Ich finde es bemerkenswert wie viele Menschen Automatisierung mit Software nicht verstehen.

Klar kann ich eine Exceltabelle führen. Diese jeden Tag mit neuen Werten befüllen. Neu sortieren, Summen und Durchschnitte bilden. Grafiken erzeugen und diese dann nach PowerPoint kopieren.

Das wird dann als Digitalisierung verkauft! Ist es aber nicht. Was wäre, wenn man das automatisiert? Man würde nur noch ein Dashboard aufrufen und es hätte immer den aktuellen Stand. Das macht einmal Arbeit und dann geht es von alleine. Die Zeit wird frei, um das nächste Dashboard zu bauen.

Hört auf Menschen zu beschäftigen! Automatisiert wiederkehrende Tätigkeiten und gebt den Menschen die Zeit, um neue Dinge zu tun. Ein Mensch ist keine Maschine, deren Auslastung möglichst hoch sein muss, damit auch viel weitergeht.

Die Technologie bzw. Idee, die ich verwende, um kurz mal was zu automatisieren wird bald 60 Jahre alt. Es sind Pipes (|).

Ich hole z.B. per curl Daten von einer Quelle ab und verarbeite sie und lasse daraufhin Aktionen starten. Vielen Menschen ist das komplett unbekannt, obwohl das Konzept so einfach ist.

Hier mal ein Beispiel: Die paar Zeilen holen das Wetter von heute per JSON ab, filtern die Höchsttemperatur als Zahl heraus und danach wird diese ausgewertet. Ich könnte damit auch beliebige andere Aktionen starten. Es ist wirklich keine dunkle Magie.

Hier noch der Souce Code. Er ist zwar im Alt-Text vom Screenshot, aber irgendwie ist das unschön.

curl -s "wttr.in/Munich?format=j1&lang=de" \
| jq '.weather | .[0] | ."maxtempC" | tonumber' \
| awk '{if($0 > 30) print "Es wird heute heiß:",$0"°"; else print "Es wird heute nicht heiß, nur",$0"°."}'

@honze_net das ist super.

Wo gebe ich das ein? In Excel?

@honze_net Tatsächlich beobachte ich in meinem Umfeld (Ingenieurwesen), dass Menschen hart dazu neigen, ihre Kernkompetenzen automatisieren zu wollen aber gleichzeitig stupide, repetitive Tätigkeiten weder in Frage stellen noch automatisieren.
Da wird z.B. monatelang an einer "KI" gefrickelt, die aus einer PDF-Dokumentation ein Programm reverse engineeren soll aber Teilelisten, die das CAD-System einfach ausspucken kann lieber redundant in Excel gepflegt. 🤷
@epfi Ja, sowas schreit einfach nur nach Ärger.
@honze_net Profis bauen sich Makros. Excel als DIY SAP 🪚
@fluepke Man merkt, dass Du das zu oft gesehen hast. Man wird die Bilder auch nie wieder los. 🙈​
@honze_net ich habe bisher ein einziges Unternehmen gesehen, bei dem ich glaube, dass Excel (mit O365) das ideale Tool ist: Eine Tauchbasis. Mit Tablets auf den Booten für Passagierlisten, Ausrüstung, etc. für die spätere Abrechnung.
@fluepke @honze_net auch dort ist Excel nicht das optimale Tool (Excel ist nie das optimale Tool). Besser: Entwicklung einer kleinen Anwendung zu Erfassung der Daten mit einfacher Validierung, zB Datumsformat eingehalten?
Wenn man dann wieder online ist, verbindet sich die Anwendung mit dem Server, überträgt die Daten automatisch und alles weitere kann automatisiert ablaufen.
@honze_net
Pipes sind keine Mittel zur Automatisierung sondern zur Interprozesskommunikation.😉
(Automatisiert wird mit Hilfe von Job-Steuerung wie z.B. cron.)
@honze_net Eine Freundin hat das mal ganz Kompakt in die Erkenntnis zusammengefasst, dass das eine Digitalisierung ist, und das andere digitale Transformation. Recht hattese.

@nblr @honze_net Die meisten Leute können halt einfach nicht ordentlich mit Computern umgehen. Auf 3 Icons klicken und nen Webbrowser benutzen reicht halt ehrlicherweise nicht. Zumindest rudimentär ein bisschen Python oder von mir aus auch BASIC würde schon reichen (Fuck, kauf dir nen C64 und hau n bisschen aufm Keyboard rum). Alleine um überhaupt ein bisschen das Mindset zu haben wie die Dinger funktionieren. Und ja, das braucht man. Ansonsten konsumiert man halt an nem Computer, nutzt ihn aber nicht.

Aber Programmieren und son komplizierter Kram ist ja nur was für Nerds und absolute Spezialisten. Braucht niemand. Dass man am Ende vielleicht gar nicht programmiert, sondern eine Intuition dafür entwickelt wie man digitale Prozesse entwickeln oder optimieren kann kommt dabei aber keinem in den Sinn. Besser die dreißigste ÄÄÄÄPPPP ausm Apple Store runterladen, da muss ich nur meine Finger von A nach B schieben.

Es fühlt sich so an, als ob Computer in Deutschland nur benutzt werden weil man muss und nicht weil man will. Ohne wäre man komplett von der Konkurrenz abgehangen und man tut nur das Nötigste um irgendwie Schritt zu halten. Und wenn das Daten von Hand formatieren und in Excel eintragen ist, hauptsache der Laden läuft irgendwie und das mit möglichst wenig Veränderung. Wenn die hier könnten würde ein Großteil gar keine Computer anfassen wollen.

Ich freu mich schon, wenn die Generation Tablet groß wird. (inb4: BiS DaHiN GiBTs NuR NoCH AI!!1! Ja, wir werden es sehen...)

@G33KatWork @honze_net The idea of the utility of general computing for the masses was a fallacy.

@nblr @G33KatWork @honze_net

Ich bin mir nicht sicher, ob uns geholfen wäre, wenn die Allgemeinheit wüsste, wie Software zustande kommt und wie Computer danach arbeiten.

Ist ein bisschen wie mit Gesetzen.

@ajuvo @G33KatWork @honze_net Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.
@nblr @honze_net oder: wenn man einen Scheiß-Prozess digitalisiert hat man einen digitalen Scheiß-Prozess. 🤷‍♂️