Ich war gestern in dem extrem interessanten und lehrreichen Webinar "Writing Diverse Characters", gehalten von @.taganshepard. Einen Gedanken, der übers Schreibhandwerks hinaus geht, will ich mit euch teilen. Es ging um Recherche und die Rolle von Twitter.
Ein Tipp, der regelmäßig fällt, ist: Folge Aktivist*innen auf Twitter (und Instagram) und verfolge, was wie berichten. Das wird dir wichtige Ansichten und Sichtweisen von Menschen eröffnen, deren Community du nicht angehörst.
Für manche recherchierende Autor*innen wird es

nun ein bisschen schwieriger, an Informationen zu kommen, schwieriger, Interviewpartner*innen und Sensitivity Reader zu finden. Aber warum ist es so?

Eine wichtig Plattform für marginalisierte Menschen zerbricht.

Twitter ist/war sehr wichtig, weil man als marginaliserte Person die Möglichkeit hat, eine Stimme zu bekommen und gehört zu werden. Weil man sich eine Bubble um sich herum aufbauen kann, die einen schützt.

Bei Instagram mache ich diese Erfahrung zu Beispiel nicht:

Was ich bei Instagram in den Stories erzähle (furchtbar kompliziert zu schreiben, weil man es als Bild kreieren muss, ohne die Möglichkeit zu haben, am PC zu tippen – für mich nicht barrierefrei), lesen die Follower*innen für sich allein. Werde ich dafür angegangen, passiert es
privat. Ich bin dem allein ausgesetzt. Auf Twitter sind die Antworten öffentlich. Pampt mich jemand an, kommen sofort Mutuals um mir beizustehen und mich aus der "Schusslinie" zu holen. So aggressiv es auch auf Twitter ist, DAS will ich nicht missen.
Und wie wichtig die Community ist – hier ein Beispiel: Ich hab mal unter einem offizielleren YT-Video kommentiert, wo sich über eine bekannte Sängerin of Color lustig gemacht wurde. Ich sagte, es sei rassistisch. Darauf hin wurde ich von den Macher*innen angemacht und es wurde

sich über mich lustig gemacht. Das war richtig heftig, und ich war so allein. Dieses Gefühl will ich nie wieder erleben. Auf Twitter hätte es die Runde gemacht, und es gäbe auf jeden Fall einen call-out, und man hätte mich geschützt.

Warum?

Weil ich mir "meine" Community um jahrelang aufgebaut habe. Es hat sehr viel Zeit, sehr viele Ressourcen, Energie und Emotionen gekostet.

Ich glaub nicht, dass ich es noch einmal schaffe. Es wird niemals dasselbe auf Mastodon sein (ist ja auch nicht der Anspruch). Zumal es

für mich zu zerstückelt und zu weiß ist. Keine Ahnung, wie es sich noch ändern wird. Jedenfalls geht für mich hier etwas kaputt. Etwas, was für mich Essenziell ist. Twitter ist nicht nur eine Spielplatz für Prokrastination, sondern meine Stimme.