Die meisten Websites und Apps schicken heute unkontrolliert Profildaten über uns an dutzende Werbedatenfirmen, sobald wir sie nutzen.

In den USA passiert das im Schnitt 747 Mal pro Tag und Person, in Deutschland und Österreich immer noch 334 bzw. 267 Mal:
https://www.iccl.ie/wp-content/uploads/2022/05/Mass-data-breach-of-Europe-and-US-data-1.pdf

Die permanente unkontrollierte Echtzeit-Versteigerung von Profildaten in der Online-Werbung ist in Europa illegal und geschieht doch flächendeckend, quasi 197 Mrd DSGVO-Verstöße jeden Tag.

Leider hat es seit 2018 keine europäische Datenschutzbehörde geschafft, das zu unterbinden

Die UK-Datenschutzbehörde ICO hat schon 2019 in einem Bericht festgehalten, dass hier milliardenfach gegen die DSGVO verstoßen wird. Sie hat danach nichts gemacht, weil Datenindustrie wichtiger Wirtschaftszweig. Nun wird UK die DSGVO wohl bald abschaffen.
https://twitter.com/WolfieChristl/status/1141686504076562432
Wolfie Christl on Twitter

“This report published today by the UK data protection authority basically says: Thousands of companies are sharing personal data on hundreds of millions every day without a legal basis. Most of today's online advertising relying on it is illegal at a 'general, systemic' level.”

Twitter
Zuletzt hat die belgische Datenschutzbehörde im Februar das Pseudo-Einwilligungssystem TCF, das der Versteigerung personenbezogener Daten im Rahmen des "real-time bidding" zu Grunde liegt, für illegal erklärt. Das muss jetzt europaweit durchgesetzt werden.
https://twitter.com/mikarv/status/1491468351314485259
Michael Veale on Twitter

“What does the Belgian DPA’s landmark decision on IAB Europe & its TCF mean for real-time bidding under the GDPR? New paper from me, @MidasNouwens & @Cristianapt: “Impossible Asks” arguing that that RTB seems structurally unable to comply with the ruling. https://t.co/2XTKbFj09Q”

Twitter

Wer ist hier verantwortlich im Sinne der DSGVO?

Laut belgischer Entscheidung alle Websites und Apps, die personenbezogene Daten für Werbung via RTB hinausblasen, die Werbetreibenden, die das Profiling nutzen, und natürlich die Konzerne, die diesen Echtzeit-Datenhandel abwickeln.

...allen voran Google, aber auch Microsoft und kleinere Datenfirmen aus den USA (zB Index Exchange, PubMatic, Magnite, OpenX) und aus Europa (zB Bidswitch/Criteo, Improve Digital, Adform), die - auch wenn kleiner - trotzdem immer noch Profildaten über hunderte Millionen handeln.
Die Zahlen im ICCL-Bericht stammen aus einer nicht näher genannten Firmenquelle. Ich geh davon aus, dass das Hand und Fuß hat, und bin sicher dass auch Leute aus der Industrie diese Zahlen nicht bezweifeln würden. Im Gegenteil, es fehlt wohl noch was und sie sind real noch höher.
Größtes Problem für die Rechtsdurchsetzung bleibt jedenfalls die irische Datenschutzbehörde, die für alle US-Firmen mit Europasitz in Irland inklusive Google zuständig ist :/

Oft gestellte Frage an mich:

Is das nicht frustrierend, jahrelang zu diesen Praktiken recherchieren, die Dinge immer wieder thematisieren, Bewegung wenn dann nur im Schneckentempo? Manchmal ja.

Is es hoffnungslos? Nein! Zynismus á la "kann man eh nichts machen" is keine Option.

Btw. Ich vermisse übrigens Yieldlab (Virtual Minds / ProSiebenSat1) für AT/DE ;)