heute auf der rewatch-liste: falling down (1993). quasi ferris buelers day off für erwachsene. und auf einer metaphysischen ebene der kern des dramas des wütenden weißen mannes und damit ein erster vorbote (oder gar der prototyp?) dessen, was uns heute jeden tag ins gesicht speit. (jedenfalls ist das meine arbeitshyptothese beim schauen.)
zwischenthese: in dem film wird mit wiiliam foster eine art männlichkeit ausgemustert, die von nachkriegszeit bis in 1990er hinein galt. der hard working, modest, middle income family man, der für die familie sorgt und sich für alles verantwortlich fühlt, aber dabei nie gelernt hat, mit den eigenen emotionen umzugehen. diese ausmusterung ist die ursünde, die der weiße mann bis heute nicht verknust hat. das gegenmodell wird ebenfalls präsentiert im empathischen, fürsorglichen predergast.
die filmemacher geben sich sehr viel mühe, foster gegen rassisten und neonazis abzugrenzen, sie ahnten es, aber wollten es jedenfalls nicht thematisieren, wie kurz der weg vom ressentimentzerfressenen „früher war alles besser“- normalo zum faschismus ist. vllt ist das auch erst ein effekt zweiter ordnung. erstmal ist da nur diese unbändige wut, die raus muss. erst dann sucht sie sich wege, sich zu rechtfertigen. soweit ist foster nicht. er stammelt nur stichpunkte aus alltagsbeobachtungen.
(die einzige szene, wo ich ihn mag, ist auf dem golfplatz.)
die polizistin, die nicht glauben kann, dass foster seine ex bedroht, weil man ja nicht so lang von passadena nach venice fährt, drängt mir eine alternative interpretation auf: falling down erzählt davon, was passiert, wenn ein amerikaner mal zu fuß gegen muss.
höhepunkt des films: „i‘‘m the bad guy?“, nachdem predergast foster darlegt, dass er drauf und dran war, seine ex und seine tochter zu ermorden.
sehr passend: der selbstmord durch simuliertes westernduell. für den männertyp, den ich oben schilderte, war der western das kulturelle koordinatensystem, in dem sie ihre identität formten. clint eastwood als identitätsressource.
@mspro Sehr schön geschrieben. Ja ich habe den Film schon damals sehr gemocht. Leider fällt der in eine Kategorie mit Filmen wie Fight Club, Starship Troopers etc. - zu clever für die Welt, und bei den Bros Kult aus den falschen Gründen.
@rstockm hab ich gar nicht mitbekommen, dass der film so vereinnahmt wurde.
@mspro es gab da eine breite „endlich sagt mal einer, wie es ist“ Bewegung. Etliche Szenen laden ja auch dazu ein „gestern war die Straße doch noch gut“ „warum sieht der Burger nicht aus wie auf dem Foto“ oder der Goldplatz. Er legt sich dann aber immer nur mit prekär Beschäftigten an, nie mit dem Management und Verantwortlichen des kapitalistischen Schweinesystems