Es wäre großer Fortschritt, wenn unter „Technologieoffenheit“ auch verstanden würde, existierende Technologien, mit denen sich Probleme lösen lassen, zu forcieren – vom Fahrrad für klimaneutrale urbane Mobilität über Tempolimitierung via Gaspedal beim Auto bis zu erneuerbaren Energietechniken. Stattdessen wird mit „Technologieoffenheit“ aber die reine Hoffnung auf noch nicht einsatzreife Verfahren instrumentalisiert, um alten Businessmodellen Zeit zu verschaffen – das Gegenteil von Innovation.
Peter Jakobs ⛵ (@[email protected])

"technologieoffen" (adj.) gewillt, unter Missachtung bestehender Erkenntnisse eine technologische Entscheidung so lange zu verzögern, bis jemand etwas erfindet, das besser in's Weltbild der t. Person passt. Vergl. "scholzen" mit ähnlicher Bedeutung, jedoch nicht auf Technologie, sondern Politik bezogen.

Mastodon.green
@pjakobs seit Jahrzehnten ;) Wobei ich auf der anderen Seite pauschale und ziemlich desinteressierte Technologieablehnung wie bei biotechnischer Pflanzenzucht oder Kernfusion auch sehr kritisch wahrnehme.

@christianschwaegerl
Die Frage ist ja: wie lassen sich Technologiefolgen ideologiefrei abschätzen, bevor man die Technologie breit einführt?
Wir haben ja ein paar Beispiele, bei denen das gut gewesen wäre:
- verbleites Benzin
- fckw
- Asbest
- Atomkraft (ok, das ist noch ideologisch belegt)

Eine gewisse Skepsis neuen Technologien gegenüber ist nicht immer nur falsch, darf aber auch nicht Selbstzweck sein.

@christianschwaegerl oder auch die Offenheit sich mal einzugestehen, dass manche Technologien in manchen Settings (zB privater MIV in Innenstädten unabhängig von der Energiequelle) einfach das Leben der Menschen insgesamt schlechter machen und wir das Konzept nach 100 Jahren mal über Bord werfen können. Das wäre ergebnisoffene Technologieoffenheit. Sowas scheint allerdings von Konservativen mit Denkverbot belegt zu sein.
@christianschwaegerl "Technologieoffenheit" beschreibt doch eigentlich nur eine fast schon fanatische Ideologie, sich gegen alle Erkenntnisse der Wissenschaft zu stemmen, solange sie nicht ein "Weiter so" und Hochglanz-Konsum versprechen.
@jakob_thoboell Ursprünglich kommt das Konzept glaube ich im Klimakontext aus der Logik des Handels mit (immer weniger) CO2-Zertifikaten. Statt Mikromanagement und Überregulierung zu betreiben, verknappt der Staat einfach die erlaubte Menge, die ausgestoßen werden kann und das führt dazu, dass zuerst “technologieoffen” die CO2-Reduktionen mit den niedrigsten Vermeidungskosten realisiert werden statt teurer politischer Spezialwünsche. So weit, so sinnvoll…
@christianschwaegerl Aber so wird der Begriff doch lange nicht mehr angewendet. Heute ist er ein Euphemismus für die Verweigerung den aktuellen Stand der Wissenschaft anzuerkennen, und stattdessen auf zukünftige technische Lösungen zu hoffen, die ein "weiter so" erlauben.
Die "Offenheit" ist eigentlich genau das Gegenteil: Dogmatisches verweigern gegen Ergebnisoffene Überlegungen und Visionen.
@jakob_thoboell Ich wollte in Erinnerung rufen, wo das Konzept herkommt, aber es wurde leider komplett umprogrammiert.
@christianschwaegerl oder völlig neue Mobiltätskonzepte wie Car Sharing für die Fahre zum nächstgelegene Bahnhof, von wo man mit dem reservierten Fahrrad weiterfährt. Hat alles was die "Technologieoffenheit"-Freaks wollen, braucht pragmatische Bürokratie, viel Technik, braucht Wettbewerb und der ländliche Raum wird angebunden.
Aber die müssen ja weiterhin mit dem Verbrenner in Orte fahren, wo es Internet gibt.