Eigentlich denke ich,dass in Deutschland durch Medizin dominiertes Gesundheitswesen deutlich umgestaltet werden soll und damit verbunden Krankenhausbehandlungen deutlich reduziert werden sollen, weil sie immer häufiger mehr schaden, als sie wirklich Lebenszeit und Lebensqualität schenken.

Aber..... (1/x)

Das ist aus einem Spiegelartikel aus 1961!
Bis heute hat sich kaum etwas geändert. Die Strukturen im Gesundheitswesen sind wie in Stein gemeißelt.

Übrigens dies ist mMn diskriminierende Sprache.

Patient*innen blockieren keine Betten! Sie nehmen Ressourcen in Anspruch, die vielleicht dafür nicht erschaffen sind, aber niemand legt sich in ein Krankenhausbett, weil es so schön ist.

Und das ist aber genau das,was die aktuelle Reform erzeugt.
Krankenhäuser werden Orte an den Spitzenmedizin betrieben wird und Pflege wird als etwas,was nebenbei passiert weiter laufen.
Menschen mit komplexen Pflegebedarfen werden noch schärfer bestraft.Denn Strukturen für eine hochwertige pflegerische Versorgung werden weiterhin fehlen.
Ich arbeite für kommunalen Träger,wir dürfen uns Maximalversorger schimpfen und steuern Level "viel medizinisches Drama" an.Momentan sind auf meiner Station 2 wohnsitzlose Patient*innen,bei den Pflegebedürftigkeit neu aufgetreten ist.
Der Aufenthalt in der Klinik hat nach paar Tagen guter Pflege kaum noch medizinischen Bedarf.Und er ist unglaublich teuer und durch Reform gefährdet.
Wenn wir aber Level "Drama" sein wollen,dann werden wir diese Patient*innen entweder gar nicht aufnehmen können oder eben sehr schnell einfach entlassen oder in Level "weniger Drama,weniger Geld,weniger Qualifikation" verlegen.
Eventuell kilometerweit.Und diese Krankenhäuser werden aber schlechter finanziert.Also werden sie auch weniger Ressourcen haben,die Patient*innen durch den GesundheitswesenDschungel zu lotsen.
Das Bild der heteronormativen Familie mit Mann,Frau,2 Kinder und Hund,Reihenhaus ein großes und ein kleines Auto hat ausgedient.So funktioniert die Welt eben nicht.Nicht mal bei Prinzessin Elsa.
Unsere Patient*innen kommen ohne Kleider,haben keine eigene Zahnbürste,ausgehungert und in der Regel ohne soziales Netz.
Immer häufiger auch ohne jegliche Bekanntschaften.
Mein Klinikum kann sich noch paar Monate Humanismus leisten,so bleiben die Patient*innen bei uns,bis Betreuung und Heimunterbringung oder engmaschig Pflegedienst gefunden ist.Das wird aber nicht lange gehen.Der Rest ist durch Charity der #Pflege auf Station erledigt.
Charity bedeutet,von dem Geld,was uns Pt*innen als Trinkgeld geben,gehen wir abwechselnd in dm und kaufen Kosmetika,bei Diakonie im Laden oder e-bayKA Kleiderspenden.Waschpulver,damit wir per Hand Wäsche waschen können,weil keine Waschmaschine füt Pt*innen vorhanden.Teilweise ist Aufenthaltsdauer über 6 Wochen.
Ich möchte dafür keine Lorbeeren,keinen Sticker.Wir machen es,weil wir es können und nicht als Besonderheit,sondern als ein Minimum der Menschlichkeit.
Weil einfach alle das nicht verantworten wollen,wegzuschauen.
Weil davon niemandem von uns etwas fehlt.
Und wenn Reform bedeutet,dass wir das nicht mehr leisten können,dann werden wir nicht in diesem System bleiben.
Und auf der anderen Seite,möchte ich unbedingt hier Menschen dafür sensibilisieren,dass Aufrechterhalten von diesem Niveau nicht möglich ist,ohne Umstellung.
Langfristig ist die Erwartung an Medizin nicht zu erfüllen und Wegsehen von Pflege als Profession schädlich.
Was man machen kann?
-Überlegen was man von Gesundheitssystem möchte,welchen Beitrag man dafür leisten kann und möchte und mit wie vielen Menschen man konkurriert.
-Sich um Menschen kümmern,die um einen herum leben,auch wenn man mit ihnen sonst nicht viel zu tun hat.Nicht übermenschlich und heroisch,sondern einfach dafür sorgen,dass Mensch neben mir Grundbedürfnisse bedient bekommt.
@Publicenema Trotzdem: Respekt und Danke!
@Developmentdoc Das Schlimme ist,dass das Erfolge sind.Sie werden aber in der wirtschaftlichen Rechnung als Verluste verbucht,weil sie eben 2-3 Jahre anschaut.
Weil auch die Instrumente die für Risikoeinschätzung nicht in Wirtschaftlichkeit einberechnet werden.
Und ohne grundsätzliche Änderung wird es dann 100 Jahre Später darauf hinaus laufen: https://de.wikipedia.org/wiki/Lillian_Wald
Lillian Wald – Wikipedia

@Developmentdoc und wenn es so sein muss,dann nehme ich es auch so hin,bis wir besseren Weg haben.
Aber es macht mich traurig,dass offensichtlich Leid sehr ungleich verteilt ist und häufig im Stillen passiert und dass Menschen es nicht erkennen,dass bevor man Idealen nachgeht,vielleicht ein zivilisatorisches Minimum erst bewahrt werden muss.
Und das ist eben nicht das Gesetz des Stärkeren,sondern das Überwinden und Inklusion.
@Publicenema Wer zitiert sollte besser nicht auf Anführungszeichen verzichten.
@Haselnusstafel das verstehe ich nicht
@Publicenema Echt? Zitate kenntlich machen ist nicht geläufig? Wer den zweiten Post nicht liest, weiß nicht, dass es um ein Zitat und um ein ziemlich altes geht.