Die Forderung nach Friedensverhandlungen beinhaltet einen Trick, der in den letzten Jahren inflationär genutzt wird - leider weil er so gut funktioniert:

Der Trick ist, etwas so zu fordern, dass es sich so anhört als ob das, was gefordert wird, noch nie passiert ist.

"Die Klimaaktivisten sollen erst mal Vorschläge machen!"

Natürlich machen sie seit Jahren Vorschläge.

"Warum zahlt Deutschland schon wieder als einziger für alle anderen?"

Natürlich zahlen andere auch und zwar wesentlich mehr.

Und genau so gab und gibt es selbstverständlich immer wieder Versuche für Verhandlungen. Sie haben halt bisher nichts erreichen können.

Weiter:
Das kombiniert man dann auch noch mit einem zweiten Trick, nämlich der angegriffenen Partei zu unterstellen, das Gegenteil von dem zu wollen, was man sich gerade als eigene Forderung rausgepickt und so zuvor unterstellt hat, dass es nicht passiert.

Also "Waffen liefern". Niemand _will_ das und man sieht das zB daran, wie lange das dauert.

Warum macht man das?

Es geht den "Friedensaktivist*innen" um Wagenknecht und Schwarzer nicht um Frieden.

Es geht - wie allen Populisten - um eine Erzählung, in der es zwei absolute Seiten gibt. Die eigene und die falsche. Das geht nur, wenn die andere Seite vollständig abgelehnt werden kann.

Und dafür muss man die andere Seite erst mal so konstruieren, dass alles, was man selbst behalten will, dort nicht mehr vorhanden ist. Also darf der Gegner nicht mehr "Frieden wollen" und "verhandeln".

Und daher formuliert man seine Forderungen so, dass es einen Gegensatz gibt und verknüpft das mit der Behauptung, der Gegner wolle das Gegenteil.

Wer diese Rhetorik verwendet, dem geht es um etwas anderes als die Sache, von der er spricht. Denn sie ist austauschbar. Seit mindestens 2015 erzählen die immer gleichen Leute mit der immer gleichen Rhetorik, dass es ein "Wir" und ein "Die" gibt. Das Thema wechselt: Asylbewerber*innen, Flüchtende, Vegane Freitage, Corona-Impfungen, Gendern, Klima.

Wenn man das Prinzip dieser Rhetorik ein mal verstanden hat, ist es erstaunlich einfach, zu erkennen, wenn sie wieder mal angewendet wird.

Es lohnt sich also, darauf zu achten. Denn es ist wie bei des Kaisers neuen Kleidern. Wenn man einmal gesehen hat, dass der Kaiser nackt ist, können die Wagenknechts, Schwarzer, Höckes, Merze oder Lindners sich den Mund fusselig reden: Man erkennt es sofort als das Gaslighting, das es ist.

@jensscholz
Ich mag Wagenknecht und Schwarzer auch nicht. Beiden werfe ich seit Jahren populistische Tendenzen vor, nur um sich selbst heller im Rampenlicht sonnen zu können.
Wenn du die beiden mit ihrer Friedensinitiative allerdings in einem Atemzug mit Merz und sogar Höcke nennst, dann muss ich dir hier Populismus vom aller Gefährlichsten unterstellen.
Du hast hier rethorische Finessen ausgeführt. Ich fürchte, auf die fällst du gerade selber rein. Hoffentlich nicht vorsätzlich...