Da wollte ich meinen Kindern (22, 13) mal wieder beweisen, wie toll eine anarchistisch organisierte Gesellschaft wäre. Also habe ich mit ihnen Siedler von Catan gespielt. Wir haben die größtmögliche Karte aufgebaut und folgende neue Regeln eingeführt:

  • Das gemeinsame Ziel ist es eine blühende Gesellschaft mit Städten und Metropolen aufzubauen.
  • Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Wenn keine Einigung erreicht werden kann, entscheidet die Mehrheit.
  • Man darf nur mit demjenigen Handel treiben, mit dem man mit einer Staße verbunden ist.
  • Die erste Konsequenz war: der Räuber ist überflüssig. Der steht nur noch in der Wüste. Man will ja nicht das gemeinsame Ziel (Regel 1) gefährden. Das macht wiederum die Ritter und die Stadtmauern überflüssig. Das spart natürlich Rohstoffe.

    Innerhalb kürzester Zeit konnten wir so oben abgebildete Gesellschaft aufbauen. Abstimmen mussten wir nie, wir waren uns immer einig. Eigentlich hätten wir alle die selbe Farbe spielen müssen. Das ging aber wegen der Anzahl der Holzteile nicht. Deswegen ist oben alles bunt und quer gebaut. Aber das passt ja umso besser zum Thema.

    Ebenfalls interessant war die Tatsache, dass sich auch die Aufgaben von alleine verteilt haben. Mein Sohn und ich haben über immer neue Straßen und Siedlungen neue Rohstoffe erschlossen und erwirtschaftet. Alle übrigen Gewinne haben wir sofort der Tochter gegeben. Diese hat, wenn sie dran war nach und nach die Städte und Metropolen errichtet.

    Kurzum: Was ich beweisen wollte, konnte ich beweisen. Wir hatten alle drei viel Spaß und haben alle drei gewonnen. Keine Verlierer. Die Welt könnte so schön sein.

    #Anarchie #Gesellschaft #Utopie #Zusammen #Siedler #siedlervoncatan #foto #mywork #cc-by-sa #spiel #gesellschaftsspiel #papasein #Erziehung

    Erst einmal danke euch allen für das Feedback. Leider muss ich heute noch arbeiten. Wenn ich mehr Zeit habe, werde ich das alles in Ruhe lesen.😊

    Hallo, jetzt habe ich Zeit!😀

    Zuerst noch einmal Danke für das tolle Feedback an euch alle. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Post so eine Resonanz findet. Zuerst einmal: die Idee kam mehr oder weniger spontan. Zum einen wollte ich etwas mit den beiden Kindern spielen, zum anderen habe ich solche Spiele, wo jeder gegen jeden spielt, so langsam satt. Da braucht man sich ja nicht zu wundern, wie die Welt aussieht, wenn man bereits beim Spielen dazu erzogen wird, immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein. Auch hatte ich den Eindruck, dass die Kleine (12) eigentlich gar nicht spielen wollte, eben weil sie keine Lust hatte ein Spiel zu verlieren.

    @gf
    Super Idee!
    Im realen Leben wird es meist halt dann spannend, wenn einer nicht mehr so viel beitragen kann / oder nicht mehr das, was er bisher beigetragen hat.
    Oder wenn Ressourcen (zu) knapp werden.
    Oder einfach Hindernisse auftauchen, die unterschiedlich wahr genommen oder priorisiert werden.
    @Chaotica @gf Finde die Idee ebenfalls gut und spannend. Gibt sogar wissenschaftliche Studien dazu (Spieltheorie). Das funktioniert meist sehr gut im kleinen Kreis, in dem sich auch noch alle persönlich kennen. Was aber, wenn der Kreis sehr viel größer wird? 100 Spielerinnen, 1000, 1. Mio oder mehr? Dann braucht es Mehrheitsentscheidungen und was passiert dann mit denen, die dem nicht zustimmen? Werden die Interessen der Minderheiten noch genügend berücksichtigt? Wer übernimmt dann die Organisation und unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen? Was, wenn Spielerinnen sich etwas mehr abzwacken oder Regeln missachten? Wer übernimmt die unangenehmen/langweiligen Aufgaben, die niemand übernehmen möchte? Usw.

    Je nach Regelwerk und Umfang des Spiels, kann das sehr komplex und konträr werden und am Ende stehst du vor den gleichen Aufgaben und Schwierigkeiten, wie sie jede Demokratie zu bewältigen hat.

    Die Regeln sind also mehr oder weniger spontan entstanden und sicher ausbaufähig. Aber ich denke, dann wäre es eh ein völlig neues Spiel. Wenn man nach meinen abgeänderten Regeln spielt, ist es eigentlich von vorneherein klar, dass das gemeinsame Ziel erreicht wird. Die Frage ist nur, wann. Man müsste also einen Haufen Zufälle einbauen (gute wie schlechte), man müsste sich die Frage stellen, wie funktioniert das mit mehreren Spielern und so weiter und so fort. Vielleicht kennt jemand so ein Spiel und mag es mir empfehlen? Gerne auch (Rollen-) Spiele welche, die man in einer größeren Gruppe (Schulklasse) spielen kann.

    @ceelight @OchMensch @gf
    Wenn es um mehr als um ein Spiel geht, unterwerfen sich Menschen nicht einfach Entscheidungen, selbst dann nicht, wenn sie der Art der Entscheidungsfindung vorher zugestimmt haben.

    Die große Masse tut dies. Mache ja selbst ich in manchen Bereichen. Natürlich gibt es immer ein paar, die Krawall machen, aber das ist in unserer Sozialdemokratie ja auch so.

    @OchMensch @ceelight @gf
    Was man auch bedenken muss: längst nicht jeder Mensch MAG es, eigene Entscheidungen treffen zu müssen!

    Es muss ja keiner wählen/abstimmen. Nichtwähler sind nichts neues.

    @Chaotica @OchMensch @gf Naja, weiß ja nicht. Machen wir ja hier in unserer Demokratie auch. Wir können protestierend Einfluss nehmen, aber schlussendlich entscheiden die, die wir gewählt haben. Ist ja ähnlich,

    Das empfinde ich als einen entscheidenden ebenfalls Nachteil an unserem politischen System: zumindest auf Bundesebene gibt es für den Bürger, außer den Wahlen keine Möglichkeit auf den Gesetzgebungsprozess einzugreifen. Eine direkte Demokratie kann dem Abhilfe schaffen. Dann würden sich die Menschen auch mehr respektiert, wenn sie direkt entscheiden können und ihre Entscheidungen anschließend verbindlich sind. Auf Landes- und Kommunalebene funktioniert es ja auch.

    @ceelight @Chaotica @gf Wäre eine Idee, aber würde die Mehrheit das wirklich akzeptieren? Ich bezweifle das. Es könnte ja auch eine Minderheitsmeinung sein, die deinen Interessen, Zielen, Einschätzungen und Ansichten komplett widerspricht.

    In einer Demokratie respektiere ich das Abstimmungsergebnis immer (Bei fast jeder Wahl wähle ich die Verlierer.😥). Um zu verhindern, dass Minderheiten anderen ihren Willen aufzwingen, gibt es Quoren. Ein Quorum bestimmt, wie viele Menschen mindestens an der Abstimmung teilnehmen müssen, damit sie überhaupt gültig ist. So erreicht man, dass die Frage, über die abgestimmt wird, überhaupt eine gesellschaftliche Relevanz hat. Ansonsten haben wir ja in Deutschland die Verfassung, in der die Grundrechte festgeschrieben sind. Da dort steht, dass "die Würde des Menschen unantastbar ist", haben wir in hier sogar die Gewissheit, dass keine absolut dummen Gesetze von Bürgern erlassen werden können. So ist es ja in der Schweiz geschehen. Die haben tatsächlich ein Minarettverbot beschlossen. Das wäre in Deutschland undenkbar.

    @OchMensch @Chaotica @gf Ja, das Konzept hat seine Schwächen, da halt auch absehbar ist, wer als nächstes entscheiden darf (Minderheit/Mehrheit). Dann muss Kollege Zufall (das Los) entscheiden.

    Das verstehe ich nicht.🤔 Es entscheiden immer alle, die wahlberechtigt sind und wollen. Da muss kein Zufall entscheiden.

    So, wer bis hier gelesen hat, hat noch ein Dank verdient. Danke fürs Zuhören!

    Minderheiten sind in so einer Gesellschaft insofern geschützt, als sie sich ausleben können und dürfen. Die oberste Regel lautet für mich, alle Menschen sind gleich. Die Würde des Menschen ist unverletzlich. Die Vielfalt ist ja gerade die Stärke. In so einer Gesellschaft wiegt im Zweifel das Wohl der Gesellschaft mehr, als das Recht des Einzelnen. Der Einzelne ist dadurch aber nicht in seinen Freiheiten beschränkt. Anarchie ist immer Freiheit in Solidarität.
    @gf Viel Liebe dafür ❤
    @gf Gähnau, vor allem weil sich die Räuber und Ritter selbstverständlich kampflos "aus dem Spiel" nehmen lassen.

    @gf

    Ich spiel Siedler auch immer nur kooperativ :)

    @gf Wie geht Minderheitenschutz in so einer Gesellschaft?