Zwischenfazit nach ein paar Wochen Rummel hier: Ich bin wirklich Fan, vom Prinzip begeistert und 'da draußen' sehr missionarisch unterwegs.
Der Flair von neuen Aufbrüchen im Netz, kein Kommerz, alles bewegt sich.

Was ich aktuell spannend finde: Entscheidungsfindung.

Mastodon gehört niemandem, kein Unternehmen hat die Macht, faktisch entscheiden die jeweiligen Admins. Müssen und können sie und wir vertrauen ihnen, wenn wir uns für Instanzen entscheiden.

Das ist erstmal eine ok'e Basis.

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Gleichzeitig ist aber immer problematisch, wenn einzelne für alle entscheiden und dabei kein Mechanismus existiert, um Entscheidungen, die alle (oder einzelne) betreffen, in Frage zu stellen. Das ist bei den großen Plattformen so und das ist hier so.

Mastodon oder die einzelnen Instanzen werden früher oder später demokratisiert werden müssen, wenn es den eigenen Ansprüchen genügen will. Wie das dann aussehen kann - Vollversammlungen, ..

Vereinssitzungen, Liquid Irgendwas - liegt an uns, oder? (Das ist übrigens auch Politik, not sorry to say.)

Aktuell werden Entscheidungen über den Code getroffen. Code is law … Wäre an der Zeit zu überlegen, ob es immer das Beste ist, was (oft nicht sehr diverse) Entwickler*innen-Communities entscheiden. Die meinen es vermutlich gut, keine Frage, aber wahrscheinlich fehlt trotzdem die eine oder andere Perspektive.

Sehr gespannt, wie das weitergeht. Wenn Mastodon gut sein soll, ..

muss sich da was ändern.

Auch Teil des Zwischenfazits:

So kuschlig, wie Mastodon von manchen beschrieben wird, finde ich es hier nicht.

Tatsächlich ist das Klima hier nicht weniger rau als ‚drüben‘, ganz individuell für mich eher noch mehr, muss ich sagen. Ich komme damit zurecht, ich finde normal, dass wir uns nicht alle immer liebhaben und ich mag auch kontroverse Debatten. Mir ging’s nur um das Selbstbild, das ich hier und da wahrnehme, und das teile ich ich nicht.

@anneroth Denke ich mir jedes Mal, wenn Menschen erwähnen, dass es hier „so viel angenehmer“ sei. Warum sollte? Warum sollte ein Technikunterschied unweigerlich zu einem Verhaltensunterschied führen? Kann, ja, liest sich aber oft nach einem Muss, nach einer Unausweichlichkeit. Will damit nicht infrage stellen, was diese Menschen empfinden und erleben, nur die Kausalität leuchtet mir nicht ein.

@subraumpixel @anneroth oh doch, Technik macht auf jeden Fall einen Unterschied.

Gerade die Tatsache, dass andernorts Algorithmen entscheiden, was in deiner Timeline ganz vorne steht, macht einen immensen Unterschied.

Warum? Weil die Algorithmen nicht dein bestes wollen, sondern das beste für die Plattform. Und da sind hoch emotionale Beiträge eben wichtiger. Genau deshalb können sich Hater (oder Nazis, oder Verschwörungstheoretiker:innen) organisieren und ihre Hates nach vorne spülen.

@WandernAustria @anneroth Im 3rd Party client gibt es keinen Algorithmus und praktisch keine Trends. Ich sagte ja nicht, dass Twitter (web, 1st client) nicht bestimmte Verhaltensweisen begünstigt (it does), sondern dass ich dem hier begegneten „hier ist es kuscheliger“ skeptisch ggü stehe in dem Sinne, dass das einzig der Plattform an sich zuzuschreiben ist. UND: I could totally be wrong. Schaue mir das ja erst ein paar Tage an (siehe auch andere Antworten)

@subraumpixel @anneroth ich konnte mir mittlerweile viele Monate ein Bild machen und mir gefällt es hier sehr viel besser.

Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Bisher waren hier auch nur solche, denen bei Twitter einfach der Ton zu rau war.

Einzige Befürchtung meinerseits: genau diese Störer könnten dank größerem Publikum hier nun auch ihren Gefallen finden am Stören.

@anneroth @WandernAustria Das letzte ist ziemlich genau Grund für meine anfängliche Skepsis: vielleicht ist es auch nur die noch fehlende Masse an Menschen, die es „angenehmer“ macht. Ein Wohnzimmer, um in einem@oft benutzten Bild zu bleiben, skaliert eben nicht beliebig (abgesehen von den vielen anderen potenziellen Schwierigkeiten, die ein Netz an Wohnzimmern so mit sich bringen könnte). Aber: ich täusche mich auch wirklich gerne ;)

@subraumpixel @anneroth ich habe da die Hoffnung, dass die vielen kleineren Server da zusätzlich helfen, die Störer besser im Zaum zu halten.

Aber ja, insbesondere als Moderator (betreibe mit Freund ja eigenen Server) bin ich schon etwas gespannt, was da noch so alles kommt.

Nachdem ich schon ein Forum mit über 10.000 Mitgliedern betreut habe, weiß ich, dass das schon auch sehr anspruchsvoll sein kann.

@anneroth @WandernAustria Oh je, ein Forum, mein Beileid :) Forenerfahrung ist glaube ich so ein bisschen ein Faktor in meinen Vorurteilen, mit denen ich so zu kämpfen habe. So ein Forum brütet bisweilen schon enorme Betonköpfe aus und das, was man heute neudeutsch toxisches Verhalten nennt.

@anneroth @WandernAustria @subraumpixel

Warum können eigentlich alle (früheren) Forenadmins das bestätigen? (Hand hoch, bei wem es nicht so war.)

Das angenehmere Diskussionsklima bei Mastodon liegt m. E. zu 30% am Algorithmus und ansonsten an der Sozialauswahl, die das Medium mit sich bringt. Die Leute hier wollen mehrheitlich gepflegten Austausch, kein Gemotze.