Irgendwie ist das für mich auch so ein linksliberaler Glaubenssatz, bei dem ich gar nicht weiß, wieso er stimmt. Erst mal kann es ja in JEDER Herrschaftsform passieren, dass gegen meinen persönlichen Willen entschieden wird. Inwiefern führt jetzt ausgerechnet“ Deliberation“ als Zutat dazu, dass aus so einer Entscheidung eine „kollektive Präferenz“ wird, und zwar eine, die irgendwie noch „kollektiver“ ist als die Tatsache, dass eine Bretzel beim Bäcker ein Euro kostet?

@OliverBWeber

Man würde naiverweise ja erst mal denken dass die eine Präferenz „kollektiver“ ist als die andere weil wir in der Politik irgendwie gleichberechtigter an ihrer Herausbildung mitgewirkt haben. Aber das hat ja nichts mit „deliberation“ zu tun
@larsweisbrod hmm sind die Präferenzen nicht kollektiver weil wir sie als Gruppe reflektieren anstatt sie blind aus der Summe der individuellen Präferenzen zu erzeugen? Die Idee scheint doch dass Deliberation mehr „agency“ ermöglicht als der Markt.
@philippstehr Hm ja ok das macht alles schon Sinn. Aber auch aus der Perspektive dessen der überstimmt wurde? Was macht die Entscheidung auch irgendwie zu meiner? Dass ihr mir zugehört habt und ich euch hätte theoretisch argumentativ überzeugen können? Kann man da nicht eine ganz parallele Geschichte vom Markt erzählen, wo ich ja auch theoretisch usw. usf.? Okay vermutlich sollte ich einfach mal vernünftig den Habermas lesen statt hier so rumzufragen…

@larsweisbrod
Es gibt auf jeden Fall auch ein Politikbild das da zustimmen würde: interest pluralism a la Schumpeter oder so: Politik aggregiert auch einfach Präferenzen über abstimmen nach meinen Präferenzen etc. Die Details hängen glaub ich davon ab wie wir tatsächlich Politik machen.

ja Habermas lesen oder Sachen zu group agency, List und Pettit bspw. Die wollen ja auch den Unterschied stark machen zwischen bloßen Kollektiven (Markt) und echten Gruppenakteuren (Staaten)