@antjeschrupp also staat als gegensatz zu kapitalismus ist ja schon mal ne falsche vorraussetzung in dieser argumentation.
wachstum ist halt auch auf basis erneuerbarer ein problem. insbesondere in der übergangszeit.
ich sehs ja eher umgekehrt kausal: alle _effektiven_ klimaschutzmassnahmen werden automatisch zu negativem wachstum führen. wenn du klimaschutz machst aber trotzdem wachstum generierst bedeutet dass, dass du keinen klimaschutz machst.
@antjeschrupp ja dass ihre "Lösung" nicht so besonders clever ist glaub ich sofort, Aber Du hast das ja als Argument angebracht wieso Kapitalismus nicht das Problem sei.
BSP hat vielleicht mit dem Leben nix zu tun, mit dem Kapitalismus aber eben schon. Das ist doch gerade der Punkt.
@antjeschrupp eine sehr spannende Diskussion ist das hier. 😊 Danke dafür. Ich befürchte dass wir noch vieles in den Abgrund mitnehmen werden, halte mich aber an dem Gedanken fest, dass andere Wirtschaftsweisen, wie das partnerschaftlich geprägte das Riane Eisle mit der Caring Econony beschreibt, mehr und mehr Bedeutung erlangen werden.
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp
@kilian
Ich bin jetzt erst auf eure Interessante Diskussion gestoßen.
Hier mein Senf in 3 Teilen:
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber mich würde das immer wieder Fokusieren auf den Begriff Kapitalismus auch stören. Ich habe den Eindruck, dass der Begriff durch seine inflationäre Benutzung viel zu verwaschen ist. Bei Autoren wie Nico Paech oder Maja Göpel kommt meiner Errinerung nach der Begriff Kapitalismus eher selten vor. Oder wenn, dann wird er vorher konkret definiert. Daher verbinde ich mit dem Begriff des Kapitalismus auch eher was Altbackenes.
(1/3)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian
Was ich in einer anderen Youtube Rezension gehört habe, ist auch der Kritikpunkt, dass Kapitalismus erwähnt wird, aber gleichzeit nichts von klassisch Karl Marx geprägten Begriffen Herrschaftsverhältnissen und Produktionsmittel erwähnt wird. Besonders, wenn es in dem Ende des Buches um ihrer Kriegs-Wirtschafts-Utopie geht, ist das für mich merkwürdig. Heute würde man wahrscheinlich andere Begriffe verwenden, aber Dinge wie Gerechtigkeit, die "Schere" oder auch Genossenschaften würde ich in einer positiven nicht-vom-Kapital-regierten Wert schon erwarten. Daher hat sich das Buch gerade von meiner "To-Read-Liste" disqualifiziert.
https://youtu.be/HwVVWbBJMMc
(2/3)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian
Wo ich aber in dieser Rezension widerspreche ist sein Argument von "Null-Zinspolitik ist gut, da brauch man ja nicht wachsen, weil ich muss ja nicht in Zukunft mehr erwirtschaften und dadurch habe ich keinen Wachstumszwang".
Ohne zusätzlicher Maßnahmen führt das jedoch dazu, dass die Geldmenge sich vergrößert und früher oder später Einfluss hat auf die Inflation... Manche bezeichnen dies als Enteignung des Mittelstandes. Ich würde es eher als Steuer-durch-die-Hintertür bezeichnen, was nicht beim Staat landet, sondern Größtenteils bei den Unternehmern.
Ökologisch und Gerechtigkeitstechnisch gesehen ist das Erhöhen der Zinsen durch das Abkühlung/Fokusieren der Wirtschaft eher positiv zu sehen. Hier interessiert mich eher wie man sich in Zukunft eine Finanzwirtschaft vorstellt und welche Macht private Banken haben dürfen.
(3/3)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian es geht weiter: https://www.youtube.com/watch?v=HwVVWbBJMMc&lc=Ugwe0tY1PphoDTWnqKJ4AaABAg.9nyLCeVSHwG9o02vgFeWmI
Meine Antwort (lässt mich nochmal grundlegend über meine Haltung nachdenken):
Niedrigzinspolitik, ich muss mich korrigieren.
Ich bin kein Volkswirtschaftsexperte, aber ein Begriff wie Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist mir nicht erst seit der Folge der Anstalt zum Thema Inflation ein Begriff. Dennoch würde ich einige Vorgänge gerne besser verstehen.
"Wer viel hat bekommt auch noch satte Zinsen."
Haben wir nicht gerade in der Niedrigzinsphase gesehen, dass die Vermögenden nicht mehr in Staatsanleihen investiert waren, sondern in andere Vermögenswerte wie Immobilien, Aktien, ... Diese Werte sind gestiegen.
Macht es einen Unterschied ob ich einen günstigen Kredit und dafür überteuerte Immobilien oder einen teuren Kredit und dafür günstigere Immobilien bekomme?
(I/III)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian
Anders betrachtet: Denn je niedriger der Zins, desto mehr Kredite gibt es und desto höher ist eine private Verschuldung insgesamt (Vergrößerung der Geldmenge).
Dadurch erhöht sich der Druck auf Nachfrageseite (z.B. Immobilien, Konsumgüter) und es steigen die Preise (gleicht nicht schon allein die Vergrößerung der Verfügbarkeit von günstigem Geld einem "Wertverlust"?). Während die Gehälter nicht im gleichen Maße gestiegen sind.
Interessanter ist doch aber, wenn wir dort hin schauen, wo die großen Schulden gemacht werden. Hier kann ich nachvollziehen, dass dort das neu dazugewonnene Geld nicht direkt die Nachfrageseite ankurbelt. Wenn die Firma sich z.B. ein neuen teuren CEO leistet, dann wird nicht unmittelbar die 2-Zimmer Wohnung teurer.
Natürlich, niedrige Zinsen sind eine(!) Möglichkeit die Wirtschaft zu stimulieren, aber haben wir nicht schon in Griechenland 2010 gesehen, dass zu viel billiges Geld problematisch sein kann?
(II/III)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian
Aber was hilft mir diese Information?
Ein hoher Leitzins wird eingesetzt um Teile der aktuellen Inflation zu mildern. Die EZB kauft effektiv Geld, um es zeitweise aus dem Verkehr zu ziehen. Das kostet, früher oder später wird jemand dafür bezahlen, die Problematik sehe ich auch. Die Besitzer von viel Bargeld freut es, Unternehmen weniger.
Und hier frage ich mich, ob es nicht eine bessere Alternative zum Quantative Easing + Niedrigzins gibt, die weniger Risiken einer Inflation haben? Z.B. irgendwie mit Steuer und Investitionsprogrammen (wobei diese auch Gefahr laufen die Inflation zu treiben). Oder wenn Niedrigzins, hätte man irgendwas machen können, um Seiteneffekte abzumildern?
Was meinst Du? Was ist Deine Meinung?
(III/III)
@wuerzbach @pauakids @benni @antjeschrupp @kilian
Ergänzung zu (III):
Können hohe Kreditzinsen vlt nicht auch eine Chance für Alternatives Wirtschaften sein. Also Crowdfunding, Genossenschaften, ...
Vielleicht ist es ja möglich, irgendwie die (risikofreien) Verleihzinsen (Rendite/Koupon) klein zu halten. Z.B, in dem man Staaten entschuldet (wenn man sich über Steuern mal traut "überschussiges Geld" abzuschöpfen, also Geld, das in Hochzinsphasen eh in langläufigen Staatsanleihen gebunden wäre)
Ich habe mir jetzt das empfohlene Buch "Wullweber, Joscha: Zentralbankkapitalismus" besorgt. Interessant ist folgendes Video zum Einstieg:
https://www.youtube.com/watch?v=TrIhODWkFUE
#Geld #Inflation #Kapitalismus #Wachstum
Das Video und die ersten Seiten lassen mich jetzt schon zum Nachdenken bringen:
Er sagt, die (auch von mir) losgetretenen Diskussionen über billigen Geld, über Gegensätzlichkeit von Staat und Finanzwirtschaft, usw. führen alle in eine politische Sackgasse.
Bedeutet für mich, nochmal von Null anzufangen...
Ich denke er versucht die Diskussion eher in Richtung Deregulierung zu lenken und dass die Zivilgesellschaft sich wieder traut klarere Regeln für die Finanzgesellschaft definiert (zumindest in dieser Situation, der dauernden Finanzkrisen und der drohenden Klimakrise - da war er sehr deutlich!).
Außerdem scheint es mir, dass er kein Freund der schwarzen Null ist, sogar fordert, dass der Staat wieder aktiv investiert.
Hört sich sehr danach an, dass die USA genau das machen mit ihrem #InflationReductionAct.