Wir gedenken des 35-jährigen Hans-Georg Jakobson, der heute vor 30 Jahren in der Nähe von Strausberg (Brandenburg) von Neonazis ermordet wurde. Die Tat ist bis heute nicht staatlich als rechtsextrem und sozialdarwinistisch motiviert anerkannt.

Über das Leben von Hans-Georg Jakobson ist leider wenig bekannt. Er ist gelernter Bäcker und Vater von zwei Kindern. Zum Zeitpunkt der Tat ist er arbeitslos und lebt vermutlich ohne festen Wohnsitz.

#KeinVergessen 1/5

Die drei Täter sind gewaltbereite Neonazis im Alter zwischen 18 und 20 Jahren. Sie planen, „jemanden aus der Bahn fliegen zu lassen“ und auszurauben.

Als sie die S-Bahn Richtung Berlin betreten, treffen sie auf den schlafenden Hans-Georg Jakobson. Nachdem sie seine Kleidung durchwühlen und nichts Wertvolles finden können, treten und schlagen sie auf ihn ein. 2/5

Hans-Georg Jakobson versucht vergebens, sich zu wehren, während die Täter ihn zur Bahntür schleifen und weiter auf ihn einprügeln. Zwischen Strausberg und Petershagen werfen die drei Neonazis ihn aus der fahrenden S-Bahn.

Hans-Georg Jakobson überlebt den heftigen Sturz und ruft um Hilfe. Einem S-Bahn-Fahrer kann er noch mitteilen, was geschehen ist.
Am nächsten Tag verstirbt er im Krankenhaus in Folge der schweren Verletzungen. Seine Familie erfährt erst Monate später von seinem Schicksal. 3/5

Im Januar 1994 werden die Täter wegen Mordes, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der mehrfach vorbestrafte Haupttäter wird wegen Mordes zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Die beiden Mittäter erhalten jeweils eine Haftstrafe von sechs Jahren.

Das Gericht thematisierte zwar das neonazistische Weltbild der Täter, blendete jedoch die Abwertung von wohnungs- und arbeitslosen Menschen als vermeintlich „minderwertig“ als Teil rechtsextremer Ideologie aus. 4/5

Zum 30. Jahrestag hat die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Märkisch Oderland eine Broschüre in Gedenken an Hans-Georg Jakobson veröffentlicht: https://horte-srb.de/broschuere-in-gedenken-an-hans-georg-jakobson-veroeffentlicht/

Heute findet ab 16 Uhr am Vorplatz des S-Bahnhofs Strausberg (Vorstadt) eine Gedenkkundgebung statt. 5/5

Broschüre in Gedenken an Hans Georg Jakobson veröffentlicht – horte