Habe gerade einen ZEIT-Podcast gehört, wo öfter von „lernen dürfen“ die Rede war. Taucht immer mehr auf, „durfte Speaker sein“, „durfte mit F arbeiten“: LinkedIn-Talk.
„x dürfen“ ist Kindersprache, denen ein Erlaubnisraum gegeben wird. Unter Erwachsenen bestenfalls anbiedernde Selbsterniedrigung, die nach Beifall heischt.
Lasst das, wenn Ihr unter Erwachsenen als Erwachsene seid.
@ChristophKappes Für mich ist dieses ‚dürfen‘ eine Kapitulation vor kapitalistischen Verwertungszusammenhängen. So wie limitierte sneakers verlost werden und die glücklichen Gewinner*innen ‚dürfen‘ diese dann erwerben.
@raoul was hat „lernen dürfen“ mit Verwertung zu tun, wovon?
@ChristophKappes Wenn man sagt ‚danke, dass ich hier teilnehmen etc. darf‘ leugnet man die Zusammenhänge, in denen man sich bewegt. Man bedankt sich für die Teilhabe am System.
@raoul Dank äussert man immer Personen gegenüber und vielleicht fälschlicherweise auch mal gegenüber Organisation. Dank für lernen hat auch nicht unbedingt mit Tauschverhältnissen zu tun. Wenn ich von Dir lerne oder Du von mir.
@ChristophKappes Definiere ‚Person‘. Eine Person agiert immer in Funktionszusammenhängen.
@raoul gut, ich meinte Mensch
@raoul ist eine Familie nicht auch ein Funktionszusammenhang, wo man „lernen darf“? So easy kommen wir da jetzt nicht raus, zumal „Funktion“ und „Verwertung“ ja nicht dasselbe ist.
@ChristophKappes In einer Familie gilt aber oft das Prinzip des ‚einfach nur so.‘ Das ist in Wirtschaft und Beruf kaum der Fall.
@raoul es gibt gute Literatur über Verbindlichkeiten und Tauschverhältnisse in sozialen Systemen, die entweder nichts mit Ökonomie zu tun haben - oder eben wie Deine eigene Perspektive alles ökonomisieren. Die Klassifikation als „Verwertungslogik“ ist im Grunde genauso: zirkulär oder allumfassend total. Das ist oft das Problem an solcher Kapitalismuskritik.
@ChristophKappes Wo liest Du da ‚Kritik‘ heraus? Das ist eine Interpretation Deinerseits. Ich habe lediglich versucht zu beschreiben, wie ich es wahrnehme und für mich fassen würde. Sicherlich ermöglichen einem diese Zusammenhänge oft auch erst die Möglichkeit, in bestimmten Settings tätig und wirksam zu werden, zum Beispiel im Bereich der Sozialen Arbeit.
@raoul wenn man vor Zusammenhängen „kapituliert“ lese ich das als Kritik, ja. War das anders gemeint?
@ChristophKappes Das ist möglicherweise eher eine Wertung. Kritik wäre zu schreiben, dass ich dieses Kapitulieren blöd, feige und niederträchtig fände. Ich könnte jedoch auch Verständnis dafür haben.
@raoul ich hätte aufgrund der „kapitalistischen Verwertungszusammenhänge“ vermutet, dass Du nicht den Menschen, sondern die Zusammenhänge kritisierst. Falsch?
@ChristophKappes Wie gesagt, es ist keine Kritik sondern eine wertende Umschreibung. Worum gehts Dir jetzt gerade?
@raoul ach, ich reagiere oft allergisch auf floskelhafte Kapitalismuskritik. Tut mir leid :)
@ChristophKappes Möglicherweise Deine Projektion, die Main-Floskel kam nämlich von Dir: ‚Es gibt da viele gute Bücher drüber.‘ Allergie ist übrigens eine unnötige Abwehrreaktion gegen eigentlich unschädliche Stoffe. ;0)
@raoul ach so, Du beurteilst also, was meine Projektion ist, garniert mit einem „möglicherweise“, und was „main“ ist oder nicht, entscheidest auch Du. Hauptsache, wir reden nicht über die Floskel, die gibst Du mir wie ein Kind zurück.
@ChristophKappes Wir beenden diese Spiegelfechterei mal besser. Einen Smiley deplatziert hinter eine passiv aggressive Nachricht zu setzen zeugt nicht von besonderer Reife btw.
@raoul das war nicht passiv-aggressiv, sondern schlichte Kritik. Du hast es dann auch den ganzen Thread vermieden, auf dieses Thema wieder einzugehen. Keine Antwort auf Verwertungs“diagnose“, und was daran kapitalistisch sein soll, erschliesst sich nach wie vor nicht, wenn jemand „durfte“.
@ChristophKappes Ach komm lass es doch einfach gut sein. Lies mal bisschen Soziologie und dann kommst Du auch selbst drauf. Fast schon stereotyp, wie Du mir hier zwanghaft vorschreiben möchtest, worauf ich gefälligst einzugehen habe, Deiner Meinung nach. Typisch Deutsch leider.