Dem Musée #Unterlinden in #Colmar folgte ich auf dem alten Account schon lange, weil es einen erstklassigen Social Media-Auftritt hat.

Die Architektur ist allein schon ein guter Besuchsgrund.

Außerdem beherbergt es das einzige Kunstwerk, vor dem ich je davongelaufen bin (mit 14, ok?). Und das ist frisch restauriert: 🧶

#Museum #Museumsbesuch #Kunst

Der aberwitzige, verstörende Isenheimer Altar von Mathias #Grünewald.

Damals habe ich den Schrecken und die drastische Verdeutlichung des Opfers Jesu nicht ausgehalten, und heute kann ich das immer noch gut verstehen.

Fotos werden Grünewalds Mischung aus modernem Hyperrealismus und irrer Fantasy nicht wirklich gerecht, also hier ein paar Details:
Die realistischen Darstellungen ziehen einen direkt in die Realität des frühen 16. Jahrhunderts - als sich hier in Europa alles veränderte - hinein. Der abgenutzte wattiert Waffenrock des Wachmannes! Der nagelneue, Ruhe verströmende Waschzuber!

Und die Fantasy-Elemente sind einfach überwältigend.

Dieser Altar wurde für ein Antoniter-Spital mit an Mutterkorn-Vergiftung Leidenden gemalt - was haben die Monster aus der Versuchung des Heiligen Antonius wohl mit denen gemacht?

Die neue Präsentation ist glänzend. Das #Museum hat das ganze Kirchenschiff der Klosterkirche freigemacht, um die vielen Tafeln des #Polyptychon.s (ein mehrfach ausklappbares Flügelbild) hintereinander zu präsentieren.

Kleine Modelle zum Ausprobieren der ursprünglichen Kombination gibt es auch. Und viele Bänke zum bequemen Staunen und Wundern.

Danach waren wir eigentlich erledigt, aber ein bisschen habe ich mich noch umgeschaut.

Das Musée #Unterlinden ist sonst so ein #Wunderkammer-Museum mit allerhand Sachen, von #Archäologie, einem #Weinkeller, Kunst vom 19. Jahrhundert bis Moderne, sogar #Picasso. Der Kern ist aber die Sammlung spätmittelalterlicher sakraler Kunst, vor allem des Lokalhelden Martin #Schongauer - hier bei Mirabilia durch Schuhwerk vertreten:

Neu für mich war die Erkenntnis, dass die Drucke Schongauers und Dürers (seines größten Fans) als Vorbild für andere Kunstwerke, zum
Beispiel Altarschnitzereien gedient haben. Ob das schon beim Verkauf der Drucke eingepreist war? Oder als Diebstahl geistigen Eigentums empfunden wurde?

Die Menschen in Colmar sind um dieses Museum zu beneiden, dass man sicher durch häufige Besuche immer nur noch lieber gewinnt. Mit seinem chef d’œuvre insolite ist es für alle Kunstfans eine Reise wert und deshalb eine #Empfehlung.

Auf das #Museumscafé hatte ich mich gefreut, aber der Service war so unterirdisch unfreundlich und langsam, dass wir geflohen sind und in einer netten Touristenfalle Flammkuchen gegessen haben.

Die #Museumsklo.s hingegen sind zahlreich und großzügig!

@Mirabilia7 Soweit ich weiß, hat erst die Romatik sowas wie "geistiges Eigentum" erfunden (-> Geniekult).

@kaltmamsell Bei Dürer wäre ich mir da nicht so sicher, der fand sich und sein Können schon ziemlich prima und hat ja auch die Sache mit dem Logo angefangen.

Interessieren würde mich, wie er und Schongauer darüber dachten, wenn sie es überhaupt je erfahren habe. Die Drucktechnik war mediales Neuland und hat unerwartete Nebeneffekte hervorgebracht, die die Leute sicher beschäftigt haben.