#FlorianSchwinn ist ein Kenner der Landwirtschaft und vor allem alternativer Potentiale. Dazu gehört die offene Weidelandschaft für robuste Kuhrassen und andere Nutztiere. Gebiete werden umzäunt und dann ganzjährig den Tieren überlassen, die darin durch ihre natürlichen Gewohnheiten eine ökologisch wertvolle Ressource schaffen. Erstaunlicherweise produzieren die Herden eine Landschaft, in der sich diverse Arten wieder wohlfühlen und die eine Kohlenstoffsenke erzeugt, deren Kapazität die von Wäldern noch übertrifft.
Warum also nicht mehr davon?
Wir haben es leider mit einem übermächtigen Landwirtschaftssystem zu tun (s. Agrodieselrocker in Berlin), das anders funktioniert. Massentierhaltung und Monokulturen sind ihr Markenkern. Schwinn bringt dagegen auf eine ruhige und informierte Art und Weise die Potentiale der alternativen Landwirtschaft durchaus nachhaltig ins Spiel. Meistens sachlich und rational argumentierend, manchmal auch mit einem gewissen Sarkasmus durchsetzt.
So etwa beim Thema Wolf. Der Wolf hat sich in Europa und in Deutschland erfolgreich neu angesiedelt. Das wird begünstigt durch das nie dagewesene Wachstum der Wildbestände, etwa der Wildschweine, die sich in den riesigen Maislandschaften vorzüglich ernähren und fortpflanzen können. Allerdings sind Wildschweine doch recht wehrhafte Kameraden, und Wölfe holen sich da schnell mal blutige Schnauzen. Nicht so bei den Nutztieren, etwa Schafen, die sich ganz brav fressen lassen, und leider auch zunehmend bei Kälbern und Fohlen in offener Weidelandschaft. Und deshalb gehen die Rudel immer mal wieder dazu über, sich auf das Reissen von Nutztieren zu spezialisieren. Aus diesem Verhalten resultieren natürlich Konflikte gerade mit den Akteuren der offenen Weidelandschaften, und Schwinn bringt in seinem lebendig geschriebenen Buch etliche Beispiele davon ein.
Ich verzichte hier auf das Widergeben dieser Episoden und schließe mit einer netten Pointe. Denn irgendwie verbirgt sich in diesem Wolfskonflikt auch die ganze große missratene Geschichte der deutschen Landwirtschaft unserer Zeit: Massentierhalter haben keine Angst vor dem Wolf, in die Ställe kommt er nicht, und Wolfsschützer dieser oder jener Art haben eigene Interessen. Die Wölfe aber werden anscheinend gerade für die offenen Weidelandschaften zur Gefahr, die im Sinne des Autors eigentlich unsere große Chance wären. Die ganze Komplexität ermittelt sich im Buch, das recht anschaulich geschrieben ist. Und der Geist der Zeit spricht vielleicht aus diesem Zitat:
"Wölfe interessieren sich nicht für menschliche Grenzen, profitieren aber durchaus von menschlicher Begrenztheit. Und davon haben wir in Deutschland viel zu bieten."

