Ich fürchte fast, für nichtbehinderte Menschen ist es wirklich schwer, vorzustellen, dass Menschen mit Behinderungen ein Riesengeschäft sind und eben nicht alles zu "ihrem Besten" passiert. Sondern, dass Menschen mit Behinderungen ein riesiges Geschäftsfeld sind.
In dem die Claims schon seit Langem sowohl durch Wohltätigkeitsorganisationen, als auch Lotterien und ein Hilfesystem abgesteckt sind, die sich nicht gerne reinreden lassen und bei denen es auch nicht in erster Linie darum geht, was gut für Menschen mit Behinderungen ist.

Sondern schlicht und ergreifend ums Geschäft.

Als wäre ein Wirtschaftsbereich automatisch immun gegen Ausbeutung, Geschäftemacherei, Schlangenöl & Aktionismus, weil es um "eine gute Sache" geht.
Als würden sich automatisch nur wohlmeinende Menschen in diesem Bereich betätigen.

Anstatt, dass man dort eine ziemlich lässige Situation vorfindet, in der man kritische Nachfragen immer damit abbiegen kann, dass man ja Etwas Gutes [tm] täte.

Von daher: Sorry to rain on your parade. Aber das Wohlergehen von Menschen mit Behinderungen und vor allem deren Selbstwirksamkeit und Gestaltungsfreiheit steht in vielen Hilfesystemen an allerletzter Stelle.

Es wird immer mal kurz sichtbar, wenn wie im Ahrtal Menschen mit Behinderungen ertrinken, weil es wichtiger war "keine Unruhe" reinzubringen, als ihr Leben zu schützen.

Oder wenn wie in Potsdam Menschen mit Behinderungen ermordet werden und alle nur laut darüber nachdenken, ob die Mörderin vielleicht überlastet war. Und dann wird es schnell wieder vergessen.
Zu unbequem. Und das System funktioniert ja. Für die Mehrheitsgesellschaft.

Und erst recht für gut gefüllte Taschen.

Es wäre aber schon super, wenn man endlich mal damit anfangen würde, uns zu glauben, wenn wir auf Probleme hinzuweisen, statt dann immer direkt auf einen empörten ad hominem Feldzug zu gehen.

Ja, ist unkomfortabel. Aber eure gefühlte Wahrheit wird auch durch Leugnen nicht zur Realität.

@Mela
Ich glaube, der letzte Satz („Aber eure gefühlte Wahrheit wird auch durch Leugnen nicht zur Realität.“) ist der Schlüssel.
Im Bereich Behinderungen ist so viel Vertuschen kognitiver Dissonanz am Werk, dass die Realität die meisten MoB gar nicht erreicht.