesige Skepsis gegenüber KL bleibt natürlich vollständig erhalten (ich hab mir den Podcast wegen diesem Misstrauen gar nicht erst angehört). Wenn Du Hinweise zu den Vergleich der Economist & OurworldinData Seiten hättest, würde mich das interessieren. -- Schöne Grüße und wie immer: Danke auch für den Post über den Falter Podcast!
@docjosiahboone Our world in data (das ich immer für eine sehr vertrauenswürdige Quelle angesehen habe) https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&region=Europe&country=USA~GBR~CAN~DEU~ITA~IND&pickerSort=asc&pickerMetric=location&Metric=Excess+mortality+%28estimates%29&Interval=Cumulative&Relative+to+Population=true&Color+by+test+positivity=false hat ähnliche Daten für SWE/GER/AUT: 188/305/320, und auch der direkte Vergleich mit NOR (172) und FIN (279) ist kaum/nicht nachteilig für Schweden.
(Wenn KL mit diesen Daten kommt, habe ich momentan nicht viel zu erwidern.)
COVID-19 Data Explorer

Explore global data on COVID-19.

Our World in Data
@docjosiahboone Der direkte Schweden/Norwegen Vergleich auf der Economist Seite gibt ein wenig mehr Aufschluss: Hierauf ist die verfehlte Politik in SWE am Anfang der Pandemie m.E. sehr deutlich. Allerdings hat sich das gegenseitige Verhältnis danach wieder ziemlich ausgeglichen ... und nun wäre es halt gut davon die Ursachen zu verstehen. (Unnötig zu sagen, dass ich einer der Giesecke-Vorhersage entsprechenden Erklärung skeptisch ggü. bin. Trotzdem wäre genaueres epidemiolog. Hinschauen nötig.)

@clegra Wenn ich etwas zu solchen Statistiken gelernt habe, dann ist es, dass sie immer noch komplexer und unverständlicher werden, je größer der Zeitraum ist. Der große Michael Osterholm weist wieder und wieder darauf hin.
Aber der Schwedische Weg war in den ersten Monaten der Schwedische Weg. Danach unterschieden sich die Maßnahmen im Gesetzes- bzw. Verordnungstext, aber nicht in den faktischen Auswirkungen. Irgendwann gab es eine Mobilitätsstudie mit Google-Daten, laut der es in SWE in der zweiten großen Welle im Herbst 2020 weniger persönliche Treffen gab als bei uns in Ö. Obwohl wir einen Semilockdown hatten, die nicht. Der Lockdown bei uns sorgte für geschlossene Schulen und Gasthäuser, wobei letztere offenbar reichlich umgangen wurden. In OÖ, Stmk etc schossen die Todeszahlen deshalb weit über die in der Metropole Wien hinaus.

Im Strigency Index war Schweden zudem über weite Strecken ähnlich streng bzw nach der ersten Welle sogar strenger als Ö, und da überholten wir Schweden bei den Todeszahlen rasch (Achtung, unterschiedliche Skala der Y-Achse!).

@clegra Warum SWE im Verlauf anscheinend weniger Expected Deaths als COVID-Todesfälle hatte - was so mWn in keinem anderen Land der Welt der Fall war, weiß ich auch nicht.
Aber siehe Micheal Osterholm oben.
@docjosiahboone @clegra aber Schweden hat(te) doch zumindest erschreckend hohe Zahlen an Long Covid -Betroffenen, speziell bei jungen Menschen...
@barbaramaria @clegra
Ja, so liest man. Wäre auch alles andere als überraschend. Aber ich kenne keine validen Zahlen dazu.
@docjosiahboone Danke auch für den aktuellen Blog dazu, hab ihn gerade gelesen!! Ich hab mir den Podcast zum Falter-Event noch nicht angehört (aus Sorge, mich sehr ärgern zu müssen). Hätte nur eine kurze Frage dazu: haben Sie den Eindruck, dass für die Besucher im Stadtsaal die Argumente von Langbein überwogen haben? Wurden die nicht entkräftet?😞
@barbaramaria
Ich war nicht dort, habe den Podcast gehört. Den wollte ich aber nicht verlinken.
@docjosiahboone Ok, danke. Alles klar. Scheint also insgesamt nicht erfreulich gewesen zu sein.😞
@barbaramaria
Brynx war sehr gut und auch Anschober hielt sich gut. Aber gegen Pauschalbehauptungen ist man immer auf verlorenem Posten.