Österreichische Justizministerin verfasst Gesetzesentwurf in weiblicher Form und erntet dafür Kritik. Wie seht ihr das?

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Österreichische Justizministerin verfasst Gesetzesentwurf in weiblicher Form und erntet dafür Kritik. Wie seht ihr das? - Feddit

Oftmals wird ja argumentiert dass bei der maskulinen Form die weibliche miteinbezogen ist, umgekehrt aber regt es auf. Also kann es nicht ganz unbedeutend sein. Ich finde es einen spannend Denkansatz und die Reaktion zeigt dass darüber durchaus gesprochen werden muss.

“Die Verständlichkeit eines Rechtstextes ist ein großes Anliegen, Gendersternchen und Doppelpunkte könnten da schon irritieren”, sagt Bußjäger.

Der Zug ist schon lange abgefahren. Zumindest in Deutschland sind Gesetze i.d.R. so bekloppt umständlich und kompliziert formuliert, gerade so, als sei es den zuständigen Schreibern darum gegangen, dass es gerade keiner verstehen soll. Was da Gendersternchen noch für Schaden anrichten sollen, der nicht schon lange existiert, entzieht sich meinem Verständnis.

Behörden sollten sich an das amtliche Regelwerk des Rates für deutsche Rechtschreibung halten. (siehe Geltungsbereich) Und da gibt’s keine Sonderzeichen mitten im Wort.

Was Privatpersonen oder Unternehmen tun, ist deren Sache.

1 Geltungsbereich der neuen Rechtschreibregelung

grammis ist ein Informationssystem zur deutschen Grammatik und präsentiert aktuelle Forschung zu Syntax, Morphologie und Semantik sowie Wörterbücher, Bibliografien und linguistische Datenbanken.

Mir wäre neu, dass sich die Republik Österreich auf deutsche Gesetze stützt.

Für das Argument von @[email protected] ist es auch nachrangig.

@UpperBroccoli - Feddit

Mir wäre neu, dass sich die Republik Österreich auf deutsche Gesetze stützt.

Der Rechtschreibrat ist eine zwischenstaatliche Institution, die unter anderem auch von Österreich beauftragt wurde. (Quelle)

Der Rat

Das stimmt, da lag ich falsch.

Hier finde ich wichtig, was die Aufgaben des Rates sind: www.bmbwf.gv.at/Themen/…/rechtschreibung.html

Zu den langfristigen Aufgaben des Rates zählen unter anderem die Beobachtung der Entwicklung der Sprachpraxis und des Schreibgebrauchs sowie sie Weiterentwicklung des ortografischen Regelwerks im notwendigen Umfang.

Die staatlichen Organe haben durch ihre Praxis normativen Charakter. Wenn nun die Regelungen von 2006 des Rechtschreibrates absolutistisch umgesetzt werden, dann kann der Rat garnicht mehr seine Aufgabe, nämlich “Beobachten und Regelungen an die Realität anpassen” wahrnehmen. Denn durch die normative Macht wird dann umgekehrt “Eingreifen und jede Änderung verhindern” draus.

Das ist für die Sprache jedoch hochgefährlich, denn Sprachen, die sich nicht verändern, sind tote Sprachen, und es kann nicht im Sinne des Rates oder der Regierungen sein, die deutsche Sprache zu töten.

Es ist für mich auch fraglich, ob 17 Jahre, bzw. 25 Jahre nicht auch so langsam das Ende des aktuellen Regelungszyklus sind, und es Zeit für eine Anpassung wird. Immerhin hat sich in den letzten 25 Jahren in der Kommunikation mehr getan, als in den 100 Jahren davor.

Rechtschreibung

Eigentlich nicht. Also mir ist noch kein Gesetz untergekommen, dass einen im normalen Leben betrifft und für einen Laien nicht verständlich ist, wenn man sich darüber informiert.

Das die Interpretation manchnmal nicht leichtfällt liegt doch daran, dass nicht alles im Gesetz geschrieben sein kann, sondern durch Auslegung in der ständigen Rechtsprechung entsteht. Würde man die Auslegungen mit ins Gesetz schreiben, wäre das BGB mindestens 10x so lang.

Man sollte in der Schule lernen, wie man Gesetze grundsätzlich lesen muss. Deutsche Gesetze sind sehr präzise formuliert und jedes Wort, dass nicht nur der Grammatik dient ist relevant. Wenn man das einmal raushat, dann ist es nicht komplizierter als Addition und Substraktion von dreistelligen Zahlen.

Natürlich kann das Verständnis der gesamten Rechtsordnung nicht unkompliziert sein, weil nunmal extrem viele Sachverhalte geregelt sind. Aber wir fordern ja auch nicht, dass jeder Depp ein Schlaufon programmieren können muss, damit die Geräte verkauft werden dürfen.

Du überschätzt die Lesekompetenz der Menschen weit.

Etwa 12% der deutschen Erwachsenen erreicht nur Level 3 oder weniger:

Kompetenzen auf dem Alpha-Level 3 entspre- chen der Satzebene. Auf diesem Alpha-Level sind Personen in der Lage, einzelne Sätze zu lesen und zu schreiben, sie scheitern aber an der Ebene zusammenhängender – auch kürzerer – Texte.

20% können nicht auf Grundschulniveau schreiben.

Ich wäre überrascht, wenn auch nur die Hälfte der Bevölkerung Gesetzestexte tatsächlich sinnerfassend lesen kann. Allein die Terminologie ist ja schon völlig Fremd.

Quelle: LEO-Studie 2018 [(PDF)]

Dass sie kritisiert wird, wundert mich nicht. Allerdings finde ich es gut, wenn Texte in rein femininer Form geschrieben werden. Einfach um die partriarchale Normalität ein bißchen zu stören und aufzuweichen.
Kannst du uns einen Link ihne Datenklaumauer geben?
12ft.io/proxy?&q=https%3A%2F%2Fwww.derstandard.at… Bin zwar nicht Op ich wollte den Artikel aber auch lesen
12ft |

Spricht was gegen die allgemein akzeptierte Form “Bürgerinnen und Bürger”? Lang und umständlich ist so ein Gesetzestext eh, da machen die paar Buchstaben auch nichts aus.
Der Genderstern (oder die Gendergap) schaffen visuell noch Platz für Menschen, die eben weder Mann noch Frau sind. Ansonsten wäre diese Variante gut weil sehr leicht verständlich.
Es gibt Sprachen mit über 20 Substantivklassen (also das, was wir im Deutschen - ungeschickterweise - als “Geschlecht” bezeichnen). Man könnte also eine Grammatik konstruieren die das Problem ganz elegant umschifft. Ohne Sternchen und so’n Zeuch.
Eigentlich war auch der Plan dass man z.B. alternative, nicht an Geschlechter gebundene Begriffe nimmt. Ärgerlicherweise blieb bei allen der Stern hängen. Oder der Unterstrich.
Das Problem an dem Plan ist, dass es für manche Wörter keine so geile geschlechterneutrale Form gibt. Studenten -> Studierende ist cool. Aber Schüler? Schulende? Lernende? Zu beschulende? Klingt alles blöd.
Auch bei Studierenden wird es verkrampft wenn es um jede(n) einzelne(n) Studierende(n) geht.

Ja und? Sollen wir jetzt weil das nicht so schön klingt beim generischen Maskulinum weiter rumhängen? Wär halt schon nett dafür eine Lösung zu finden.

Genderstern doof. Partizipalform doof. Wäre denn die -y Form besser? Zum Beispiel statt “Lehrer” oder “Lehrerin” “Lehry” oder ist es dem feinen Status Quo auch nicht genehm?

Meine Lösung: Einfach warten. Sprachen entwickeln sich eh ganz von allein weiter und es ist (auch ohne diese ganze Genderdiskussion) der Begriff „Azubis“ entstanden. Die englische Sprache hat es auch geschafft sämtliche grammatikalischen Geschlechter aus der Sprache zu entfernen, obwohl sich damals wirklich keiner für Feminismus oder solche Sachen interessiert hat.

Einfach warten, bis zukünftige Generationen unter sich einen Weg finden Genderneutral zu sprechen, ohne dass es blöd klingt, und dies dann zum standard wird, weil es alle verwenden.

Und wie soll man neue Standards finden ohne welche auszuprobieren? Ich kann jetzt natürlich warten bis da wer einen Standard erarbeitet oder einen mit anderen erarbeiten, an die Öffentlichkeit rantragen und sehen wie das ankommt. Idealerweise käme da konstruktive Kritik zurück, allerdings war das leider hier nicht der Fall. Erst letztens sagte mir wer, dass ich doch einfach abwarten soll bis sich per Zufall die genderneutrale Sprache entwickelt als würde die sprachliche Entwicklung aus dem nichts geschehen und nicht in dem Leute beginnen, die Sprache anders zu sprechen und als könnte man nicht eben auch mal Vorschläge einbringen um Einfluss auf die Entwicklung der Sprache zu nehmen. Du hast keine Ahnung, wie viele versuchen, auf einer Sprache fest zu beharren und Änderungen nicht mehr zuzulassen.

Hier kommt der witzige Teil: Man probiert neue Standards nicht aus, sie kommen bei Sprachen einfach aus dem Nichts. Keiner hat sich jemals gedacht, dass das Präteritum dumm ist. Niemand hat sich wohl jemals gedacht, dass der Genitiv kompliziert ist, wobei er einen wichtigen nutzen hat, weshalb es der einzige Fall ist, welchen die englische Sprache noch hat.

Dennoch stirbt der Genitiv langsam aus und in der Alltagssprache (und sicherleich auch bald im geschriebenen Deutsch) wird fast ausschließlich das Perfekt verwendet.

Einfach warten, irgendwann passiert das schon von alleine. Nur blöd, dass Sprachen sich langsam entwickeln.

@Felix @MyFairJulia
Das hast du nicht gut durchdacht. Sprache entwickelt sich nicht ganz von alleine weiter, sondern durch genau solche gesellschaftlichen Diskurse. Richtig ist, das du dich zurücklenen kannst, die anderen mal machen lässt und eifach das übernimmst, was gerade konsens ist.
Bürgende
Also bitte, wir haben schon das genderneutrale Wort “Proletariat” dafür!
Hat das generische Femininum die gleiche anerkannte Bedeutung wie das generische Maskulinum oder sind in der Wahrnehmung die Männer eher nicht mit gemeint?
Bei der “…kraft” oder “…person” (mit dem aus letzterem abgeleiteten “Personal”) denkt man wohl normalerweise an beide Geschechter.

Was ist eigentlich mit dem Neutrum? Kind: Kind_Er_In? Oder gar Mädchen… ok: Die Kindin. Oder ist Gendern nur für Erwachsene?

Der Denkansatz? Die Reaktion? Solle man*frau mal auch drüber sprechen.

Hast du eine echte Idee, wie und warum du da etwas ändern möchtest, um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen oder weißt du selber, dass das ein Strohmann ist?
Das ist durchaus keine Strohfrau. Entweder ganz oder garnicht.

“Entweder ganz oder gar nicht” ist eine Form der Strohperson :P Es wird gerne verwendet um eine echte Diskussion zu untergraben, wenn klar ist dass man es einfach nicht auf einen Schlag “ganz” machen kann. Somit ist es ein Argument, dass der Gegenseite angehängt wird und dann einfach damit entkräftet werden kann, dass es einfach unrealistisch ist. In Wirklichkeit spricht jedoch nichts dagegen es Schritt für Schritt zu machen.

Oder wolltest du jetzt ernsthaft für eine sofortige Entfernung jeglicher Geschlechter aus der deutschen Sprache argumentieren? In dem Fall würde mich interessieren wie du das anstellen willst und was du dir davon versprichst.

Ich würde gerne eine Grundlegende Lösung sehen, statt einem verkrampften Rumgefrickel. Daher mein Hinweis auf andere Sprachen mit deutlich mehr Klassen (Geschlechtern) in einem anderen Post. Vielleicht würde ja auch einfach der Austausch des Begriffs “Geschlecht” für das grammatische Konstrukt helfen, weil es eben in der Regel nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat? Aber ich fürchte dafür ist es zu spät

Das Gendern trifft ja zeitlich (vielleicht zufällig) mit der Diskussion um Geschlechtsdefinitionen (wie “divers”, oder “nicht binär”) zusammen. In der deutschen Grammatik haben wir aber nur noch eine weitere Form, das Neutrum, um eine Substantiv-Form für nicht binäre Menschen zu bilden. Reicht also bei weitem nicht aus.

Man muss an die Wurzel.

Die Aktion tut genau das was sie soll:

Aufzeigen dass wir generisches maskulin als inklusiv akzeptieren aber generisches feminin nicht. Das ganze formell mit den gleichen Hinweisen wie üblich.

Alle Argumente von Lesbarkeit und Sternchen hinfällig, gibt’s hier keine. Es wurden halt ausschließlich weibliche Formen verwendet.

Es gibt nichts zum Aufzeigen. So war es schon seit Jahrhunderten.
“Des woa scho immer so!” dürfte für die meisten Österreicher:innen wohl leider tatsächlich ein Argument sein.

Vorgestern mit Kollegen eine Art Tabu gespielt wo man in der 2. Runde (mit den gleichen Karten aus der 1. Runde) nur ein einziges Wort sagen konnte - und weil englische Kollegen dabei waren auf Englisch gespielt und bei “singer” ist keinem eingefallen dass Katy Perry ja in der ersten Runde dabei war obwohl es insgesamt nur 4 SängerInnen gab…

mMn perfektes Beispiel für die Art wie das Benennen das Denken beeinflusst und dass es eben nicht neutral ist…

Ist doch voll okay. Wenn am Ende einfach jeder das Genus verwenden darf als Standard, das er möchte. So einen "anything goes" Ansatz fände ich sogar entspannter, als die deutsche Sprache auf Krampf umzubauen.
Das ist nirgendwo unangebrachter als in Gesetzestexten. Es ist einfach sehr gefährlich, wenn sie so formuliert sind, dass zB nur Frauen betroffen sind (wenn ein vorgebliches “generisches Feminimum” benutzt wird).
Einfach am Anfang oder Ende eine Fußnote, dass bei der weiblichen Form die männliche miteinbezogen ist, dann sollte das rechtlich auch kein Problem sein denk ich mal.
(obligatory IANAL)
Wäre mir neu, dass Fußnoten in Gesetzestexten vorkommen. Wäre sicher auch spannend, wie die fürs juristische Arbeiten so wichtigen Kommentare dann aussehen würden. Natürlich kein echtes Argument dagegen, aber zur Zugänglichkeit würde das sicher nicht beitragen.

Die Fußnote ist dann im § 2 Begriffsbestimmungen vorneweg:

“1. Mit dem Begriff Täterin sind auch Personen männlichen Geschlechts erfasst.”

Was ist mit non-binären Menschen?
Die gehen straffrei aus, wenn sie einem Sexisten eine watschen.
Super Rechtskonzept: Bei Opfern nach Gesinnung, bei Tätern nach Diskriminierungserfahrungspotential urteilen.
Das war sarkastisch gemeint. Bei offen nichtbinären Menschen ist es aber weniger ein Diskriminierungserfahrungspotential als Diskriminierungserfahrungen. Mir wäre zumindest neu, dass es Leute gibt, die damit noch keine Diskriminierung erfahren haben.
Plädierst du damit für generelles gendern oder neutrale Sprache? Denn das Argument geht ja auch in die andere Richtung, dass dann nur Männer betroffen sind, wenn das “generische Maskulinum” verwendet wird. Ich persönlich würde geschlechtsneutrale Gesetzestexte bervorzugen, finde aber weder Gendern noch generisches Femininum schlimm. Hauptsache es wird jetzt nicht krampfhaft am Alten festgehalten. Sprache verändert sich mit der Gesellschaft und das ist auch richtig so.

Denn das Argument geht ja auch in die andere Richtung, dass dann nur Männer betroffen sind, wenn das “generische Maskulinum” verwendet wird.

Nein, geht es eben nicht. Im Deutschen ist das generische Maskulinum eine tatsächlich existierende Sache und keine politische Erfindung. Die “Normalform” und das Maskulinum fallen nunmal zufällig zusammen und die weibliche Form wird durch Beugung und Suffix davon lediglich abgeleitet. Mein Vorschlag wäre daher, entweder alles so zu lassen, wie es ist oder die in gewisser Hinsicht herabstufenden Verweiblichungen völlig zu streichen: Dann ist eine Ärztin eben genau wie ihre Kollegen ein Arzt. Ich verstehe, warum sich viele extreme Feministen dagegen sträuben - die gesellschaftliche Anpassung würde einfach einige Zeit in Anspruch nehmen und Anfangs wäre für eine sehr kurze Zeit der gefühlte Ausschlussfaktor womöglich wieder etwas höher - aber es ist die meiner Ansicht nach einzig sinnvolle und langfristig, nachhaltige Lösung.

„Denn Herrlichkeit hat eigentlich auch…“ Versuch nochmal deinen bisherigen Tagesablauf durchzugehen. Sind da Stellen an die du dich nicht mehr so gut erinnern kannst? Als Witz geht das ohne Attest, glaub ich, nicht durch.
Versteh ich nicht. Möchtest du einfach nur kritisieren, wie ich “Herrlichkeit” verwende? Denn das, was ich damit eigentlich sagen will, hast du ja sicherlich verstanden und vielleicht auch kurz über den Begriff nachgedacht. Ich sehe da jedenfalls überhaupt kein Problem: die Anrede “Herr” ist Ausdruck und Anerkennung der Herrlichkeit des Gegenübers und zwar selbst heute noch - vielleicht sogar gerade heute wieder, wo man sie nur noch in wirklich respektvoll distanzierten Kontexten benutzt und dadurch die herausragende Stellung des Angesprochenen hervorhebt - ihn verherrlicht.

Am Beispiel mit den Ärzten zeigt sich doch schon, warum es nicht sinnvoll ist, die weibliche Form abzuschaffen.

Es macht einen großen Unterschied, ob es ein Patient oder eine Patientin ist, und das mit “Patient - weiblich” oder “Patient - männlich” jedes mal spezifizieren zu müssen, ist dem Sprachgebrauch auch nicht zuträglich.

Warum soll man hier im Alltag, wo es auch mal darauf ankommt, die Information verlieren, wenn es stattdessen im Gesetz, also im Abstrakten, neutral formuliert werden kann?

Außerdem ist “existiert halt so” auch in der Sprache kein gutes Argument. Wir sprechen ja zurecht auch nicht mehr von “N*gern”, auch wenn der Begriff im 18. Jahrhundert vielleicht als neutral galt.

Es macht einen großen Unterschied, ob es ein Patient oder eine Patientin ist, und das mit “Patient - weiblich” oder “Patient - männlich” jedes mal spezifizieren zu müssen, ist dem Sprachgebrauch auch nicht zuträglich.

Das ist ein Ausnahmefall. Man kann eine gesellschaftliche Gleichheit auch dann herstellen, wenn man die biologischen Unterschiede nicht verleugnet. In dem Fall ist es doch also Ok, von Patient und Patientin zu sprechen.

Außerdem ist “existiert halt so” auch in der Sprache kein gutes Argument. Wir sprechen ja zurecht auch nicht mehr von “N*gern”, auch wenn der Begriff im 18. Jahrhundert vielleicht als neutral galt.

Richtig, wir haben eine sprachliche Diskriminierung abgeschafft, weil die gesellschaftliche Diskriminierung nicht mehr erwünscht war. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, dass wir es mit weiblichen Formen genauso tun sollten.

Es macht einen Unterschied, ob dein 15 Jähriges Kind bei einem Freund, oder einer Freundin übernachten will, je nach Geschlecht und sexueller Präferenz. Oder ob ein Polizist oder eine Polizistin die Durchsuchung der Person durchführt, je nach Geschlecht der Person. Oder beim Sport, ob es der neue Weltmeister, oder die neue Weltmeisterin ist.

Und das sind jetzt so die Beispiele, die mir in 3 Minuten eingefallen sind. Wenn man jetzt wieder anfängt jede Ausnahme zu spezifizieren und zu ergänzen, haben wir die gleiche Diskussion nur noch weiter im kleinklein verloren, und das Maskulinum bleibt im Sprachgebrauch männlich, weil niemand die Ausnahmen parat hat.

Da ist es doch einfacher, an gebotener Stelle beide Formen aufzuführen.

Ich frag mich wie das in anderen Sprachen funktioniert wie im Englischen oder dem Schwedischen (die genau das vorgeschlagene seit einigen Jahrzehnten machen). Wenn es wirklich relevant ist kann man das Geschlecht spezifizieren, aber das seh ich echt in den wenigsten Fällen. Möchtest du für das Übernachtungsbeispiel nicht auch noch die sexuelle Präferenz abbilden?

Es macht einen Unterschied, ob dein 15 Jähriges Kind bei einem Freund, oder einer Freundin übernachten will, je nach Geschlecht und sexueller Präferenz. Oder ob ein Polizist oder eine Polizistin die Durchsuchung der Person durchführt, je nach Geschlecht der Person. Oder beim Sport, ob es der neue Weltmeister, oder die neue Weltmeisterin ist.

Und das sind jetzt so die Beispiele, die mir in 3 Minuten eingefallen sind. Wenn man jetzt wieder anfängt jede Ausnahme zu spezifizieren und zu ergänzen, haben wir die gleiche Diskussion nur noch weiter im kleinklein verloren, und das Maskulinum bleibt im Sprachgebrauch männlich, weil niemand die Ausnahmen parat hat.

Da ist es doch einfacher, an gebotener Stelle beide Formen aufzuführen.

Ja und alle Gesetze mit generischem Maskulinum gelten noch für Frauen? Als ob das bisher ein Problem war.

Ist aber ne gute Idee, soll meine Freundin mal straffrei die Cum-Ex Millionen ranschaffen.

Natürlich gilt das für alle unabhängig des Geschlechts, weil das generische Maskulinum ein tatsächlich auftretendes Phänomen der deutschen Sprache ist.
(Die deutsche) Sprache entwickelt sich schon immer mit den Menschen weiter. Einfach eine Präambel vor entsprechende Texte setzen und fertig. "Wir haben das schon immer so gemacht und deswegen ändern wir nichts" ist für mich ein schwaches Argument. Soll jeder Auto selbst entscheiden, was er verwenden möchte, dann müssen sperrige Formulieren mit diversen Genderzeichen und Suffixen nicht normativ eingeführt werden. Wir werden es überleben, wenn manche Autoren und Autorinnen dann Texte im Femininum schreiben.

(Die deutsche) Sprache entwickelt sich schon immer mit den Menschen weiter.

Eben! Mit. Nicht durch.

“Wir haben das schon immer so gemacht und deswegen ändern wir nichts” ist für mich ein schwaches Argument.

Bin ich 100% bei dir. Ein völliges Scheinargument, das ich niemals bedienen würde. Was du hier dafür hältst, lässt sich eher herunterbrechen auf: “Das eine ist in linguistischer Hinsicht eine Evolution, das andere eine Revolution. Die Evolution ist vorzuziehen, weil Kontinuität konsistenter ist, was an sich schon ein Wert ist, und nebenbei dadurch außerdem konsensfähiger und Konsensfähigkeit ist das Fundament, auf dem die Gesellschaft den Weg des Fortschritts gehen kann, ohne in die Bürgerkriege des Kulturkampfes zu verfallen”.

Nicht durch.

Das ist schlicht falsch. Um 1800 und den 1. WK hat man beispielsweise aus nationalistischer Motovation viele für uns völlig normale Begriffe eingeführt, die explizit Lehnwörter ersetzen sollten und das auch taten.

Genauso hat man Schreibweisen und Aussprachen standardisiert, meistens auf das, was im derzeitigen Machtzentrum üblich war.

Wir haben auch irgendwann als Gesellschaft politisch Entschieden, dass die Differenzierung zwischen Frau und Fräulein ziemlich unnötig ist. Oder das man (in den allermeisten Kontexten) nicht mehr Krüppel sagt.

Sprachwandel war schon immer eine Mischung aus ziellosem Drift und einer bewussten Beschäftigung mit der Frage, wie wir reden wollen. Das Gendern nimmt da absolut keine Sonderstellung ein.

Der Fall Frau/Fräulein und Krüppel sind ja wieder Anschauungsmaterial dafür, dass erst der gesellschaftliche Wandel kommt und sich die Sprache dann von alleine anpasst. Die chauvinistische Deutschtümelei im 1. WK kann ich persönlich für mich allerdings nicht als positives Beispiel für proaktive, politisch induzierte Sprachveränderungen verbuchen. Ersteres ist außerdem wieder ein Fall von Evolution, zweiteres von Revolution und gerade die sprachliche Evolution durch den Wegfall des Fräuleins unterstreicht doch meine These, dass wir das Femininum generell verzichten sollten, weil es gesellschaftlich überholt ist.

Viele Begriffe sind maskulin, weil Männer nun mal diejenigen waren (!), die gearbeitet und somit unseren Sprachgebrauch geprägt haben. Ein Text, der explizit in der weiblichen Form verfasst ist, schließt Männer definitiv aus. Wer sich als Frau z.B. bei “Kunden” nicht angesprochen fühlt, hat ganz andere Baustellen. Andersrum wird ein Schuh daraus: ich bin als Mann keine Bürgerin!

Herr, Frau, sie, er, Kater, Katze und dann Gruppen wie Lehrer oder Kunden- fertig. Wir haben andere Sorgen, als gegen die maskulinen Sammelbegriffe zu kämpfen.

Klimaschutz und Bildung (also echtes Wissen) sind wichtiger. Wenn diese Welt nicht gegen die Wand gefahren wird, dann kann meinetwegen jeder zweite Buchstabe gegen ein Y aysyeyaysyhy wyryey. Viel Erfolg.