🧵 "Wokeness": Zusammen mit Lukas Bettag, Sven Bloching, Jöran Landschoff, Ulrike Lohner und Yuanyuan Wang habe ich einen Artikel im "Sprachreport" des IDS (@ids_mannheim) zum Gebrauch des Ausdrucks "woke" geschrieben.

https://pub.ids-mannheim.de/laufend/sprachreport/pdf/sr23-1.pdf

Das Ergebnis: Der affirmative Gebrauch von "woke" ist selten. Es dominiert die Verwendung als Stigmawort von Rechts. Hier ist "woke" eine Chiffre, ein semantisch unterbestimmtes Zeichen, mit negativ-wertender Funktion. (1/4)

@josch @ids_mannheim zumindest im deutschsprachigen Raum ist dem so...
@kkarhan @josch @ids_mannheim
Vielen Dank für die Analyse! Betrachtet man sich die ursprüngliche Bedeutung und Genese des Wortes wird deutlich, dass jede abwertende Verwendung inhärent rassistisch ist.
@rmr Ich verstehe, dass man das so lesen kann. Ich glaube aber, dass die wenigsten Benutzer:innen sich dessen bewusst sind. Für die meisten scheint sich in dem Ausdruck all jenes diffus zu verdichten, was ihnen moralisch, ideologisch und lebensstilistisch nicht ins Weltbild passt.
@josch
🤔 Mindestens Alltags-Rassismen sind in der Regel eine unbewusste Reproduktion. Sind es nicht im Wesentlichen nur Extremist*innen die bewusst rassistisch handeln, obgleich Rassismus diesen Staat und dessen Gesellschaften und Individuen grundlegend strukturiert?
@josch
Eine Untersuchung, ob abwertend von "woke" sprechende Individuen in anderen (Kon-)Texten häufiger (als solche, die es nicht tun) Äußerungen vollziehen, die als rassistisch oder alltagsrassistisch eingeordnet werden müssen, könnte vielleicht einen spannenden Einblick geben. Ich vermute allerdings, dass es sehr aufwändig wäre über entsprechende qualitative Empirie einen solchen Kontext-Korpus aufzubauen.

@rmr Ich glaube, man kann das vor unterschiedlichen sprachsoziologischen Modellen unterschiedlich beantworten. Ich kann wie gesagt, dein diskursanalytisch fundiertes Argument vom Dsipositiv nachvollziehen.

Aus einer Gebrauchsperspektive würde ich sagen: Im Alltagsgebrauch wird "woke" (als Stigmawort) meist nicht als rassifizierend verstanden (von allen an der jeweiligen Kommunikation Beteiligten). Ich habe beim Quellen-Lesen auch eher selten metasprachliche Referenz darauf gefunden.