Das OABB ist heute auch in Jena vor Ort bei der Tagung:

"Wissenschaftliche Publikationskulturen im Zeitalter von Open Access - Datenkontrolle, Reputationswettbewerb und die Kommerzialisierung wissenschaftlichen Publizierens aus Sicht der Fächer"

Los geht es mit dem ersten Panel zu den spezifischen Publikationsformen und -erfordernissen in Soziologie, Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften

Vollständiges Programm unter: https://www.thulb.uni-jena.de/services/forschung-/-lehre/open-access-/-elektronisches-publizieren/oa-tagung

ThULB Jena - Thüringer Universitäts und Landesbibliothek

ThULB Jena

Ute Volkmann (Uni Bremen) erläuterte die spezif. Kommunikationserfordernisse der deutschen Soziologie und hob die Rolle von Distribution, Selektion und Strukturierung als wesentlich für das Fach hervor.

Georg Fischer @gf @oaberlin skizzierte das rechtswissenschaftliche Publikationsregime, insbesondere des besonders finanzstarken juristischen Praxisbereichs.

Stephan Pühringer (JKU Linz) erläuterte die starke Orientierung der Wirtschaftswissenschaften v.a. an Rankings und Wettbewerbslogiken.

Nach der Mittagspause geht es weiter mit dem nächsten Panel:

Geisteswissenschaften: Wie sehen die Publikationskulturen in der Kunstgeschichte, den Digital Humanities und der Philosophie aus? Was sind Hemmschuhe bei der Durchsetzung von Open Access?

Diesen Fragen gehen nun Johannes Grave, Caroline Jansky und Petra Gehring in ihren Vorträgen nach.

Im Panel wurde deutlich, wie verästelt und spezifisch die einzelnen Disziplinen sind. Und wie unterschiedlich die Anforderungen sind, die sich an die jeweiligen Begutachtungs- und Publikationssysteme richten.

Die Gemeinsamkeit: Transformationsprozesse sind zeit- und ressourcenintensiv. Selbst bei eindeutigen (technischen) Vorzügen dauert es in der Regel Jahre bis Jahrzehnte, bis sich die Publikationsgewohnheiten eines Fachs nachhaltig und in der Breite umgestellt haben.

Der Nachmittag schreitet voran: Das nächste Panel dreht sich um #OpenAccess in den Lebenswissenschaften und MINT:

Susanne Müller-Knapp (Goethe-Universität Frankfurt/Main) über das Publizieren in der Chemie zwischen Akademie und Industrie

Ursula Arning (TH Köln, ZB MED) und Jasmin Schmitz (ZB MED) über die Rolle von Open Access in der medizinischen Forschung

und Ulrike Krämer (Universität Lübeck) über die Anforderungen, die sich in der Psychologie stellen

Das letzte Panel für den heutigen Tag schließt an das vorherige an. Für die Physik sprechen Martin Kirchner (Uni Halle) und für die Mathematik Daniel Mietchen vom @fiz_karlsruhe

Insgesamt zeigte der Nachmittag, dass publikatorische Umbrüche durchaus rasch kommen können, wenn man geschlossen an einem Strang zieht und/oder Gelegenheiten günstig sind.

Dafür waren die Vorträge zum Preprint-Server #arXiv oder der Umzug der ex-Elsevier-Zeitschrift #NeuroImage eindrückliche Beispiele.

Je mehr Parteien sich abstimmen und über die eigenen, oft nur impliziten Publikationsgewohnheiten verständigen müssen, desto zäher und langatmtiger gestalten sich die Prozesse.

Oder anders formuliert: Je höher die Uneinigkeit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, desto einfacher bleibt es, beim bestehenden System zu bleiben oder zumindest auf dem existierenden Pfad zu bleiben.

Weiter geht's an Tag 2, der "Übergreifende Perspektiven" zu wissenschaftlichen Publikationskulturen und #OpenAccess in den Blick nimmt.

Im ersten Panel sprechen

- Niels Taubert (UB Bielefeld) zu "Einflussfaktoren des Open-Access-Profils an deutschen Universitäten",

- Kristine Hillenkötter (SUB Göttingen) über "Nationale OA-Verträge"

- und Benjamin Seyd (Universität Jena) behandelt das Thema "OA-Management in etablierten Zeitschriften"

Die Vorträge unterstrichen mit qualitativen + quantitativen Daten: Open Access reift stetig zur Standardform des Publizierens heran, aber mit erheblichen Unterschieden, zB in Geschwindigkeit & Nachhaltigkeit, Lizenztypen & Graden der Offenheit, Finanzierungsstrukturen, Verlagsbindung, Impact-Faktor etc.

Das macht die Analyse komplex. Für den Austausch der Perspektiven musste teils erst eine gemeinsame Sprache gefunden werden. Dafür eine Plattform zu stellen ist ein großes Verdienst der Tagung.

Das zweite Panel beginnt!

Nun geht es um "Systemeigene Alternativen (Diamond Journals)", die Thomas Stäcker von der UB Darmstadt) präsentiert;

um "Open Publishing von Konferenzproceedings", vorgestellt von @StefanSchmeja @tibhannover

sowie um "Monografien im Open Access", die Dagmar Schobert von der UB der @tuberlin erläutert.

Sehr klar wurde dabei: Die wissenschaftlichen Bibliotheken stehen fest an der Seite der Forschenden. Sie beraten adäquat und fallbezogen, und unterstützen gerne bei Veröffentlichungsentscheidungen sowie bei rechtlichen Fallstricken.

Und: Bibliotheken treiben die Diskussion um neue Formen der Forschungsbewertung aktiv voran und loten neue, alternative Wege. Das ist wichtig, weil das die Disziplinen aufgrund innerer Beharrungskräfte nicht (immer) leisten können (oder wollen).

Nach der Mittagspause beginnt das finale Panel der Konferenz.

Mit @MartinReinhart vom Berliner Merton-Zentrum für Wissenschaftsforschung zur Funktion von #PeerReview,

mit Anne K. Krüger vom @Weizenbaum_Institut zu Forschungsinformation und #Datenkontrolle

sowie mit Sabine Leonhard-Marek von der Bibliothek der TiHo Hannover zu Forschungserfolgen und Zitationsmetriken.

@openaccess Interessantes von Niels Taubert: Hauptsächlich ausschlaggebend für den OA-Anteil einer deutschen Uni ist das disziplinäre Profil, weitaus weniger die Existenz eines Publikationsfonds, andere Infrastrukturen und Services haben keinen Einfluss.