Wisst Ihr, was Eure Großeltern oder Urgroßeltern während der Nazizeit gemacht haben, wenn sie da schon älter als 18 Jahre waren?
#familiengeschichten #kollektivesgedächtnis #kommunikativesgedächtnis
@josefina an der grenze gestanden und gehofft, dass der deutsche nicht doch in die schweiz will.
@igwigg oh...das ist ja scharf! weißt du noch mehr?
@josefina leider nein, mittlerweile ist der grossvater leider nicht mehr unter uns und er hat nicht viel erzählt
@josefina Väterlicherseits weiß ich gar nichts, mütterlicherseits wurde eine große Konditorei mit Abends Gastronomie geführt und während des Krieges wurde ein lokales Lager, französischen Gefangene, mit Backwaren beliefert. Ich glaube mein Opa war im 1. WW ein junger Soldat. Ich habe seine Bücher geerbt mit Literatur zum Krieg. Der Zeitgeist war jedenfalls bis in meine Generation zu spüren, zumindest im Kern, auch wenn meine Eltern vordergründig liberal waren. Erziehung durch brechen wollen.
@Ruebchen vielen Dank für deine Antwort. ich bin sehr interessiert daran, ob und wie das eine Bedeutung für die Nachkommen hat
@josefina hat es. Bei uns stand der Leistungsgedanke vorn, faulheit war sehr verpönt, brechen wollen gehörte zum Erziehungsstil. Dazu ein gehöriges Maß an Verdrängung bei meinen Eltern, man kommunizierte zwar offen gegen Faschismus, bearbeitete aber nie seine eigene Haltung oder das Leiden an Kriegserlebnissen als Kinder. Mein Vater hat sich mit 74 das Leben genommen, Jahrgang 40, viele seiner Generation sind davon betroffen- weit mehr als bekannt ist.
@josefina eine ganze Generation, die welche im Krieg geboren wurden oder Kinder waren, wurde von der großen Verdrängung der Nachkriegszeit geschädigt. Das hat Auswirkungen bis heute, ich bin Jahrgang 64. In meiner Kindheit und Jugend waren viele von uns von Gewalt zu hause betroffen, von Streit, Schreierein, schwarze Pädagogik, das hat seine Wurzen in der Ära der dreißiger vierziger Jahre
@Ruebchen das mit dem Suizid ist hart, das tut mir leid. der Rest ist bei mir sehr ähnlich: Leistung, Verdrängung, Härte, keine Aufarbeitung
@josefina ja! Meine Mutter wurde zum ende hin ganz weich. Wahrscheinlich war das Ihr eigentliches Wesen, und sie hat mir zugestanden doch etwas viel abbekommen zu haben! Sie sagte mal früher hat man das eben so gemacht, und auch ihr eigenes Dasein mit schaffe schaffe Häusle bauen fing sie an zu hinterfragen. Notgedrungen, es ging auf den Tod zu. aber, immerhin! Wir haben das Glück in einer Zeit zu leben wo wir lernten zu reflektieren, bestenfalls. Unsere Eltern haben selbst viel Härte erfahren
@josefina fühl dich mal geknuddelt!
@josefina Meine Großväter waren im 2. Weltkrieg Soldaten. Was die da genau gemacht haben wurde nie angesprochen. Insbesondere einer der beiden hatte von einer angedeuteten Auseinandersetzung mit jugoslawischen Partisanen schwere Narben.
Mein Opa mit meiner Oma, meiner Mutter und meinem Onkel im Jahr 1940. Der Opa war leider ein braver Soldat und meines Wissens in Italien im Einsatz. Er blieb unversehrt. Seit ich ihn bewusst kannte, also so seit den mittleren 60ern, sprach er nie über diese Zeit und war auffällig unpolitisch. Das Foto hab ich aus dem Nachlass meiner Eltern.
@josefina Meine Großeltern mütterlichseits waren begeisterte Nazis. Opa ist freiwillig nach einer Verletzung an die Front zurück, weil er seine Jungs nicht alleine lassen wollte. Dafür hat er Oma mit zwei Babys alleine zurück gelassen und ist dann in Russland irgendwo verbuddelt worden. Meine Oma hat dafür das Mutterschaftskreuz bekommen und war sehr stolz drauf. Meine Großtante schwärmte bis zu ihrem Tod vom BDM. Mein Großonkel hingegen verfiel in hartes Schweigen, wenn es um die Nazizeit ging.
@bajallae danke! sehr spannend! was haben deine Eltern dazu gesagt?
@josefina Meine Mutter ist zu einer sehr engagierten Israel-Freundin geworden und hat das Land mehrmals bereist. Die restliche Familie hat das Thema nie angefasst, weil zu unbequem und war betont "unpolitisch".
@josefina
Mein Vater war 45 ein Teenager. Er hat immer so kleine Mini- Widerstands- Storys erzählt. Die Schulklasse wird gefragt, wer in die nsdap eintreten möchte, keiner meldet sich. Gegenfrage: wer möchte nicht in die Partei? Einer meldet sich. Mein Vater. Später wurde er zur Seite genommen, er solle "ein bisschen aufpassen".
@josefina Meine waren noch keine 18 zu Kriegsende. Mein Großvater (ms) war mit 16 Jahren 1944/45 als Flak-Helfer in Leuna. Dann in Britischer Kriegsgefangenschaft. Viel hat er nie erzählt. Von seiner Zeit bei der Wehrmaxht gar nichts und nur aus der Gefangenschaft ein Bisschen.
@josefina beide Großväter waren im Krieg und sind angeschossen worden. Beide Großmütter waren arbeiten um die Kinder zu ernähren. Eine Großmutter hat ihren Sohn „verleugnet“, damit er nicht auch in den Krieg muss
@josefina
Ja, einer war bei der Wehrmacht.. und der andere hat Munition produziert..
Beide waren in der SPD.. und beiden wurden gedroht, wenn der Krieg rum ist, kommen sie nach Sibirien..
@josefina
Ja, soweit sie zu erzählen bereit waren und ich sie noch gekannt habe (Großeltern). Meine Eltern waren bei Kriegsende zehn Jahre alt, hatten aber auch noch lebhafte Erinnerungen.
Finde Dein Projekt klasse und folge jetzt!
@klinkner_anna danke! gerne lese ich von dir dazu noch etwas, wenn du es erzählen magst