Der Mittag findet sich in jener Nische zwischen kurzen, eng geplanten Terminen; Werkzeuge schweigen, wütende Hunde bellen die Briefträger an und der alte Begriff scheint nicht mehr recht zu passen, weil kaum noch Briefe getragen werden. Bewegung entlang der Schattenlinien, Supermarkt des geringsten Misstrauens, neuer Praktikant, eine andere Fehlermeldung auf dem elektronischen Kassierer, kaum Kunden, kaum Personal und die Blumen der letzten Woche mühen sich redlich, noch einigermaßen frisch zu erscheinen. Kurzes Verweilen, Ortswechsel, zu warm. #outerworld #concrete_city #sdgm #home_office_hours #lunch_break_and_weather
(Mittag im Draußen, ein kurzer Einschub in einen vollen Kalender, Dunst über der Straße dort, wo die Kurve stadtwärts durch das Wohngebiet verschwindet, und wieder tanzt Pollenschnee langsam, fast schwerelos südwärts. Ein Gefühl von Schwindel, Unschlüssigkeiten, Aufgabenliste, Realitätsabgleich, eingehende Anrufe, ausgehende Nachrichten, Supermarkt des geringsten Misstrauens, neues Personal, angespannte Stimmung, ein anderer Wartebildschirm auf dem Selbstzahlerterminal und auch sonst keine neuen Fragen. Zurück. Immer noch milchiges Licht, aber der Asphalt ist warm.) #outerworld #concrete_city #sdgm #always_in_between #home_office_hours
Dann Mittagspause, Blick über Kreuzung und Straße, Schritte treppab zum Bordstein, knappe Gespräche, andere Termine, mehrfach abgebogen, Supermarkt des geringsten Misstrauens und keine Tulpen, keine Rosen. Regenwolken flohen unverrichteter Dinge, nahmen den Vormittag mit und große Teile der für heute geschenkten Konzentration, und hier im Neonlicht zwischen den Regalen bleibt eine jahreszeitlose Kühle, die Nähe peinlicher Telefonate, die prall gefüllten Auslagen mit Sonderangeboten und die Erkenntnis, dass es bis zur nächsten saisonal geprägten Warenlieferung jetzt wieder länger dauern wird. Kopfnicken in Richtung besorgt wirkender Osterhasenhohlkörper, keine Antwort erwartend. Selbstzahlerterminals, fast schon vergessen, haben ihre staubigen Bildschirme verdunkelt, warten auf passende Anweisungen oder Abschaltungen oder relevantes Interesse, das niemandem gegeben scheint. Checkout, ohne Schlagzeilen. Und weiter im Takt. #outerworld #concrete_city #sdgm #home_office_hours #where_we_do_what_we_do
Selber Nachmittag, selbe Stadt, anderes Viertel, etliche Stunden später: Eine Gruppe junger Männer umschleicht ein auf Hochglanz poliertes, tiefschwarzes Fahrzeug, das den Großteil des Straßenrandes vor der Kreuzung einnimmt und unter dem die Grundschulkinder der Häuserzeile bequem durchkriechen könnten. Anerkennendes Gemurmel stößt merkwürdige Gedanken über Gelände, Eignung, Wertigkeit und Ausdrucksformen von Individualismus an. Und Schuldgefühle, sowieso, immer. (Der Supermarkt des geringsten Misstrauens hat eine größere Warenlieferung erhalten, heute sind die Kurven enger, die Regale voller, neue Werbeposter im Eingangsbereich nötigen zu Datenspenden gegen Kleinstrabatte und Pseudoprämien und innere Abwehrhaltungen vermissen noch mehr als ohnehin schon den Bäcker im Eckhaus und eine Realität, in dem der von seinem Handwerk hätte über die Runden kommen können. Keine neuen Tulpen. Dafür neue Blätter an den großen Kastanienbäumen. Immer wieder: Immerhin.) #outerworld #concrete_city #sdgm #afternoon_deviations #where_we_are_we_are
Statusgespräche und Planverschiebungen und technische Anfragen und unsichere Antworten und plötzlich wieder Aprilwind in den Haaren und Regentropfen auf den Wangen und den Asphalt der Nachbarschaft unter den Füßen. In den Pfützen schwimmen Kirschblütenblätter und gelbe Kreise von Pollen, ein schwerer Lastwagen fährt lange Rohre stadteinwärts, nervöse Fahrzeuge hinter sich wie eine wackelnde, verdreckte Schleppe. Supermarkt des geringsten Misstrauens, Warenlieferungen, welke Tulpen. Und noch ein paar Osterhasen, die auch der großzügige Rabatt nicht interessanter zu machen scheint. Zu schnell im Inneren, zu weit weg vom Äußeren. Der Tag rennt. #outerworld #concrete_city #home_office_hours #sdgm #where_we_spend_our_breaks
Mittagswind, Mittagssonne und immer noch, immer wieder ausreichend müde. Durch die Straße weht harscher Geruch von Baustellen und Werkzeugen und Material, und es gibt Momente, in denen man den leichter wegsteckt, und Momente, in denen Benommenheit und Schwindel folgen. Feiertagsvorspiel im Supermarkt des geringsten Misstrauens, Ungeduld und Eile treffen auf Bevorratungstendenzen und das entspannte Durchmustern der immer noch überquellenden Süßwarenauslagen; Durchgänge sind versperrt, Wägen brechend gefüllt und wer irgend kann, hält Abstand zu allem und allen. Irgendwann fühlt man Parkplatzbeton unter den Füßen, überlegt, warum man eigentlich dort war, müht sich zurückzuerinnern, gibt schließlich auf und sucht wieder den Anschluss zum Tag und seinem Takt. #outerworld #concrete_city #home_office_hours #lunch_break_deviations #sdgm
Zweierlei Grau. Nasser Asphalt unter den Füßen, nasse Wolken über den Haaren. Supermarkt des geringsten Misstrauens, wieder Maschinenstreik, geschlossene Kühltruhe, Gewohntes, Ungewohntes, Zerbrochenes. Alte Herrschaften an der Kasse. Die App zur Ladenkette. Seltsame Argumente, Kopfhörer vergessen. Verschiedene Reflexe im Wettrennen miteinander. Belanglosigkeiten des Vorabends. #outerworld #concrete_city #sdgm #afternoon_deviations
Und dann Mittag, im Wolkenlosen, Taktlosen, Formlosen. Ein Hund bellt den vorüberfahrenden Bus an. Durch den Supermarkt des geringsten Misstrauens schieben junge Menschen einen großen, noch geschlossenen Warenträger voller Schnittblumen. Werbebanner für die Rabattkarte des Hauses, Pasta-Sonderangebote, im Ausgangsbereich Kinder, die sich durch die kleinen Regale mit Sonderangeboten und Spielzeugen graben, Frösche aus weichem Kunststoff und Gartenzwerge mit deutlich zu groß wirkenden Schaufeln zutagefördern. Zipfelmützenwirklichkeiten, man grüßt und bezahlt und geht seines Wegs, schon wieder halb woanders. #outerworld #concrete_city #home_office_hours #where_we_do_what_we_do #sdgm
Supermarkt der geringsten Mittagspause, des geringsten Misstrauens. Mehr Mitarbeiter als Kunden, mehr Waren auf Rollpaletten als in den Regalen, ein Aufenthalt eine Navigation suchend nach Trittflächen und Durchgängen. Zwei junge Menschen in dunkler Kleidung sortieren den Aufsteller mit Gutscheinkarten, die Frau an der Kasse erklärt einer aufgeregten Kundin seit Minuten geduldig die Pfandposten auf der Abrechnung. Irgendwo ruft das Telefon, der Leergutautomat schaltet in den Sorgenmodus. Wenige Schritte weiter zeichnet die Sonne glatt umgrenzte Schatten auf den Asphalt. Weiter mit dem Licht und der Zeit. #outerworld #concrete_city #home_office_hours #where_we_do_what_we_do #lunch_break_deviations #sdgm

Später Exkurs in die Samstagsstadt: Wenn öffentliche Elektronik neu startet, schimmert digitale Infrastruktur durch, sichtbar für neugierige ebenso wie besorgte Blicke. Noch einige wenige Kunden im Supermarkt des geringsten Misstrauens, das Personal hat selbst gut gefüllte Warenkörbe, die Dienstverweigerung der Selbstzahlerterminals nimmt man gar nicht mehr wahr. Notwendigkeiten und anderes, schneller Weg entlang am Band. Und zurück ins Betondunkel.

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