Samúel Bjarki Pétursson, Gunnar Páll Ólafsson – „Reykjavík Fusion“ (Serie, 2025)

Eine nordische Thriller-Serie, die ihren Sog aus Atmosphäre zieht, aus Blicken und dem Gefühl, dass unter jeder glatten Oberfläche bereits etwas fault. Diese ARTE-Koproduktion aus Island macht aus Reykjavík keinen Sehnsuchtsort aus Nordlicht, Designlampen und heißen Geysiren, sondern eine vibrierende, leicht heruntergekühlte Bühne für Begehren, Macht und still eskalierende Konflikte. Im Zentrum steht die Gastronomie: Eine Küche als Labor sozialer Hierarchien, Kochen als eine Form von Kontrolle, Hingabe und verdeckter Gewalt. Geschmack ist hier nie unschuldig. Mit Ólafur Darri Ólafsson und Hera Hilmar. (ARTE, Neu!)

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Judith Lentze, Oliver Schröm – „Systemfehler: Der Cum-Ex Skandal“ (2025)

Mit Cum-Ex verbinden wir den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Er blieb viele Jahre lang unentdeckt, bis einige mutige Menschen die Wahrheit ans Licht brachten. Dieser Dokumentarfilm rekonstruiert mit Beschuldigten, Ermittlerinnen und Investigativjournalisten detailliert, wie Banken, Investoren und Anwälte vorgingen, um europäische Staaten um Milliarden zu betrügen, und wie es zu Urteilen gegen „White-Collar“-Kriminelle kam. (ZDF, Wh.)

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Paul Michael Glaser – „Running Man“ (1987)

Hätte ich damals geahnt, dass dieser Film einmal wie eine Gebrauchsanleitung für eine Gegenwart, die sich selbst als Reality-Show inszeniert, wirken würde. Dann hätte ich sicher besser aufgepasst. Damals konnte ich das aber nicht. Das grelle Neon, der Schaumstoffkitsch, Schwarzeneggers überzeichneter Muskelkörper, alles daran hat mich Arthouse-Snob damals abgestoßen. Dabei lag darunter aber ein Film über ein Amerika, auf das wir damals einfach noch nicht vorbereitet waren. Ein Amerika, das seine Entertainment-Industrie zu einem Werkzeug politischer Machtausübung gemacht hat. Kaum 40 Jahre später sehe ich diesen Film komplett anders. (ARD, Wh.)

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Soleen Yusef – „Sieger sein“ (2024)

Leute, ich hab mich schon wieder in einen Film verliebt! Im deutschen Gegenwartskino taucht ja echt nur selten mal einer auf, der Jugend, Flucht, Migration und Popkultur mit so viel Energie zusammendenkt wie das hier. Regisseurin Soleen Yusef erzählt aber keine klassische Aufstiegsgeschichte. Kein „Kick it like Beckham“ im Wedding, sondern ein vibrierendes Bild von Zugehörigkeit, Reibung und Selbstbehauptung in einer Gesellschaft, die Kindern mit Fluchterfahrung gern erzählt, sie müssten sich nur genug anstrengen. (ARD, Wh.)

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Juan José Campanella – „In ihren Augen“ (2009)

Ich dachte, ich kenne die Geschichte. Weil ich vor Jahren schon die US-Version dieses argentinischen Thrillers gesehen habe. Das war spektakulärer besetzt. Aber in besonderer Erinnerung blieb es mir eben nicht. Doch dann sah ich gestern das Original. Und plötzlich ist alles anders. Das ist kein Thriller, der unterhält. Es ist ein Film, der zeigt, wie tief Gewalt in Systeme eingeschrieben ist. Wie Erinnerung arbeitet. Wie Männer sich gegenseitig schützen. Und wie Liebe daran zerbricht. Sorry, aber das US-Remake wirkt danach nur noch wie weichgespült. Das hier bleibt hängen. Unbequem. Politisch. Und viel näher an der Wahrheit. Mit Ricardo Darín und Soledad Villamil. (ARD, Neu)

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Wim Wenders – „Perfect Days“ (2023)

Ein Film über Toiletten in Japan, dessen Vorgeschichte schon so unwahrscheinlich, war, dass er von keinem anderen Regisseur der Welt hätte gemacht werden können, als Wim Wenders. Dem Deutschen. Aus einem Werbefilm über ein Kunstprojekt wurde eine Geschichte über einen Ort. Und aus der Geschichte über einen Ort wurde ein Film über einen Mann und das Leben. (ARD, Wh.)

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Bryan Singer – „Die üblichen Verdächtigen“ (1995)

Trauen Sie der Geschichte nicht eine Sekunde. Konzentrieren Sie sich auf die Kleinigkeiten. Warten Sie mit ihrem Urteil über „Gut und Böse“! Wenn Sie dazu nicht bereit sind, dann schauen Sie diesen Film besser nicht. Wenn Sie sich aber darauf einlassen, dann belohnen Sie sich möglicherweise selbst. (ARD, Wh.)

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Michael Fetter Nathansky – „Alle die Du bist“ (2024)

Der Abspann lief schon, da hatte ich den Satz noch im Kopf: „Ich erkenne dich nicht mehr.“ Keine dramatische Trennungsszene, keine Eskalation, nicht mal eine richtige Krise – aber ein Film, der präzise zeigt, wie sich zwei verlieren. Langsam, schleichend, mit kleinen Gesteinsverschiebungen des Alltags. Michael Fetter Nathanskys zweiter Langfilm, ist ein seltsames Wesen: realistisch, aber träumerisch. Poetisch, aber konkret. Er beginnt im rheinischen Braunkohlerevier und endet irgendwo zwischen Psychogramm und Liebesfilm. (ZDF, Wh.)

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Michael Apted – „Die Spezialistin“ (2017)

Hier gibt es keinen Glamour, kein Pathos, und keine Nationalhymnen über Bildern von Flaggen im Wind. Das ist ein harter Agentinnenfilm ohne jedes Trostpflaster, der zeigt, wie Geheimdienste Menschen verschleißen. Noomi Rapace rennt durch London und Prag, ständig auf der Flucht und doch nie frei. Gewalt ist hier kein Showeffekt, sondern das Grundrauschen eines Systems, das immer mehr zerstört, als es beschützen kann. (ZDF, Wh.)

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Oliver Rihs – „Bis wir tot sind oder frei“ (2020)

„Ich war der Meinung, Sie wollten der Justiz mal so richtig auf das saubere Hemd kotzen…“ (Zitat). Das ist keine Erzählung aus dem Museum der 80er-Jahre, sondern zieht die ganze Gegenwart mit hinein – quasi in die offene Wunde. Keine Held:innengeschichte, sondern ein politisches Verlangen, das sich an den Institutionen reibt, an den Mauern und an den Körpern. Freiheit ist hier kein großes Wort, sondern ein elementarer physischer Zustand: Entweder eingeschränkt oder verweigert, immer erkämpft. Mit Marie Leuenberger und Joel Basman. (ARD, Wh.)

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