Ein paar Leute haben mich in den zurückliegenden Tagen gefragt, wo ich "politisch einzuordnen" sei, ob ich "links" oder "rechts" stehe. Der Punkt ist: Inhaltlich mag ich in einigen Bereichen "links", in anderen "rechts" sein, aber das spielt keine Rolle. Mir geht es um anständiges Miteinander und vernünftiges Kommunizieren. Und da kritisiere ich Leute unabhängig von ihrer politischen Verortung.

Ein aktuelles Beispiel, das ich bemerkenswert und ärgerlich...

...finde: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner von der CDU, schreibt zu Pfingsten: "Unseren christlichen Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich gesegnete Pfingsten. Uns allen und unseren Gästen wünsche ich erholsame Tage. Danke allen, die Berlin an den Feiertagen am Laufen halten."

Nun mag man Kai Wegner für alles Mögliche, das er politisch vertritt, kritisieren. Aber jetzt wird er wegen dieser Worte als "ausländerfeindlich" und "ausgrenzend"...

...dargestellt. Vor allem an "unseren Gästen" machen das diese Kritiker fest. Dabei steht da nur, dass er den Christen gesegnete Pfingsten wünscht, denn Nichtchristen werden das wohl mit ziemlicher Sicherheit nicht feiern (und ich habe den Verdacht: viele Christen auch nicht...), er wünscht "uns allen", also: uns allen, sowie "unseren Gästen", also allen, die in Berlin zu Besuch sind, erholsame Tage. Was genau ist daran jetzt das Problem? Man kann Dinge auch absichtlich falsch verstehen...

...wollen und schlimmstmöglich interpretieren. Das sagt dann aber etwas über die Personen selbst aus.

Es sind bemerkenswerterweise dieselben Leute, die vor ein paar Tagen Bahar Aslan verteidigten, die in Zusammenhang mit der Polizei von "braunem Dreck" sprach. Sie meine doch gar nicht "die Polizei", sondern nur die Rechtsextremisten unter ihnen, verteidigten diese Leute sie. Ich finde, man kann das schon so formulieren, wie Aslan es getan hat: brauner Dreck. Aber es kann eben nicht...

... jeder alles sagen, und je nach dem, wer man ist, kommen Dinge anders an. Wenn jemand, die als Dozentin an einer Polizeieinrichtung arbeitet, hat es eben eine andere Wirkung als wenn jemand das sagte, der mit der Polizei nichts zu tun hat. Die Kritik an ihren Worten teile ich. Dass sie Drohungen bekommt und beschimpft wird, ist hingegen inakzeptabel.

Man muss auf seine Worte schon achten - und berücksichtigen, ob sie falsch verstanden werden können und möglicherweise Menschen ansprechen,...

...an die sie gar nicht gerichtet sind. Klar gibt es auch ein Spielen mit absichtlich missverständlichen Worten, in Deppendeutsch heißt es auch "dog whistle", also absichtlich so sprechen, dass Leute die Töne hören, die sie hören sollen. Und es gibt auch ein Sprechen, ohne auch nur ein bisschen nachgedacht zu haben, bevor die Worte den Mund verlassen. Wenn man zum Beispiel gewalttätige Männer mit migrantischen Wurzeln als "Paschas" bezeichnet, muss...

.. man schon darauf achten, es so zu formulieren, dass nicht alle Menschen mit Migrationsvorteil sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Vor allem, wenn man ein Politiker in verantwortungsvoller Position ist. Das heißt nicht, dass man das Wort "Pascha" grundsätzlich nicht in den Mund nehmen sollte. Denn natürlich gibt es unter migrantischen Männern üble Paschas. Muss man nur präzise formulieren.

Bei Wegner sehe ich in seinem Pfingstgruß keine absichtlich doppeldeutigen Worte. Sondern bei manchen...

...seiner Kritiker nur die Lust, ihn zu kritisieren, weil man ihn sowieso doof findet. Die Lust, die nächste Sau durchs Dorf zu jagen. Den politischen Gegner als Feind zu markieren. Kann man machen. Finde ich aber kritikwürdig, weil unanständig. Und es macht Kritik an wirklich Kritikwürdigem - und da gibt es bei Wegner genügend - weniger wirkungsvoll.

So "links" und so "rechts" bin ich.

@HasnainKazim so bin ich auch. Aber ich finde, dass das ganze etwas unglücklich formuliert worden ist. Ich habe die Aussage absichtlich nicht kommentiert.

@HasnainKazim

Danke! Feiner Beitrag.

Das ist jetzt genau die Ebene der politischen Diskussion, die wir statt reißerischer Sharepics und Freund-/Feind-Zuordnung auch führen könnten, mit erheblichem Zugewinn für alle.

@HasnainKazim
Ich hatte es bisher nicht gehört, finde das Zitat aber auf Anhieb kritikwürdig. In der Formulierung steckt eine klare Trennung von "wir/uns" und "die". Obwohl Pfingsten auch für die meisten Getauften wohl hauptsächlich einen freien Tag bedeutet - weshalb man einen erholsamen solchen auch ausnahmslos jedem hätte wünschen können, ohne betont Grenzen zu ziehen.
@HasnainKazim ich verstehe eh nicht, warum man in irgendeine schublade passen muss. Gut ich kann sagen, rechts bin ich auf keinen fall. Nur nur links kommt für mich nicht in frage. Finde diese einordnungen total überflüssig ....