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@VQuaschning @GrueneBundestag @gruenenrw @BMWK
Thema #Faktencheck .. in dem verlinkten Artikel wird behauptet, für die Kohle gäbe es gar keinen Bedarf. Als Beleg werden dazu Studien verlinkt. Die #FossilExit Studie https://coaltransitions.org/publications/gasknappheit-auswirkungen-auf-die-auslastung-der-braunkohlekraftwerke-und-den-erhalt-von-lutzerath/ wird als Beweis genommen.
Problem: diese Studie geht von utopischen Annahmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien aus, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Kohle nicht gebraucht wird. Stichwort #Osterpaket
1/n
Zitat S.7:
> Ab 2024 müssten die Volllaststunden der Braunkohlekraftwerke linear bis Ende des Jahr 2030 auf null reduziert werden, um zusätzlich entstehende CO2-Emissionen in den Jahren 2022-2024 zu kompensieren. Dieser Reduktionspfad wäre durch den im Osterpaket beschlossenen Ausbau der erneuerbaren Energie, alternative Gasquellen und steigende CO 2-Zertifikatepreise möglich.
Nun, wie soll denn der Ausbau gemäß #Osterpaket aussehen?
Dazu dieses Diagramm aus der Studie (S.6).
2/n
Im Diagramm wird für 2030 eine Stromerzeugung von ~ 800 TWh erwartet und davon fossil lediglich 81,2 TWh Gas. Also ein Anteil erneuerbarer von 90 %!
Leider ist in dem Diagramm das aktuellste Jahr 2018, also habe ich auf Basis von Wikipedia-Zahlen und einem Artikel vom BMWK Säulen für 2021 und 2022 erstellt und sie zum Vergleich neben die Daten aus der Studie platziert, siehe Diagramm.
PV und Wind jeweils bis Ende 2025 mehr als verdoppeln .. klingt ambitioniert bis utopisch.
3/n
90 % erneuerbare Energien im Strommix bis 2030?
Da bin ich nicht der einzige, der das für ambitioniert hält.
Aus einem Text des @BMWK :
>Im Rahmen der Energiewende sollen in Deutschland bis 2035 55 bis 60 Prozent und bis 2050 80 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Textsammlungen/Energie/speichertechnologien.html
Ah, 60 % bis 2035 klingt etwas anders als 90 % bis 2030.
4/n
In einem anderen Text schreibt das BMWK:
> Bis zum Jahr 2030 sollen mindestens 80 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen.
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html
Aha, 80 % des _verbrauchten_ Stroms. Also geht man von Grünstrom _Import_ aber eben weniger als 80 % bei der _inländischen_ Erzeugung aus.
Wahrscheinlich werden es bis 2030 eben doch nur 60 % erneuerbare bei der Stromerzeugung sein.
5/n
Derzeit liegt DE bei 43 % Anteil erneuerbarer bei der Erzeugung. 60 % könnte man in 2030 erreichen, wenn man konsistent Jahr für Jahr ~ 2,4 % Steigerung schafft.
Wenn man sehr ambitioniert und mühsam gegen viele Widerstände ankämpft, könnte man evtl sogar 70 % schaffen.
Aber wenn man davon ausgeht, dass auch hier der Paretoeffekt nicht ganz irrelevant ist, dann sollte man zu dem Schluss kommen, dass mit Annäherung an die 70,80,90 % der weitere Ausbau signifikant schwieriger wird.
6/n
So sehen die Ziele des Osterpakets, die die Studie als Basis nimmt, aus und dazu als Referenz der bisherige Anteil erneuerbarer am Strom.
Da kann man entweder einen hübschen fast-Sprung sehen (technisch eher unrealistisch).
Oder etwas das aussieht wie eine Exponentialfunktion, die dann später abflacht.
Ich glaube DE kann froh sein, wenn es etwas steiler linear weiter geht und wir 2035 bei 85-90 % landen.
Dann läge man 2025 bei 50-60 %. Weit weg von den 80 % beim Osterpaket.
7/n
Was mich zu dem Fazit bringt:
Die Behauptung der #FossilExit Studie, es gäbe gar keinen Bedarf mehr für die Kohle, steht auf einer sehr wackligen Basis. Nämlich der Annahme eines recht utopisch schnellen Ausbaus der eneuerbaren Stromerzeugung.
Man kann natürlich anderer Länder Atomstrom (Frankreich) oder Kohlestrom (Tschechien) kaufen, um selbst weniger Kohle abzubauen und zu verbrennen und sich die Welt zu Hause schön grün zu gaukeln.
Aber ist das vernünftig?
8/n
> wenn wir wollen ist es leicht machbar.
Das ist erst mal nur eine Behauptung, ohne jede Stützung durch Daten/Fakten.
Ich behaupte das Gegenteil. Es wird technisch äußerst schwierig. Siehe dazu das Diagramm von der Stromerzeugung vor grob 4 Wochen.
Im Zeitraum KW 48-50 kamen die erneuerbaren Energien auf im Schnitt 26 %. PV waren davon 1,2 %. Winkraft waren 4,7 %. Die Lücke von 74 % hieße, dass man zum Beispiel die Windkraft verfünfzehnfachen müsste, damit es reicht.
Gut. Sie müssen ja nicht das Diagramm anschauen, das in dem Post drin ist .. kann ja keinen zwingen.
Dunkelflaute im Sinne der erneuerbaren Energiegewinnung, wenn eben weder PV liefert (im Winter quasi immer bzw nie) _noch_ Windkraft (wenig Wind).
Genau das ist in KW 48-50 2022 der Fall gewesen.
Wie man im Diagramm sehr gut erkennen kann, war die Flaute dann ab Mitte Dezember vorbei und die Windkraft hat wieder einen sehr ansehnlichen Anteil am Gesamtverbraucht geliefert.
> China macht das.
:D das ist lustig. Haben Sie ne Ahnung, wieviele Kohlekraftwerke gerade im Betrieb _und_ im Bau sind in China?
Die werden viel Windstrom ernten, ja.
Aber damit sind sie trotzdem noch Jahrzehnte weit von 100 % erneuerbar entfernt.
Artikel zum Thema China und Kohlekraftwerke:
> Beijing is building more coal-fired capacity than the rest of the world combined
> Insights recently estimated that China is planning or building coal-fired power plants with a total capacity of at least 100 gigawatts.
100 GW Kohlekraft bauen die gerade dazu.
Zum Vergleich: in DE stehen so um die 40 GW rum.