Antarktisches #Meereis, #Klimawandel und das (statistische) Ende der Welt.

In den letzten Monaten gehen ja immer wieder die vom Mathematiker Eliot Jacobsen erstellten Grafiken über den dramatischen Eisschwund auf dem Meer um die #Antarktis rum.

Ein Thread, was die Abbildung tatsächlich aussagt, was wir über die Situation wissen und was nicht.
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Zuerst einmal zeigt die Darstellung NICHT, dass dort derzeit Eis schmilzt. In der Antarktis herrscht tiefster Winter, und jeden Monat wächst die Eisfläche um ca 2 Millionen Quadratkilometer.

Sie wächst aber langsamer als üblich, normal wären rund 3 Millionen Quadratkilometer. Deswegen haben wir etwas über 2 Mio Quadratkilometer, etwa 15 Prozent, weniger als normal.
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Jacobson arbeitet da außerdem mit Standardabweichungen. Das ist ne statistische Maßzahl für die Wahrscheinlichkeit von Messwerten unter bestimmten Annahmen und hängt nur sehr indirekt mit der physischen Entwicklung der Eisfläche selbst zusammen.

Was die Abbildung letztendlich zeigt ist, dass dort etwas sehr ungewöhnliches passiert: unter der Annahme, dass alle Bedingungen konstant sind, ist die Wahrscheinlichkeit für den gemessenen Wert rund 1:13 Milliarden.
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Das ist - vermutlich - kein statistischer Ausreißer, sondern etwas, was ich als Ende der Welt bezeichne: die berechnete Wahrscheinlichkeit ist bedeutungslos, weil die Welt, aus der die bisherige Statistik stammt, nicht mehr existiert. Was wir jetzt um uns herum sehen, ist im Grunde ein fremder Planet. Das fällt vielen noch nicht auf, aber wenn man nachrechnet, zeigt es sich an vielen Punkten der Erde. Aber zeigt es sich auch im antarktischen Meereis?
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@Fischblog Das ist doch genau, was @climateBen drüben beim gekreuzigten Vogel immer und schon lange erzählt: "The planet you think you're living on does no longer exist."

Es ist so unfaßbar traurig. 😔