“Konnten Sie ermitteln, wer angefangen hat?” #TäterOpferUmkehr

Verhandlungstag 01.03.23, im #StaatskanzleiProzess:
weitere Betroffene, Zeug:innen und Polizist sagen aus. Verteidigung versucht Videoqualität u. -erkennbarkeit, und damit Verwertbarkeit vor Gericht anzugreifen. 1/10

Zeuge beschreibt, Robert B. habe die Gruppe vor d. Angriff intensiv gemustert.
Ausfallerscheinungen durch Alkoholisierung seien an B. nicht wahrnehmbar gewesen. Er habe gepöbelt “Was glotzt du so? Hast du ein Problem?”, ein Betroffener habe Gespräch gesucht, um zu schlichten 2/10

Betroffener berichtet, B. habe in diesem Gespräch eventuell ausgelotet, wer aus der Betroffenengruppe zu vermeintlichen politischen Gegner:innen gehöre: "So in etwa: Sind das Punks oder so?"#Feindmarkierung

Das Schlichten wird seitens der Verteidigung indirekt angezweifelt. 3/10

Mehrmals wird thematisiert, ob Zeuge unter Alkoholeinfluss aggressiv reagiere, den Streit hochgeschaukelt habe. Die Strategie, zu ermitteln, "wer angefangen hat", ist klassische #TäterOpferUmkehr. Betroffenen soll dadurch eine Mitverantwortung an dem Angriff gegeben werden.
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Ein Video zeigt einen der auf dem Vorplatz der #Staatskanzlei eintreffenden Angreifer, der sichtlich körperlich agitiert ist, was sich in angespanntem Bewegungsdrang äußert. Es ist sichtbar, dass er sich bereit macht, dann greift er die Betroffenengruppe an. 5/10
Ein Angeklagter ist zu sehen, wie er während des Angriffs innehält und zufällig vorbeifahrende Bekannte auf Fahrrad mit Umarmung begrüßt. Die Beiläufigkeit dieser Geste während zeitgleichem brutalen Angriff zeigt die Normalisierung von #rechteGewalt seitens der Angreifer. 6/10
In der Vernehmung wird ein Betroffener von der Verteidigung unnötig penetrant zu augenscheinlich nicht relevanten Punkten befragt. Richter und Staatsanwaltschaft schreiten mehrfach ein. Betroffener lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen und bleibt durchgängig souverän. 7/10
Er sei während d. Angriffs mehrfach eingeschritten, habe Angreifer konfrontiert u. andere Betroffene geschützt. Folgen des Angriffs wären ohne die zahlreichen Interventionen durch Betroffene mglw. schwerwiegender gewesen. Betroffenengruppe beschreibt auch er als alternativ. 8/10
Gruppe sei durch Aufnäher wie “no borders” als links erkennbar gewesen #Feindmarkierung.
Wahrnehmung, dass vorallem die tätowierten und gepiercten Menschen aus der Betroffenengruppe angegriffen wurden, wird erneut deutlich: "Es wurden die angegriffen, die anders aussahen." 9/10
Plädoyers v. Nebenklage, Staatsanwaltschaft & Verteidigung werden am 24.3 & 27.3 erwartet. Urteil soll am 30.3. gesprochen werden. Nächster Prozesstag ist 10.3. ab 8.30Uhr am #Landgericht #Erfurt (Juri-Gagarin-Ring 105-108). Zusammenfassung des heutigen Prozesstages folgt. 10/10