
Deutschland bezahlt das Ausland mittags dafür, unseren Strom zu nehmen. Abends kaufen wir ihn fossil zurück. Für 200 EUR/MWh. Jeden. Einzelnen. Tag. Willkommen im deutschen Strommarkt, März 2026. Was hier passiert, ist ökonomischer Wahnsinn mit Ansage. Mittags produziert Deutschland so viel Solarstrom, dass wir ihn buchstäblich verschenken. 15 GW Nettoexport. Wir bezahlen das Ausland dafür, unseren Strom abzunehmen. Abends? Sonne weg. Speicher nicht da. Netz am Limit. Also springen Gaskraftwerke an und treiben den Preis über 200 EUR/MWh. Wir kaufen Strom zurück, den wir Stunden zuvor verramscht haben. Teurer. Fossiler. Absurder. Das ist kein Marktversagen. Das ist Infrastrukturversagen im Zeitraffer. Die Zahlen des Wahnsinns: Preisspreads von über 250 EUR/MWh innerhalb eines Tages. Export am Mittag, Import am Abend. Täglich. Zuverlässig. Vorhersagbar. Vorhersagbar. Das ist das Schlimmste daran. Jeder kennt das Problem. Jeder kennt die Lösung. Speicher. Netze. Flexible Lasten. Und trotzdem: 10.000 Netzanschlussanfragen für Speicher stecken im Genehmigungsstau. Netzausbauprojekte hängen ein Jahrzehnt hinter dem Erzeugungsausbau. Und die Politik feiert sich für Rekordzahlen beim PV-Ausbau. Rekordzahlen beim Ausbau. Rekordzahlen bei negativen Preisen. Rekordzahlen bei Preisspitzen. Alles gleichzeitig. Alles zusammenhängend. Niemand verbindet die Punkte. Was wir gerade tun: Wir bauen die Erzeugungskapazität eines Systems, das wir nicht gebaut haben. Wie ein Motor ohne Getriebe. Mehr Leistung, null Übertragung. Jede negative Stunde entwertet Erneuerbare. Jede Preisspitze füllt die Kassen fossiler Kraftwerke. Solange beides passiert, finanzieren wir mit dem Ausbau Erneuerbarer die Profitabilität von Gas. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der PV-Ausbau ist kein Fehler. Er ist ein Erfolg. Aber ein Erfolg, den wir gerade systematisch entwerten, weil Speicher und Netze fehlen. Und das Irre: Alle wissen es. Keiner handelt schnell genug. März 2026. Sonne scheint. Preise negativ. System überfordert. Und abends verdient Gas das Geld des Jahres. Wie viele Jahre dieses Wahnsinns brauchen wir noch, bis Speicher und Netzausbau die gleiche politische Priorität bekommen wie der Erzeugungsausbau?| 116 Kommentare auf LinkedIn
Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat auf Adolf Hitler in der Wolfschanze. Matthias Brandt erinnert in seiner Gedenkrede an die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Berlin-Plötzensee.