Immer wenn ich sage: "Unerfreulich, dass man heute für so vieles das Auto braucht!" heißt es: "ICH LASSE MIR MEIN AUTO NICHT WEGNEHMEN, ICH BRAUCHE ES!" Das ist ein so banaler Denkfehler, der ist nicht durch mangelndes Nachdenken zu erklären, das ist einfach Suchtverhalten.
Also noch einmal: Niemand will Leuten, die ein Auto brauchen das Auto wegnehmen. Und ja, für vieles, vor allem auf dem Land, wird man wohl immer Individualverkehr brauchen. Das ist ok, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass unsere Städte und Dörfer heute so organisiert sind, dass man ohne Auto oft nicht einmal die einfachsten Grundbedürfnisse befriedigen kann. Und das ist unerträglich. Wer nicht Auto fahren kann, kommt heute oft kaum zum Arzt oder zum Supermarkt.
Das müsste nicht so sein. Es war schon mal anders. Erst in den letzten Jahrzehnten haben wir die Infrastruktur auf dem Land katastrophal ausgedünnt und die Besiedelung erweitert. Früher gab es Dörfer, dazwischen Felder. Heute gibt es zersiedelte Speckgürtel.
Kann man dort ohne Auto auskommen? Nein. Verlangt irgendjemand von den Leuten dort, auf ihr Auto zu verzichten? Nein. Der zentrale Punkt, der seit vielen Jahren von der wissenschaftlichen Stadt- und Raumplanung kommt, ist: Passt die Planung an die Menschen an, nicht an Autos!

@florianaigner Das Problem ist, dass die Leute, die im Speckgürtel zu Recht nicht auf Ihr Auto verzichten wollen, ja nicht verzichten können, wie selbstverständlich erwarten, dass sie mit diesem Auto mitten in die Stadt fahren können UND dort problemlos Verkehrs- und Parkraum angeboten bekommen. Ja, gerade dort, wo es akzeptablen ÖPNV gibt.

Kaum jemand, der daheim gewöhnt ist, mit dem Auto zu fahren, lässt das Auto am Stadtrand stehen und steigt auf die Bahn um.

Es ist diese Erwartungshaltung der Autofahrer "von draußen", die den Verkehr in der Stadt so schwer macht.

@Zugschlus @florianaigner

Das trifft es ziemlich gut.

Oder noch viel allgemeiner gesagt: das Problem ist nicht, das Menschen ein Auto besitzen, sondern das Autobesitzer nicht auf die Idee kommen, das Auto trotzdem nicht automatisch für JEDEN Weg zu nutzen und nicht darüber nachdenken, welches Verkehrsmittel für den jeweiligen Weg das passende/sinnvollste wäre.

@mmha @florianaigner Ich persönlich verkneife mir das Auto in dem Moment wo ich weiß, dass ich am anderen Ende der Fahrt nicht problemlos parken kann.

Selbst bei Freefloating Carsharing in Hamburg, wo ich das Auto am Ende der Nutzung auf Kurzparker- und Anwohnerparkplätzen abstellen DARF, verkneife ich mir das. Am Dammtorbahnhof sind z.B. gerne mal die Kurzparkerplätze komplett mit solchen Carsharingkisten voll, da nehme ich freiwillig die U1 oder den Metrobus 19.

@Zugschlus @florianaigner

Ich treibe es noch etwas mehr auf die Spitze: für Strecken bis 20-25km ist unabhängig von der Parkplatzsituation der Default für mich nicht das Auto zu nehmen - und das Auto nur das Backup für zuviel zu transportieren, Wetter zu eklig oder zu krank zum radfahren.
Aber das liegt natürlich auch mit daran das mir radfahren viel mehr Spass macht als Auto fahren.

@mmha Da bist Du weiter als ich, ich unterscheide zwischen "zu Fuß", "mit dem Zug" und "mit dem Auto", wobei die Entscheidung zwischen Auto und Zug fällt abhängig davon wie gut man am Ziel parken kann und um wieviel Uhr die beiden Fahrten stattfinden.

@Zugschlus

Das liegt ja bei mir auch eher daran das Radfahren halt mein Hobby ist und mein Liegestuhl (s. Profilbild) viel bequemer als jedes Auto oder Bahn 😉

@mmha Bequeme Züge werden in Deutscland ja seit dem ICE 4 nicht mehr beschafft.