Trumps faschistischer Durchmarsch & unsere Medien verharmlosen es
Illegale Deportationen, Missachtung der Gerichte, Versuche der Gleichschaltung: Trump versucht den faschistischen Durchmarsch. Die deutschen Medien nennen das âumstrittenâ, âBĂŒrokratieabbauâ oder âVerfassungskriseâ.
Das Playbook faschsitischer Propaganda
Es ist ein Video aus dem Playbook autoritĂ€rer und faschistischer Propaganda: Zu bedrohlicher Musik marschieren schwer bewaffnete MĂ€nner auf. Einige von ihnen zerren in Ketten gelegte Menschen, wĂ€hrend sie die Köpfe der Gefangenen brutal herabdrĂŒcken. Sie zwingen sie zu einem gebĂŒckten Gang, ĂŒber einen Flugzeughangar, in ein Flugzeug. Sie werden in gepanzerte Fahrzeuge gezwungen. Einer der Bewaffneten zerrt das T-Shirt hoch, um den nackten, tĂ€towierten RĂŒcken des Gefangenen zu entblöĂen.
Die Kamera zoomt auf einen der Gefangenen, der den Kopf an den Vordersitz angelehnt hat, die Augen geschlossen. Die Musik wird peppiger, ein starker Kontrast zu der gezeigten BrutalitÀt, die bedrohlichen Trommelwirbel bleiben im Hintergrund. Dann zwingen vermummte, bewaffnete MÀnner Gefangene in die Knie, pressen ihre Köpfe herunter, scheren ihnen die Haare. Die Kamera bleibt dicht am Gesicht eines auf dem Boden knienden Mannes, der seine Augen angesichts der Erniedrigung zusammenkneift.
Trump feiert illegale Deportation
Das Video, das Donald Trump ĂŒber Truth Social verbreitet, hat seine Regierung produziert. Es zeigt die illegale Deportation von 250 venezolanischen Migranten nach El Salvador. Die Trump-Regierung hat â entgegen einer richterlichen Anordnung, die die Deportation untersagte â hunderte Menschen verhaftet und nach El Salvador geschickt. Ohne dass ihre Namen bekannt sind, ohne, dass sie einen Prozess erhalten haben. Wo sie, so die Worte des Faschismus-Experten und Historikers Timothy Snyder, in einem einem âGulagâ gehalten werden. Wo sie Zwangsarbeit verrichten mĂŒssen. El Salvador wird fĂŒr die Aufnahme der Deportierten von den USA bezahlt â 6 Millionen Dollar.
Die BegrĂŒndung fĂŒr die Deportation ohne Gerichtsverfahren? Es handele sich um âMonsterâ, schreibt Trump in seinem Video-Post auf Truth Social. Die Regierung behauptet, dass es sich bei den etwa 250 MĂ€nnern um Gang-Mitglieder handele, die sich illegal in den USA aufgehalten hĂ€tten. Beweise dafĂŒr legte die Regierung nicht vor â es ist nicht einmal klar, wen sie ĂŒberhaupt abgeschoben haben.
Ein Gesetz von 1789
Auf welcher Rechtsgrundlagehandelt die Regierung? Das ist mehr als fraglich. Am Freitag hatte Trump eine Anordnung unterschrieben, die sich auf den Alien Enemies Act aus dem Jahr 1798 beruft. Der erlaubt es der USA im Kriegszustand, Nicht-StaatsbĂŒrger aus LĂ€ndern, mit denen sich die USA im Kriegszustand befinden, abzuschieben oder festzusetzen. Ohne sie vorher einem Richter vorzufĂŒhren. Dass sich Trump auf das Gesetz beruft, kommt nicht ĂŒberraschend. Er hatte diese Absicht bereits am Tag seiner AmtseinfĂŒhrung angekĂŒndigt.
Trumps Exekutivverordnung bezieht sich auf venezolanische Mitglieder der Gang Tren de Aragua, die Ă€lter als 14 Jahre sind und die keine eingebĂŒrgerten US-BĂŒrger oder Einwohner mit rechtmĂ€Ăiger Aufenthaltserlaubnis sind. Der Alien Enemies Act wurde bisher in der US-Geschichte drei Mal angewendet. Im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812 sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Er hat eine dĂŒstere, rassistische Geschichte. Er ermöglichte im Zweiten Weltkrieg unter PrĂ€sident Roosevelt die Internierung von japanischstĂ€mmigen Einwanderern in Konzentrationslagern (die Roosevelt durch Exekutivverordnungen auch auf japanischstĂ€mmige Amerikaner ausweitete). Auch Menschen mit deutschen und italienischen Vorfahren wurden wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs unter diesem Gesetz interniert, darunter auch deutsche jĂŒdische FlĂŒchtlinge. Das Brennan Center for Justice schreibt dazu:
âDiese Internierungen â ebenso wie die Internierungen wĂ€hrend frĂŒherer Kriege â waren beschĂ€mende Episoden in der Vergangenheit unserer Nation. Der Alien Enemies Act und die ihn ergĂ€nzenden Befugnisse haben es den PrĂ€sidenten ermöglicht, Menschen aufgrund ihrer IdentitĂ€t ins Visier zu nehmen, nicht aufgrund ihres Verhaltens oder der Bedrohung, die sie fĂŒr die nationale Sicherheit darstellten. Als sich der Kongress 1988 fĂŒr die Internierung der Japaner entschuldigte und Wiedergutmachung leistete, rĂ€umte er ein, dass diese Politik auf ârassistischen Vorurteilenâ und âKriegshysterieâ beruhte, nicht auf berechtigten Sicherheitsbedenken.â
Die USA befinden sich nicht im Krieg mit Venezuela. Aber Trumps Regierung behauptet, Mitglieder der venezolanischen Gang Tren Aragua betrieben âirregulĂ€re KriegsfĂŒhrungâ gegen die USA, deswegen sei die Anwendung rechtmĂ€Ăig. Dass die Regierung sich bewusst hinweg setzte ĂŒber eine richterliche Anordnung, die Deportation zu stoppen, ist ihr nicht nur egal. Sondern Trumps Justizministerin Pam Bondi griff gar Richter Boasberg selbst an. Sie behauptete in einem offiziellen Statement, er wĂŒrde âdie Sicherheit der Tren Aragua Terroristen ĂŒber die Sicherheit von Amerikanern stellenâ. Trump fordert derweil, dass Boasberg seines Amtes enthoben werde, weil er es gewagt hat, gegen ihn zu urteilen. Trump postete: âDieser Richter sollte, wie viele der korrupten Richter, vor denen ich erscheinen muss, impeached werden!!!â Er bezeichnete Boasberg als âlinksradikalen Irren von einem Richter, einen Unruhestifter und Agitator, der leider von Barack Hussein Obama ernannt wurdeâ.
Bewusster Bruch des Rechts durch Trump
Nochmal, ganz deutlich. Die Trump Regierung schiebt ohne Prozess als 250 Menschen in ein Drittland ab, wo sie in einem Arbeitslager Zwangsarbeit verrichten mĂŒssen, unterstellt ihnen Gang-Mitgliedschaft und KriminalitĂ€t (ohne dies zu beweisen). Zudem klassifiziert man sie als âTerroristenâ, deren illegale Abschiebung gerechtfertigt sei, weil sie die Sicherheit der USA gefĂ€hrden wĂŒrden. Gleichzeitig wurde diese Abschiebung, und damit der bewusste Rechtsbruch, professionell im Stil faschistischer Propaganda inszeniert. Das analysiert der Historiker Timothy Snyder in seinem Substack:
âDas Ergebnis ist ein Propagandafilm, der der 1930er Jahre wĂŒrdig ist, in dem der FĂŒhrer durch ein Verfahren charismatischer Gewalt bestimmt, was wahr und was falsch ist, wer ein Mensch ist und wer nicht (âMonsterâ). Wenn Sie sich diese Filme ansehen, bedenken Sie bitte, dass diese Sie in eine Politik von âwirâ und âsieâ hineingezogen werden sollen, in eine Welt der LĂŒge und des Hasses jenseits des Gesetzes, in ein neues Regime, das an die Stelle unserer Republik treten kann â aber nur mit Ihrem EinverstĂ€ndnis.â
Verwandte erfuhren aus Trumps Porpaganda-Video, was mit ihren Famiienmitgliedern passiert war
Laut Medienberichten haben die Familien einiger MĂ€nner, die illegal abgeschoben wurden, aus Trumps Propaganda-Video davon erfahren, dass ihre Verwandten festgenommen und des Landes verwiesen wurden. Die Washington Post beschreibt die FĂ€lle von vier venezolanischen MĂ€nnern, die festgenommen wurden, ohne dass ein Grund genannt wurde. âDie Namen der MĂ€nner erscheinen nicht in den Strafgerichtsakten des Bundes, der Bundesstaaten oder der örtlichen Gerichtshöfe.â Und wĂ€hrend Vertreter der Trump Regierung behauptet hatten, dass sie die Gang-Zugehörigkeit der MĂ€nner anhand ihrer Tattoos bestimmt hĂ€tten, bestritten die Familien von vier Festgenommenen jegliche Gang-Zugehörigkeit. Die Mutter von Mervin Yamarte (24), einem der Deportierten, sagte der Washington Post, dass er und andere nach der Festnahme Deportationspapiere unterschrieben hĂ€tten. Weil sie davon ausgingen, bald wieder bei ihren Familien in Venezuela zu sein. Stattdessen entdeckte sie einen Tag spĂ€ter ihren Sohn unter den MĂ€nnern in Trumps Propaganda-Video. Seine Partnerin erzĂ€hlte der Post von dem Moment, in dem sie Mervin in Trumps Video erkannte:
ââMein Herz brach in eine Million StĂŒcke. Denn mein Mann ist kein Mitglied des Tren de Aragua. Und ich konnte nicht glauben, dass sie ihn dorthin geschickt habenâ. Nach so vielen gemeinsamen Jahren kennt sie seine Mimik, und was sie in seinem Gesicht sah, war eindeutig. âEs war ein Gesicht des Schmerzesâ, sagt sie. âDer Angst.ââ
Was ist mit den Tattoos, die die Gang-Mitgliedschaft belegen sollen? Die Familien der vier MĂ€nner, mit denen die Post gesprochen hat, sagen, dass keiner von ihnen mit der Gang affiliierte Tattoos habe. Stattdessen finden sich auf ihrer Haut SprĂŒche wie ââFuerte como mamĂĄ.â (âStark wie Mamaâ). Tattoos seien abgesehen davon laut Expert*innen keine verlĂ€sslichen Indikatoren fĂŒr eine Zugehörigkeit von Tren Aragua, so die Post. Doch die scheinen auch bei frĂŒheren Verhaftungen einer der Haupt-Indikatoren fĂŒr die Festnahme nicht-WeiĂer MĂ€nner gewesen zu sein:
âVerwandte mehrerer venezolanischer MĂ€nner, die von der Trump-Administration als Tren de Aragua-Mitglieder bezeichnet und im Februar nach GuantĂĄnamo geschickt wurden, sagten ebenfalls, dass sich die Einwanderungsbehörden auf TĂ€towierungen konzentriert hĂ€ttenâ, heiĂt es in der Washington Post.
AbsichtserklÀrung: weiter Gerichtsurteile missachten
Tom Homan, Trumps âBorder Czarâ, der mit der DurchfĂŒhrung der von Trump versprochenen Massendeportationen betraut ist, verkĂŒndete derweil auf Fox News, dass die Regierung die Absicht verfolge, sich auch in Zukunft ĂŒber Gerichtsurteile hinwegzusetzen. Als der Fox News Moderator Lawrence Jones bemerkte: âIhr wendet euch jetzt gegen Richter. Was kommt als NĂ€chstes?â, antwortete Homan: âJeden Tag ein anderer Flug. (âŠ) Wir werden nicht aufhören. Es ist mir egal, was die Richter denken. Es ist mir egal, was die Linken denken. Wir kommen.â
Nayib Bukele, der PrĂ€sident El Salvadors, teilte derweil auf âXâ einen Artikel ĂŒber die Anordnung des Gerichts, die Abschiebung zu stoppen mit den Worten âUpsiâŠ. zu spĂ€tâ und fĂŒgte ein Emoji hinzu, das vor Lachen weint. Marco Rubio, Trumps AuĂenminister, retweete diese Verhöhnung eines amerikanischen Gerichts. Rubio â Amerikas ranghöchster Diplomat.
Die ungeheuerliche Missachtung des Gerichts durch die Trump-Regierung ist jedoch nicht nur eine Kampfansage gegenĂŒber der Judikative. Sondern auch gegenĂŒber der Legislative, warnt Timothy Snyder: âEin- und Auswanderung sind Angelegenheiten der Gesetzgebung, deren ZustĂ€ndigkeit durch die Verfassung an den Kongress delegiert wurde. Indem die Exekutive eine Abschiebung auĂerhalb der Grenzen eines bestimmten Gesetzes und sogar auĂerhalb der Grenzen des Gesetzes im Allgemeinen organisiert, stellt sie nicht nur den Kongress in Frage, sondern auch dessen Zweck.â Die Deportation entgegen der richterlichen Anordnung sei âein direkter Schlag nicht nur gegen die Judikative, sondern auch gegen die Legislative der Bundesregierung. Sie ist eine Behauptung der totalen Exekutivgewalt, die keine Grundlage im Gesetz oder in der Tradition hat.â
Systematische Entrechtung und autoritÀrer Crackdown
Die US-Regierung versucht zudem, Menschen zu deportieren, die Ansichten vertreten, die nicht mit ihren eigenen ĂŒbereinstimmen. Mahmoud Khalil war einer der Organisatoren des studentischen pro-palĂ€stinensichen Protests an der Columbia University wĂ€hrend des letzten Jahres. Er ist Inhaber einer Green Card â er hat also einen legalen Aufenthaltsstatus in den USA. Seine Partnerin ist Amerikanerin, sie ist im 8. Monat schwanger. ICE-Agenten (Immigration and Customs Enforcement) verhafteten Khalil ohne Haftbefehl. Die ICE-Agenten sagten Khalil, sein Studentenvisum sein vom AuĂenministerium zurĂŒckgerufen worden. Als er erwiderte, dass er eine gĂŒltige Green Card besitze, erwiderten, diese sei auch zurĂŒckgerufen werden. Die Agenten, ĂŒbrigens in Zivil, legten Khalil Handschellen an und verfrachteten ihn in einen Van â ohne Kennzeichnung.
Obwohl ein Richter die Deportation von Khalil per einstweiliger VerfĂŒgung vorerst stoppte, wurde er in eine Haftanstalt nach Louisiana verlegt, die fĂŒr missbrĂ€uchliche ZustĂ€nde berĂŒchtigt ist. Gleichzeitig bedeutet die Verlegung, dass â sollte Khalil Berufung einlegen â der Fall frĂŒher oder spĂ€ter vor dem Fifth Circuit Court of Appeals landen wĂŒrde. Und nicht, wie zunĂ€chst, in New York. Der 5th Circuit ist ein notorisch rechtskonservatives Gericht, das die Speerspitze des Versuchs der MAGA Bewegung ist, auch Gerichte auf Linie zu bringen.
ZunĂ€chst war unklar, wo Khalil ĂŒberhaupt festgehalten wurde, nachdem man ihn aus einem Detention Center in New Jersey verlegt hatte â erst nach einigen Tagen konnten seine AnwĂ€lte ihn in Louisiana lokalisieren. In einem Interview mit dem NPR-Journalisten Michel Martin (ĂŒbrigens eine Meisterleistung in kritischer InterviewfĂŒhrung) wich der stellvertretende Leiter des Department of Homeland Troy Edgar Security den Fragen des Journalisten aus, der immer wieder darauf hinwies, dass Khalil dauerhaften Aufenthaltsstatus besitze. Auf Michels Fragen, welches âspezifische Verhaltenâ Khalil angeblich an den Tag gelegt habe, das seine Deportation rechtfertige, wollte Edgar nicht antworten. Und brachte keine Belege gegen die VorwĂŒrfe an.
geschrieben von einem Antisemiten
AuĂenminister Marco Rubio und PrĂ€sident Donald Trump beanspruchen die Lorbeeren fĂŒr Khalils Verhaftung jeweils fĂŒr sich. Rubio bezieht sich dabei auf ein obskures Gesetz â den McCarran-Walter Act, auch bekannt als âImmigration Nationality Actâ von 1952. Dieser beinhaltet einen Passus, der selbst den vielen Jurist*innen mit Schwerpunkt Eimwanderungsrecht weitgehend unbekannt war, weil er kaum genutzt wurde. Dieser Passus erlaubt dem AuĂenminister die Abschiebung eines Nicht-StaatsbĂŒrgers, wenn seine Anwesenheit die AuĂenpolitik der USA negativ beeinflussen könnte. Abgesehen davon, dass weder Rubio noch andere Mitglieder der Regierung bisher auch nur versucht haben zu argumentieren, weshalb das ĂŒberhaupt der Fall sein sollte, ist es ein neues Level an Zynismus, zu behaupten, das Land werde durch die Deportation Khalils sicherer fĂŒr JĂŒdinnen und Juden. WĂ€hrend sie dazu ein obskures Gesetz nutzen, das von einem Antisemiten geschrieben und gegen Juden, darunter auch gegen Holocaust Ăberlebende, angewendet wurde.
McCarran war Demokrat, Rassist und glĂŒhender Antisemit â und sein Gesetz, verabschiedet auf der Höhe des Kalten Krieges, sollte die USA vor Unterwanderung durch feindliche Elemente schĂŒtzen â indem er die bereits existierenden Einwanderungsquoten von 1924 verschĂ€rfte â und so die Einwanderung von JĂŒdinnen und Juden nach dem Holocaust beschrĂ€nkte, wie der Historiker Joshua Zeitz in Politico erklĂ€rt:
âNach dem Holocaust suchten Zehntausende jĂŒdische FlĂŒchtlinge Asyl in den Vereinigten Staaten. Das Gesetz verstĂ€rkte jedoch das ursprĂŒnglich 1924 eingefĂŒhrte Quotensystem nach nationaler Herkunft. Dieses System begrenzte die Einwanderung aus SĂŒdeuropa (Griechen, Italiener) und Osteuropa (Polen, Juden) und verbot die Einwanderung aus Asien faktisch vollstĂ€ndig, wĂ€hrend Einwanderer aus West- und Nordeuropa stark bevorzugt wurden. Durch die VerschĂ€rfung dieser Quoten versagte der McCarran-Walter Act Juden aus sowjetisch kontrollierten Gebieten die Einreise in die USA. DarĂŒber hinaus benachteiligte das Gesetz Juden mit linker politischer Ausrichtung oder frĂŒherem Engagement in Arbeiter Bewegungen und sozialistischen Bewegungen zusĂ€tzlich, selbst wenn sie aus Westeuropa stammten.â
Das Vorgehen macht alle unsicherer
Zeitz warnt, dass angesichts der Inhaftierung Khalils ungeachtet dessen, ob man Khalils politische Positionen oder die der pro-palĂ€stinensischen Demonstrierenden teile (er selbst tut das nicht), alle Alarmglocken schrillen mĂŒssten: âAlle Amerikaner sollten darĂŒber besorgt sein. Aber amerikanische Juden sollten zutiefst beunruhigt sein.â Denn der McCarran Act âwar und ist ein stumpfes Instrument, das darauf abzielt, politischen Dissens zum Schweigen zu bringen und die US-Bevölkerung ethnisch zu sĂ€ubern. Er ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, das dem Land, das er angeblich schĂŒtzen sollte, Schande, nicht StĂ€rke brachte. Wenn der Staat mitten in der Nacht an die TĂŒr klopfen kann, ist jeder in Gefahr. Und fĂŒr Juden geht das selten gut.â
Der Justiz-Korrespondent fĂŒr Slate Mark Jospeh Stern betont: âEs ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es sich um eine obskure und weitgehend unerprobte Bestimmung des Gesetzes handelt. Das einzige andere Mal in der jĂŒngeren Geschichte wurde sie herangezogen, als die Clinton-Regierung einen ehemaligen mexikanischen Regierungsbeamten, der der Korruption beschuldigt wurde, ausweisen wollte. Ein Bundesrichter entschied damals jedoch, dass das Gesetz einen verfassungswidrigen VerstoĂ gegen das Recht auf ein ordentliches Verfahren darstelle.â Ein besonders absurdes Detail dieser Geschichte: Die Richterin, die dieses Urteil sprach, war Donald Trumps eigene Schwester â die mittlerweile verstorbene Maryanne Trump Barry.
Kein Rechtsstaatliches Verfahren
Ob das Gesetz verfassungswidrig ist, wurde nie schlussendlich entschieden, weil das Justizministerium unter Clinton den Mann anklagte. Und er vor dem Ende des Verfahrens starb, erklĂ€rt Stern: âDas ist der Kern des PrĂ€zedenzfalls, auf den sich die Trump-Regierung berufen will, um diese grundlegenden Verfassungsprinzipien ĂŒber Bord zu werfen â dass die Regierung ein bestimmtes Verfahren einhalten muss, bevor sie jemanden entfĂŒhrt und abschiebt; dass sie keine VergeltungsmaĂnahmen gegen Ihre verfassungsrechtlich geschĂŒtzte MeinungsĂ€uĂerung ergreifen darf; und dass die Regierung zumindest in der Lage sein sollte, Ihnen mutmaĂlich kriminelle Handlungen vorzuwerfen, bevor sie Sie ĂŒber Nacht verschwinden lĂ€sst.â
Stern verweist darauf, dass sich die Trump Regierung legal auf extrem dĂŒnnem Eis bewege: âDas fragliche Gesetz wurde zu einer ganz anderen Zeit erlassen, nĂ€mlich wĂ€hrend der zweiten âRed Scareâ, als die bĂŒrgerlichen Freiheiten fĂŒr alle, auch fĂŒr Einwanderer, deutlich eingeschrĂ€nkt waren. Viele juristische Argumente aus dieser Zeit sind völlig widerlegt.â Doch wenn Khalils Fall vor dem 5th Circuit Gericht, fest in rechtsauĂen-Hand landet, ist fraglich ob fĂŒr ihn ĂŒberhaupt noch Hoffnung besteht.
Sterns Kollegin bei Slate, die Juristin Dahlia Litwick, fasst die Sachlage so zusammen: âEgal, was man von Khalils Aussagen und Handlungen hĂ€lt, ihm wurde kein Verbrechen vorgeworfen. Er erhielt keine Benachrichtigung. Er wurde einfach aus seinem Haus geholt und verschwand. Und wir mĂŒssen uns wirklich groĂe Sorgen machen, wenn StaatsanwĂ€lte nicht einmal versuchen, ein Verbrechen zu beweisen â wenn sie stattdessen alles an ein verstaubtes altes Gesetz und die zweifelhafte Behauptung knĂŒpfen, âwir hielten ihn fĂŒr eine Gefahr fĂŒr die Vereinigten Staatenâ. Denn dann droht das uns allen.â
Die potentiellen Folgen des Falls Khalils sind dramatisch, auch ĂŒber sein persönliches Schicksal hinaus. Die Rechtszeitschrift Just Security warnt: âWenn die Regierung beispielsweise das Ziel verfolgt, die Nutzung fossiler Brennstoffe weltweit zu fördern, dann könnte der AuĂenminister BefĂŒrworter der Klimawissenschaft â oder sogar Nicht-StaatsbĂŒrger, die EigentĂŒmer grĂŒner Technologiefirmen sind â mit der BegrĂŒndung ausweisen, dass ihr Aufenthalt âdas politische Zielâ der Förderung fossiler Brennstoffe untergrĂ€bt.â
Antisemiten in RegierungsÀmtern
Dass die Trump-Regierung gegen Antisemitismus kĂ€mpfe, wie sie selbst behauptet, ist derweil ein blanker Hohn. Menschen wie der Rechtsextremist und Antisemit Darren Beattie erhalten unter Trump 2.0 hochrangige Positionen in Regierung und Behörden. Beispielsweise teilt Kingsley Wilson, die neue stellvertretende Sprecherin fĂŒr das Verteidigungsministerium, antisemitische Verschwörungstheorien, darunter eine von modernen Neo-Nazis verbreitete LĂŒge, die den Lynchmord des Juden Leo Frank 1915 in Georgia rechtfertigen soll. Sie Ă€uĂerte 2024 mehrfach ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die AfD â und twitterte gleich drei Mal âAuslĂ€nder rausâ und âDeutschland den Deutschenâ.
Die Liste vonTrumps Treffen mit und seine engen Beziehungen zu Antisemiten (ein Beispiel: 2022 das Dinner mit Holocaust-Leugner und Neonazi Nick Fuentes), oder seinen eigenen zahllosen antisemitischen ĂuĂerungen wĂŒrden mehrere Seiten fĂŒllen, der antisemitische Verschwörungsmythos vom âGreat Replacementâ ist Grundbestandteil der modernen Republikanischen Partei und einer von Trumps Evergreens â von den jĂŒngsten HitlergrĂŒĂen von Elon Musk und Steve Bannon ganz zu schweigen. Der Leiter von Trumps Taskforce zur BekĂ€mpfung von Antisemitismus (!) Leo Terrell teilte jĂŒngst erst den Beitrag eines bekannten Neo-Nazis, der gepostet hatte, Trump habe âdie Befugnis, jemandem den Judenausweis zu entziehenâ (eine Bemerkung ĂŒber Trumps rasistische und antisemitische Aussage, der jĂŒdische Minority Leader der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sei ânicht mehr jĂŒdischâ, sondern âer ist jetzt PalĂ€stinenser.â)
Der Historiker Timothy Snyder warnt, dass die Trump Regierung den Vorwand des Antisemitismus nutze, um ihren offensiven Angriff auf Rede- und Versammlungsfreiheit zu verschleiern â und dass sie dabei gleichzeitig die Bedeutung des Wortes bis zur Unkenntlichkeit verflache:
âDie Wiederholung antisemitischer Tropen unter der Behauptung, den Antisemitismus zu bekĂ€mpfen, zielt darauf, dem Begriff âAntisemitismusâ jede Bedeutung zu nehmen und die Lehren aus dem Holocaust auszulöschen. Und eine antisemitischere Handlung als das kann es kaum geben.â
Kampf der amerikanischen Rechten gegen UniversitÀten
Khalil und die Columbia University dienen Trump und der amerikanischen Rechten als willkommene Zielscheibe. Letztere bekĂ€mpft UniversitĂ€ten seit Jahrzehnten als angebliche Horte radikaler Indoktrination (auch hier sind die antisemitischen Untertöne kaum mehr Untertöne). Und gleichzeitig dĂŒrfte der Angriff die Antisemiten der Trump-Koalition befriedigen, analysiert Snyder in seinem Substack:
âIch vermute, dass Columbia weniger wegen des dortigen Antisemitismus als symbolisches erstes Ziel ausgewĂ€hlt wurde, sondern wegen der Anwesenheit von Juden. (âŠ) Das ist etwas, was echte amerikanische Antisemiten sofort begriffen haben werden. New York ist fĂŒr Antisemiten als jĂŒdisch kodiert. Die Antisemiten in Amerika, die Columbia und New York bestraft sehen, werden auch Juden bestraft sehen â und sie werden sich darĂŒber freuen. Dasselbe gilt fĂŒr UniversitĂ€ten insgesamt. UniversitĂ€ten werden von Antisemiten oft als jĂŒdisch wahrgenommen. Der Versuch, UniversitĂ€ten unter die Fuchtel zu bringen, wird von Antisemiten mit Zustimmung aufgenommen.â
Jurist Elie Mystal: âSo sieht Faschismus aus. So fĂŒhlt er sich an.â
Auf Twitter prahlte Trump derweil, Khalils Festnahme sei âdie erste von vielenâ, die noch folgen wĂŒrden. Elie Mystal, Justiz-Korrespondent fĂŒr âThe Nationâ warnte im Jura-Podcast âStrict Scrutinyâ:
âSo sieht Faschismus aus. Genau so sieht er aus. Der Faschismus kommt nicht erst um die Ecke, er ist schon hier. Denn wenn man aus seiner Wohnung in Manhattan herausgeholt und in den Sumpf von Louisiana geschickt werden kann, ohne ein Verbrechen begangen zu haben, nur weil man einen Protest organisiert hat, nur weil man das Recht auf freie MeinungsĂ€uĂerung ausgeĂŒbt hat, und niemand kommt, um einen zu retten â so sieht Faschismus aus. So fĂŒhlt er sich an.â
Mystal warnt eindrĂŒcklich, was durch den Fall von Khalil kommuniziert werden soll â an alle, die im Land leben: âEs soll eine abschreckende Wirkung auf alle anderen haben. Die Regierung sagt: âEgal wer du bist, egal wo du bist, wir können dich holen, und du kannst nichts dagegen tun.ââ Gleichzeitig wird der Versuch eines faschistischen Durchmarschs in Orwellianischem Doppelsprech verkauft. Diejenigen, die Recht und Gesetz mit FĂŒĂen treten, inszenieren sich als seine Verteidiger, Antisemiten verkaufen sich als BekĂ€mpfer von Antisemitismus. Ein faschistisches Zerrbild der RealitĂ€t, das der Bevölkerung langsam das GefĂŒhl dafĂŒr nehmen soll, was real ist und was nicht.
Entrechtung von Green Card Inhabern und Menschen mit legalem Aufenthaltsstatus:
Khalil ist nicht der einzige Inhaber einer Green Card, der momentan festgehalten wird â oder schon abgeschoben wurde. Die FĂ€lle hĂ€ufen sich, von willkĂŒrlicher Inhaftierung von Tourist*innen bis hin zum brutalen Verhör und zur Inhaftierung des deutschen Green Card Inhabers Fabian Schmidt aus unbekannten GrĂŒnden.
Dass hier eine zunehmend autoritĂ€r agierende Regierung ausprobiert, ob es einen Aufschrei gibt, wenn man Menschen mit gĂŒltigem Aufenthaltstitel festhĂ€lt, drangsaliert oder gar deportiert, ist ein Testballon. Wenn Menschen mit gĂŒltigem Aufenthaltstitel nicht mehr sicher sind, könnten es auch bald amerikanische StaatsbĂŒrger*innen nicht mehr sein. Es handelt sich nicht um EinzelfĂ€lle â sondern um das systematische Austesten davon, ob es einen Backlash gibt, wenn Menschenrechte massiv beschnitten werden.
Klassische autoritÀre Taktik
Was man hier sehen kann, ist eine klassische autoritĂ€re Taktik: RechtsverstöĂe werden bei mariginalisierten Personengruppen getestet, bei Menschen, denen die Ăffentlichkeit wahrscheinlich keine groĂe Sympathie entgegenbringt. Migrant*innen, nicht-WeiĂe Personen, queere Personen sind es vor allem, die es im Moment trifft. Aber sie werden nicht die Letzten sein. Das Zitat von Martin Niemöller nach Kriegsende (das weniger als antifaschistes Widerstands-Statement, sondern eher als persönliches Schuldbekenntnis seiner eigenen frĂŒhen NS-Sympathie verstanden werden muss) trifft es genau:
âAls die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.â
Der Historiker Timothy Snyder warnt eindringlich, dass jenseits der offenen Verletzung der Rechtsstaatlichkeit und der Manipulation der RealitĂ€t die Sprache der zweiten Trump-Administration ihre Absicht verrĂ€t â und welches historische Erbe sie dadurch ganz bewusst antritt:
âWir mĂŒssen bedenken, wie Worte gewĂ€hlt werden und was sie bei uns bewirken sollen. âFremdâ bedeutet, dass sie nicht zu uns gehören. âAlienâ bedeutet, dass wir sie hassen sollten. âTerroristâ bedeutet, dass wir sie genug hassen sollten, um einen Ausnahmezustand zuzulassen, eine Aussetzung der normalen Praktiken, einen Regimewechsel. Das hat eine lange Geschichte, ĂŒberall auf der Welt, einschlieĂlich Hitler 1933 und Stalin 1934.â
Bald sind alle Terroristen?
Auf Bluesky mahnt Snyder weiter:
âWenn die Exekutive Menschen in einen auslĂ€ndischen Gulag deportieren lĂ€sst, nur indem sie das Wort âTerroristâ ausspricht, der muss erwarten, bald selbst auch âTerroristâ genannt zu werden.â
Doch trotz all dem â trotz der amerikanischen Jurist*innen, die die RechtsbrĂŒche und das autoritĂ€re Vorgehen der Trump Regierung anprangern. Trotz der Warnungen prominenter US-Historiker*innen, drĂŒckt sich so manch groĂes deutsches Medium immer noch darum, in klarer Sprache zu benennen, was in den USA eigentlich gerade vor sich geht. Bei der Tagesschau konnte man im Bezug auf die Missachtung der richterlichen Anordnung lesen: âWarum US-PrĂ€sident Trumps Entscheidung umstritten istâ. Die Ăberschrift eines anderen Tagesschau Artikels: âAbschiebeaktion der USA sorgt fĂŒr Aufsehenâ.
Genau wie gewarnt: Trump beruft âProject 2025â Mitarbeiter
Eine Rede Trumps im Justizministerium â ein Bruch mit politischen Normen eines PrĂ€sidenten, der mehr als deutlich gemacht hat, dass er das Justizministerium als persönliches AnwaltsbĂŒro fĂŒr seine RachefeldzĂŒge ansieht â in der er unabhĂ€ngige Medien als âillegalâ bezeichnete, nannte der ZDF heute Instagram Account âungewöhnlichâ und eine âTriumphgesteâ.
Der Journalist RenĂ© Martens kommentierte das auf Bluesky folgendermaĂen:
âDiese Verharmloser hier haben die âUmstrittenâ-Phase schon hinter sich gelassen, sie haben bereits das âBeobachter werten den Auftritt als Triumphgesteâ-Level erreicht.â
Aufgabe von Journalismus ist es, nicht nur die Aussagen von MĂ€chtigen wiederzugeben, sondern sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prĂŒfen â und sie inhaltlich einzuordnen. Wenn das nicht passiert, normalisiert das eine menschenfeindliche Politik.
Trumpâs Versuchte Gleichschaltung
Bei aller FehleranfĂ€lligkeit historischer Vergleiche drĂ€ngt sich bei der Analyse der Trump Regierung die Frage auf â wo stehen wir gerade, an welchem Punkt einer versuchten autoritĂ€ren, faschistischen MachtĂŒbernahme? Klar ist zumindest, was Trump versucht: eine Form der Gleichschaltung. Unter diesem Ziel muss beispielsweise eine Exekutivverordnung des PrĂ€sidenten vom 18. Februar eingeordnet werden, die versucht, unabhĂ€ngige Behörden unter die Kontrolle des PrĂ€sidenten zu bringen. Der Jurist und Justiz-Korrespondent fĂŒr Slate Mark Joseph Stern erklĂ€rte mir dazu:
âTrump hat bereits versucht, unabhĂ€ngige Behörden zu behindern, indem er sich das Recht herausnahm, deren Leiter zu entlassen, obwohl ihm dies durch Bundesgesetze untersagt ist. Mit dieser Anordnung geht er noch einen Schritt weiter und versucht, praktisch alle unabhĂ€ngigen Behörden unter die Kontrolle des WeiĂen Hauses zu bringen. Wenn er damit Erfolg hat â und ich denke, das wird er -, wird Trump in der Lage sein, immense AutoritĂ€t ĂŒber die TĂ€tigkeit dieser Behörden auszuĂŒben und sie zu zwingen, seine eigenen PrioritĂ€ten auf Kosten ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben zu verfolgen.â
Stern befĂŒrchtet, dass, sollte dieser Fall vor dem Obersten Gerichtshof landen, dieser in seiner aktuellen Besetzung Trump diese Macht, die ihm verfassungsgemÀà nicht zusteht, einrĂ€umen wird:
âDie Gesetze zur Einrichtung unabhĂ€ngiger Behörden enthalten verschiedene Bestimmungen, die sie vor genau der Art von prĂ€sidialer Kontrolle schĂŒtzen sollen, die Trump hier geltend macht. Aber Trump setzt darauf, dass der Oberste Gerichtshof jedes Gesetz missachten oder fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€ren wird, das die Behörden vor seiner Kontrolle schĂŒtzt, und damit hat er wahrscheinlich recht. In den letzten Jahren hat sich der Oberste Gerichtshof die Theorie der âeinheitlichen Exekutiveâ zu eigen gemacht, die besagt, dass der PrĂ€sident die gesamte Exekutivgewalt innehat und daher berechtigt ist, die Behörden nach eigenem GutdĂŒnken zu fĂŒhren.
Dazu gehört auch die Absetzung von FĂŒhrungskrĂ€ften und sogar die Beeinflussung ihrer Regeln, Vorschriften und Entscheidungen. Das Gericht hat diese Doktrin auf die angebliche âursprĂŒngliche Bedeutungâ der Verfassung gestĂŒtzt, obwohl Historiker diese Theorie bereits mehrfach grĂŒndlich entlarvt haben; es gibt einfach keine Beweise dafĂŒr, dass die Verfasser der Verfassung der Meinung waren, der PrĂ€sident sollte die gesamte Exekutive beherrschen, selbst die Ă€uĂeren Bereiche und kleineren Abteilungen.â
Die RechtsbrĂŒche und verfassungswidrigen Handlungen dieser Regierung sind so mannigfaltig, dass man kaum hinterher kommt. Auch die Gerichte brauchen Zeit, bis sie reagieren können â doch die Frage ist, wie viel bis dahin bereits irreparabel beschĂ€digt ist. In einer vernichtenden, 68-seitigen Urteilsschrift stellte ein Richter jĂŒngst fest, dass Musk und DOGEs Vorgehen âzur Zerstörung der US-Behörde fĂŒr internationale Entwicklung (USAID) âwahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstoĂenâ. 26 ehemalige Mitarbeiter der Behörde hatten Klage gegen Musk und DOGE eingereicht â aber der Richter betonte, dass es in diesem Fall um weit mehr gehe als die Rechte der gefeuerten Mitarbeiter. Die Zerstörung von USAID schade âdem öffentlichen Interesse, weil sie die gewĂ€hlten Vertreter der Ăffentlichkeit im Kongress ihrer verfassungsmĂ€Ăigen Befugnis beraubt haben, zu entscheiden, ob, wann und wie eine vom Kongress geschaffene Behörde geschlossen werden soll.â
Andrew Seidel: âDie Verfassungskrise ist lĂ€ngst hier.â
Der Jurist Andrew Seidel sagt mir: âDie Verfassungskrise ist lĂ€ngst hier. Die Kaperung des Obersten Gerichtshofs war der Beginn der Verfassungskrise. Und jetzt spitzt sich diese Krise zu. Wir haben jetzt die Antwort auf die Frage, ob Trump sich an Gerichtsurteile halten wird â die Antwort ist nein. Was wir sehen ist Macht ĂŒber Recht und Gesetz.â
Dass die Trump-Regierung gleichzeitg mit legalen Smoke-Screens arbeitet, und sich auf fadenscheinige legale AusflĂŒchte stĂŒtzt, bedeute seiner Ansicht nach nicht, dass die Trump Regierung nicht den bereits eingeschlagenen autoritĂ€ren Weg weitergehen wĂŒrde, sagt mir Seidel. Was ihn besonders beunruhige, sei die Deportation nach El Slavador. âWir deportieren Menschen, und der einzige Beweis dafĂŒr, dass sie gewalttĂ€tige Gang-Mitglieder seien, ist Donald Trumps Wort. Mehr nicht. Trump sagt, sie sind gewalttĂ€tige Gangmitglieder â und sie werden deportiert. Das ist ungezĂŒgelte Macht. Es braucht ein rechtsstaatliches Verfahren.â
âDie Frage ist, ob Trump jeden zu Terroristen und Mördern erklĂ€ren kannâ
Seidel ist sich sicher, dass Trump das, was er mit venezolanischen Migranten macht, auch mit amerikanischen StaatsbĂŒrgern machen wird, die sich gegen Trump stellen. Auch Seidel verweist auf das Niemöller Gedicht und die autoritĂ€re Eskalation. Er betont:
âDie Frage ist nicht, was mit Terroristen und Mördern passiert. Die Frage ist, ob Trump jeden zu Terroristen und Mördern erklĂ€ren. Und sie ohne rechtsstaatliches Verfahren, Beweise, oder AnwĂ€lte, abschieben kann. Und das sollte uns allen Angst machen.â
âWenn Trump damit durchkommt, leben wir unter einem autoritĂ€ren Regimeâ
Seidel sagt mir:
âAlles dreht sich um Kontrollinstanzen von Macht. Und wenn es keine Begrenzung von Macht mehr gibt, leben wir unter Autoritarismus. Trump will jede einzelne Begrenzung abschaffen. Wenn Trump damit durchkommt, wenn er und seine VerbĂŒndeten keinen hohen Preis dafĂŒr zahlen mĂŒssen, der sie in Zukunft abschreckt, leben wir unter einem autoritĂ€ren Regime.â
Trump verkĂŒndete derweil ohne Rechtsgrundlage, dass die Joe Biden verliehenen Begnadigungen, die vor Trumps RachefeldzĂŒgen schĂŒtzen sollten, nicht gĂŒltig seien. Eines ist klar: Die Trump Regierung strebt eine Diktatur an, ein autoritĂ€res Regime. Noch hat sie ihr Ziel nicht erreicht â aber eines muss klar sein. Als Demokratie kann man die USA nicht mehr bezeichnen.
Titelbild: Canva
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